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Workshop
Ein paar Tage ohne Sonderrolle

Ausspannen und dazulernen in Alt Buchhorst: Vier Tage hat die Gruppe im Christian-Schreiber-Haus verbracht.
Ausspannen und dazulernen in Alt Buchhorst: Vier Tage hat die Gruppe im Christian-Schreiber-Haus verbracht. © Foto: Annette Herold/MOZ
Annette Herold / 02.06.2019, 18:00 Uhr
Alt Buchhorst (MOZ) Es passiert wieder und wieder: Fremde Menschen greifen Amani ohne zu fragen in die krausen dunklen Haare. Die sechsjährige Berlinerin kann das gar nicht leiden. In einem Blumenladen sprach die Verkäuferin die Mutter der kleinen Malia an. "Ach, die hat ja eine gesunde Gesichtsfarbe", sagte sie über das Mädchen. Dessen Mutter war froh, dass Malia das noch nicht versteht. Aber irgendwann, weiß sie, wird der Tag kommen, an dem ihre Tochter Fragen stellt.

Bei einem Treffen im Grünheider Christian-Schreiber-Haus über das Himmelfahrtswochende haben sich afrodeutsche Familien damit beschäftigt, wie sich auf solche Übergriffe im Alltag reagieren lässt. Für die Kinder standen Sport und Techniken zur Selbstbehauptung auf dem Programm, für die Erwachsenen Workshops. Zeit, den Aufenthalt im Grünen zu genießen war auch: etwa beim Familientag am Freitag, den alle auf ihre Weise nutzen konnten.

Die Familien kennen sich aus dem von der katholischen Kirche betriebenen Afrika-Center in Berlin. Regelmäßig treffen sie sich dort. In größeren Abständen unternehmen sie auch kleine Reisen wie die von der Aktion Mensch unterstützte nach Alt Buchhorst, berichtet Pater Frank Rossmann, der die Gruppe koordiniert. Menschen ganz unterschiedlicher Berufe vom Programmierer über die Geschäftsführerin eines Vereins für internationale Jugendarbeit bis zur Unternehmerin sind vertreten. So haben der aus Kenia stammende Thomas Kalunge und seine Frau Esther gerade die Firma Kulkids gegründet, die unter anderem Kinderbücher herausbringt, in denen Kinder aus Minderheiten keine Sonderrolle spielen.

Von derartigen Erfahrungen berichten viele in der Runde, und es klingt der Wunsch heraus, nicht nach Äußerlichkeiten beurteilt zu werden, sondern ganz selbstverständlich als einer von vielen. Als Frau, als Mann, als Junge, als Mädchen, die wie alle anderen auch einfach ihr Leben leben.

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