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zu den Kosten von Ganztagsschulen
Das halbe Problem

Mathias Puddig
Mathias Puddig © Foto: Thomas Koehler/photothek.net
Meinung
Mathias Puddig / 07.06.2019, 21:02 Uhr
Berlin (NBR) Die Zeit läuft: Schon in sechs Jahren sollen alle Grundschüler Anspruch auf Ganztagsbetreuung haben.

Daran will die Bundesregierung festhalten – auch wenn jetzt schon abzusehen ist, dass die Kosten weit über das hinausgehen, was sie sich ursprünglich mal vorgestellt hatte. Sie tut trotzdem gut daran, von ihrem Ziel nicht abzurücken. Denn vom Ganztag profitieren Eltern wie Schüler. Erstere erhalten Verlässlichkeit, wo ihnen der Beruf immer mehr Flexibilität abverlangt, letztere eine nachweislich bessere Ausbildung.

Die Sache hat nur einen Haken: Damit der Rechtsanspruch bis 2025 Wirklichkeit werden kann, wird Geld allein nicht reichen. Zehn Milliarden Euro pro Jahr sind zwar doppelt so viel, wie der Bund einmalig in die digitale Infrastruktur der Schulen steckt. Es löst aber nur ein halbes Problem. Denn das ganze schöne Geld wird nichts nützen, wenn es keine Lehrer gibt, um den Ganztag auch umzusetzen. Wo die herkommen sollen, ist das große Fragezeichen. Während sich das Geld schon irgendwie organisieren lässt, geht das mit Pädagogen nicht so schnell. Doch um das zu lösen, müssen Bund, Länder und Kommunen zusammenarbeiten.

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Ralf H. Janetschek 12.06.2019 - 07:22:07

Replik auf: Werner Matzat

Es läuft nicht "falsch", sondern es ist genau so geplant. Die brandenburgische Regierung will dumme Untertannen. Zitat von Alfred Tetzlaff: "Son Ei, das geht vom Rückenmark ins Gehirn und dann wirst du blöde und dann wählst du die SPD!!!"

Werner Matzat 11.06.2019 - 15:15:30

Bildung=bessere Ausbildung? - Bund, Länder und Kommunen haben keine Lösung - hier die Wirklichkeit: Deutschland verdummt!

Bildung in Deutschland: eine Katastrophe. Kinder und Gesellschaft nehmen Schaden! Michael Winterhoff redet Klartext, zeigt anhand vieler Beispiele aus seiner langjährigen Praxis als Kinder- und Jugendpsychiater, aber auch aus zahlreichen Rückmeldungen zu seinen Büchern und Vorträgen, was heute in Kitas und Schulen falsch läuft - so falsch, dass in seinen Augen die Zukunft unserer Gesellschaft gefährdet ist. Leidtragende sind für ihn die Kinder, die man quasi sich selbst überlässt. Winterhoff verharrt nicht bei der Bestandsaufnahme und Analyse, er zeigt konkrete Lösungen und Maßnahmen auf und fordert u. a. eine groß angelegte Bildungsoffensive: Weg von Kompetenzorientierung und den unfreiwillig zu Lernbegleitern degradierten Lehrern, hin zu echter Bildung und Pädagogen, die den Kindern wieder ein Gegenüber sein dürfen. Denn nur die Orientierung an Bezugspersonen ermöglicht die Entwicklung von emotionaler und sozialer Psyche. ( alles nachzulesen in dem Buch von Dr. Michael Winterhoff: Deutschland verdummt - Wie das Bildungssystem die Zukunft unserer Kinder verbaut - ISBN-13: 9783579014685 mit Ausgabetermin vom 20.5.2019) Michael Winterhoff zeichnet in seinem Buch "Deutschland verdummt" ein düsteres Bild des Bildungssystems. Dessen Umkremplung vor 20 Jahren habe dazu geführt, dass jungen Menschen heute wesentliche soziale Kompetenzen fehlten. Einige 18-Jährige hätten die psychische Reife eines Kleinkindes, sagte er im Dlf. Winterhoff: Also wir sind in einem Land, in dem wir oft in vieler Weise im Wahn sind, auch im digitalen Wahn sind. Das heißt, die Digitalisierung ist doch nur eine Technik, und mit der werden junge Menschen noch besser umgehen können als ältere Menschen. Und wir brauchen nicht Menschen, die die anwenden, das ist sowieso sehr einfach, sondern die kreativ sind und darüber verfügen, was man mit der Technik machen kann. So. Wenn es um die Entwicklung des Kindes geht, dann würde das Kind erst mal mit den Wahrnehmungsorganen die Welt wahrnehmen, auch haptisch wahrnehmen, und wenn ich jetzt schon das Kind im Kindergarten programmieren lasse oder in der Grundschule, dann geht es in das Gerät rein, ich brauche aber den psychischen, menschlichen Kontakt. Ich spreche nicht gegen eine Digitalisierung, sondern die Frage ist, wann macht was Sinn? Diese Geräte haben eben die große Gefahr: Man kann alles sofort haben, man kann wegwischen, wenn es mir zu schwer ist. Das entspricht letztendlich quasi der Säuglingsphase. Das heißt, wenn Kinder viel in diesen Geräten sind, dann können sie auch deshalb sich nicht entwickeln, und auch die Bewegung wird sehr reduziert, es sind dann nur noch Kinder, die im Moment leben. Der ganze Einblick in dieses erhellende Interview bei der Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/psychiater-winterhoff-ueber-das-bildungssystem-18-jaehrige.680.de.html?dram:article_id=450454 --- Sehr geehrter Redakteur Mathias Puddig, was wollen sie dem Leser suggerieren? Digitalfreie Zonen in Kindergärten und Schulen, fordert Winterhoff u.a., dieser "Rufer in der Wüste" wird wohl leider ungehört bleiben, sieht man sich die derzeitige Digitalisierungspropaganda aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik an, die auf einen Info - und Konsumterror im digitalen Netz setzt! Als Fazit bleibt: Bund, Länder und Kommunen haben weiterhin keine Lösungen für die Wirklichkeit. Die schwarz - rote Bundesregierung fährt schon seit längerer Zeit auf Bildungsverschleiß. Keine guten Aussichten ... somit nicht ein halbes, sonder ein ganzes Problem. Schon mal darüber nachgedacht?

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