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"Aufstehen Barnim" sucht nach alternativen Ansätzen, Pflege für Kranke und Alte zu ermöglichen. Das Ehrenamt spiele ein wichtige Rolle.

Diskussion
Das Geschäft mit der Pflege

Hilfe im Alltag: Menschen brauchen im Alter oder bei Erkrankung bei den alltäglichen Dingen Unterstützung. Etwa beim Trinken, An- und Ausziehen, beim Waschen.
Hilfe im Alltag: Menschen brauchen im Alter oder bei Erkrankung bei den alltäglichen Dingen Unterstützung. Etwa beim Trinken, An- und Ausziehen, beim Waschen. © Foto: dpa
Julia Lehmann / 15.06.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 15.06.2019, 12:41
Eberswalde (MOZ) Martin Ruthz fährt täglich ein extremes Sparprogramm. Die Pflege seiner Frau, die nach einer Lungenembolie einen Hirnschaden erlitten hat und nun in einem Heim betreut wird, zehrt nicht nur an seinen Nerven, sie bedroht seine Existenz.

Seine Geschichte erzählte der Senior in dieser Woche im Bürgerbildungszentrum Amadeu Antonio in Eberswalde. "Aufstehen Barnim", eine Regionalgruppe der linken Sammlungsbewegung, hatte zu einer Podiumsgespräch zum Thema Pflege eingeladen. Es sollten Alternativen abgewogen werden, die Pflege allein als profitorientiertes Wirtschaftsunternehmen verhindert. Unter den Diskutanten waren Dr. Arnim Krüger, Psychologischer Psychotherapeut aus Althüttendorf, Angelika May, Referentin für Gesundheit und Pflege i. R. aus Panketal, Karina Gührke-Harms, Heilpraktikerin aus Birkenwerder, sowie Jörg Trinogga aus Neustrelitz, der den Abend moderierte. Nur wenige Gäste fanden den Weg ins BBZ, trotz der Brisanz, die das Thema immer wieder erzeugt.

Denn Schicksale wie das von Martin Ruthz seien kein Einzelfall, wie Thorsten Wirth von "Aufstehen Barnim" anhand von Zahlen deutlich machte. Von 2000 bis 2015 sei die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland um 46 Prozent gestiegen, so Wirth. Da die Kosten für einen Pflegeplatz ebenfalls weiter zunehmen, die Pflegekassen aber nur einen bestimmten Anteil übernehmen, bleibe viel an den Pflegebedürftigen hängen.

Kostenverteilung intransparent

Ein Problem erkannten die Anwesenden darin, dass Pflege zum "Eigentum von Pflegekartellen" geworden ist. Hinter vielen Einrichtungen würden sich Investmentfirmen verbergen, die gewinnorientiert arbeiteten. Zu den größten dieser Branche gehören die Korian-Gruppe, die Alloheim-Gruppe, zu der auch Einrichtungen in Altenhof und Bernau gehören, sowie Pro Seniore, die zwei Pflegeheime in Joachimsthal haben. Ein Name, der öfter auftaucht, ist Burchard Führer, Investor im Bereich der Altenpflege. Sein Unternehmen investiert auch in Ferienanlagen. Auf seiner Internetseite gibt es sich als Wirtschaftsunternehmen. Zur Führergruppe gehört auch das Seniorenpflegeheim Villa Finow.

Nur die wenigsten Heime würden offenlegen, wohin das Pflegegeld ihrer Kunden tatsächlich fließt und wie viel davon bei den Pflegebedürftigen ankäme, so Karina Gührke-Harms, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Der Ansatz der Gruppe besteht darin, Pflege nicht länger Wirtschaftsunternehmen zu überlassen, sondern andere Modelle zu erarbeiten. Vorbild sei etwa ein Ansatz aus den Niederlanden. Dort lebe man verstärkt das Prinzip der Nachbarschaftshilfe und das der rehabilitierenden Pflege, führt Dr. Arnim Krüger aus. Eine zweite Idee sieht ein Netz aus ehrenamtlichen Helfern vor, bei dem nur Fachärzte als Experten hinzugezogen werden. Auf die Politik brauche man indes nicht bauen, sagte Angelika May. Sie sehe in der Bundesregierung bei keiner der führenden Parteien konkrete Ideen, das Problem in den Griff zu bekommen. Nur mehr Geld zur Verfügung zu stellen, könne nicht die Lösung sein, ergänzte Dr. Arnim Krüger, solange nicht klar ist, was mit dem Geld in den Heimen tatsächlich passiere. Carsten Zinn, Eberswalder Stadtverordneter, gab zu bedenken, dass an der Branche viele Jobs hängen. Mitarbeiter müsse man eh aus dem Ausland rekrutieren, wandte Gerd Schlegel von "Aufstehen Barnim" ein. Deutschlandweit sei es schwer, geeignetes Personal zu finden.

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Thorsten Wirth Pflege Gerd Schlegel Hirnschaden Lungenembolie

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