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Schautag
Blick hinter Schlossmauern

Festlich gedeckt: So als würde hier gleich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Staatsgästen zu Mittag essen, so gediegen präsentierte sich der große Saal im Schloss Meseberg den Besuchern beim Tag der offenen Tür.
Festlich gedeckt: So als würde hier gleich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Staatsgästen zu Mittag essen, so gediegen präsentierte sich der große Saal im Schloss Meseberg den Besuchern beim Tag der offenen Tür. © Foto: Wolfgang Gumprich
Wolfgang Gumprich / 16.06.2019, 23:08 Uhr
Meseberg Hat Franz Rhode einen Orden erhalten? Wir wissen es nicht. Verdient hätte er ihn auf jeden Fall, denn der Bürgermeister des kleinen Dorfes Meseberg verhinderte nach dem Zweiten Weltkrieg, dass die Rote Armee die bereits vorgesehene Sprengung des Schlosses Meseberg tatsächlich auch durchführte.

Gut, in den Jahrzehnten danach wurde das Schloss immer neuen, eher fremden Zwecken gewidmet, Im ersten Geschoss richtete sich die Gemeindebibliothek ein, im Keller die LPG-Küche. Und den 1980erJahren befanden sich im Erdgeschoss ein Konsum und eine Gaststätte, im oberen Stockwerk lebten neun Familien.

Nach der Wende verfiel das Schloss, bis schließlich 1995 die Messerschmitt-Stiftung das Ensemble übernahm und es für 25 Millionen Euro denkmalgerecht sanierte und restaurierte. 2005 schlossen Stiftung und Bundesregierung einen Nutzungsvertrag für einen symbolischen Jahresbetrag von einem Euro, nach dem die Bundesregierung das Schloss für 20 Jahren als Gästehaus übernehmen kann.

Der erste Besucher war im Februar 2007 der französische Staatspräsident Jacques Chirac, die jüngsten Besucher kamen am vergangenen Sonnabend zum Tag der Offenen Tür in Scharen ins Schloss. "Eigentlich ist es ja gar kein richtiges Schloss", sagt Ursula Dietrich vom Pressereferat im Bundeskanzleramt, "es ist ja eher ein Gutshof, mit preußischem Understatement zur Macht". Und sie vergisst nicht, auf die Gästehäuser anderer Regierungen hinzuweisen, Chequers in Großbritannien, Camp David in den USA oder Rambouillet in Frankreich. Dabei spielt sie auf die von der FDP-Bundestagsfraktion angestoßene Diskussion an, ob das Schloss, das die literarische Autorität in Sachen Mark Brandenburg, Theodor Fontane, als "Zauberschloss" bezeichnet, nicht zu teuer sei.  Die Liberalen monierten, dass Schloss werde zu selten genutzt – in vier Jahren an nur 32 Tagen – die Kosten seien zu hoch: Für Bewirtschaftung, Bauunterhalt und für das Personal fielen von 2015 bis 2018 Kosten von insgesamt 4,717 Millionen Euro an. Zudem kämen Bewachungskosten der Bundespolizei in Höhe von 15 Millionen Euro dazu.

Das geht aus einer Antwort des Staatsministers bei der Bundeskanzlerin, Hendrik Hoppenstedt, an den FDP-Abgeordneten Benjamin Strasser hervor, er bezeichnet Meseberg als "Spukschloss" und fordert von der Bundesregierung "ein nachhaltiges Nutzungskonzept für ihr Gästehaus".

Diese Frage nach Kosten-Nutzen greift für die Pressesprecherin einfach zu kurz: "Wenn sich im Schloss, oder im weitläufigen Park die Regierenden der Welt begegnen und miteinander reden, dann entstehen doch auch persönliche Beziehungen". Und sie geht sogar so weit zu vermuten, dass die persönlichen Begegnungen selbst schlimmste politische Krisen verhindern könnten; denn wer hier einen Tag verbracht habe, dem könne man einfach nicht ins Gesicht sagen "Ach übrigens, morgen überfalle ich dein Land!"

Der Rundgang am Sonnabend durchs Schloss folgte einem vorgegebenen Weg, in jedem Zimmer gab es Erklärungen. So erfahren die Besucher sehr viele Details, mit welch großem Aufwand die Stiftung das 1738 erbaute Barockschloss sanieren ließ.

Die Messerschmitt-Stiftung

Willy Messerschmitt (1898 bis 1978) war ein deutscher Luftfahrtpionier, der das erste serienmäßig produzierte Düsenflugzeug baute. Nach Kriegsende 1945 wurde Messerschmitt im Entnazifizierungsverfahren 1948 als "Mitläufer" eingestuft, ihm wurde der Flugzeugbau aus politischen Gründen zunächst verboten.

Nach seinem Tod im Jahr 1978 ging sein gesamtes Vermögen in die Messerschmitt-Stiftung über. Ursprünglich förderte sie die Wissenschaft und Forschung in der Luft- und Raumfahrt. Heute hat sie ihren Sitz in München und fördert den Erhalt deutscher Kulturgüter im heutigen und ehemaligen deutschsprachigen Raum. ⇥wg

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