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Baumplantage
Forstwirtschaft am Pranger

Bestseller-Autor Peter Wohlleben
Bestseller-Autor Peter Wohlleben © Foto: Christian Charisius/dpa
Igor Steinle / 17.06.2019, 07:00 Uhr
Berlin (MOZ) Früher nannte man es spazierengehen. Heute erlebt die Walderholung  unter neuem Markennamen neuen Ruhm: Waldbaden lautet der Trend, der aus Japan inzwischen auch im deutschen Forst angekommen ist. Eine kleine Industrie aus Waldtherapeuten und "Heilwäldern" schart sich inzwischen um den Hype. Gegen Gebühr lassen sich Interessierte mit verbundenen Augen durch den Forst führen, um so die Natur besser zu erspüren oder zu auch zu erriechen.

Den Boden für diesen Trend hat Peter Wohlleben bereitet. Mit Büchern wie "Gebrauchsanweisung für den Wald" und vor allem "Das geheime Leben der Bäume", das international Beachtung fand, traf der Förster den Geschmack der Deutschen ins Schwarze. Das in Deutschland emotionsgeladene Thema ist nicht nur wegen der Gefahren der Klimakatastrophe aktuell. Nein, die Deutschen haben es mit ihrem Wald. Schon die Germanen suchten dort spirituelle Zuflucht und die Romantiker Waldeinsamkeit.

In Berlin hat Wohlleben nun jedoch aufgeräumt mit dem Mythos, der ihn nährt. "Einen richtigen, alten Wald gibt es hier nicht mehr", sagte er bei einer Veranstaltung im Bundestag. Deswegen sei auch die Namensgebung nicht mehr ganz korrekt. "Es ist ein Wald, der der Maschine angepasst wird, eine reine Plantage." Und das ist für Wohlleben auch der Kern des Problems.

Eher Plantage als Wald

"16 Meter Baumstreifen, vier Meter Fahrgasse. Das ist in Deutschland Wald", kritisiert er. Ursache dafür seien die Greifarme der Bewirtschaftungsfahrzeuge (Harvester), die acht Meter weit reichen. Unter diesen tonnenschweren, vibrierenden Maschinen leiden die Böden des Waldes. Denn der Untergrund wird so stark verdichtet, dass Wasser oft nur noch unzureichend weitergeleitet werden kann. Die Folge: Wälder vertrocknen. "Bäume brauchen die Winterniederschläge, um den Sommer zu überleben", erklärt Wohlleben. So sei nicht nur der Klimawandel Schuld an der aktuellen Situation der Wälder, sondern vor allem auch die Forstwirtschaft. Eine Studie der TU München ist zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Die Forscher fordern ebenfalls, den Einsatz von schwerem Gerät zu reduzieren.

Das alleine würde Wohlleben jedoch nicht ausreichen. Für ihn hat auch ihre institutionelle Organisation Schuld an der Situation der Wälder. Er fordert eine Trennung von Forstaufsicht und -wirtschaft. "Das ist, als ob man dem Agrarverband die Aufsicht über den Tierschutz gibt."

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