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Ländlicher Raum
Die Provinz muss sich selbst helfen

Wenig Dissens am Sonntag: Rainer Klemke (3.v.l.), der die Veranstaltung im  Rahmen vom Tag der offenen Höfe organisierte, diskutierte mit Bürgermeister Uwe Schoknecht, Ortsvorsteher Andreas Zeidler sowie Landrat Daniel Kurth (SPD), Ralf Christoffers Landtagsabgeordneter der Linken und Prof. Jürgen Peters von der HNE (v.l.) über die Zukunft des ländlichen Raumes am Beispiel Groß Schönebecks.
Wenig Dissens am Sonntag: Rainer Klemke (3.v.l.), der die Veranstaltung im  Rahmen vom Tag der offenen Höfe organisierte, diskutierte mit Bürgermeister Uwe Schoknecht, Ortsvorsteher Andreas Zeidler sowie Landrat Daniel Kurth (SPD), Ralf Christoffers Landtagsabgeordneter der Linken und Prof. Jürgen Peters von der HNE (v.l.) über die Zukunft des ländlichen Raumes am Beispiel Groß Schönebecks. © Foto: susan hasse
Susan Hasse / 19.06.2019, 09:15 Uhr - Aktualisiert 20.06.2019, 13:31
Groß Schönebeck (MOZ) Während am Rand von Berlin immer mehr Menschen leben und immer mehr Wertschöpfung stattfindet, hat der ländliche Raum im Norden mit schlechter Infrastruktur für DSL und Mobilfunk und rar gesätem ÖPNV zu kämpfen. Wie die Zukunft der Dörfer aussehen soll und kann, haben am Sonntag Vertreter aus Politik und Wissenschaft in Groß Schönebeck diskutiert. Das Ergebnis vorab: Es gibt Hoffnung und vielleicht mehr finanzielle Unterstützung. Die wünscht zumindest Barnims Landrat Daniel Kurth. Im Entwurf zur Landesplanung stehe, dass kleine Orte, die wichtige Versorgungsfunktionen haben, 100.000 Euro extra vom Land bekommen.

Ausnahme für Groß Schönebeck

"Nach dem Entwurf aus Potsdam gehört Groß Schönebeck dazu", verkündet Kurth. Der Ort solle "grundfunktionales Zentrum" werden, meint auch Ralf Christoffers, Landtagsabgeordneter der Linken. Auch wenn Groß Schönebeck  nicht alle geforderten Kriterien erfüllt, sollte der Status ausnahmsweise erteilt werden, so Christoffers. Er werde sich in Potsdam dafür stark machen. Der umstrittene Landesentwicklungsplan (LEP-HR) an sich wurde auf dem Podium nicht  infragegestellt. Kritiker und Gegner des LEP waren nicht eingeladen: So hält etwa die CDU und die AfD den LEP inhaltlich für misslungen, da er dem ländlichen Raum Wachstum verbieten will. Über die Frage, wie die Dörfer wachsen sollen, sind sich die fünf Diskutanten einig: Der ländliche Charme müsse bewahrt werden. "Ich will kein zweites Wandlitz", bringt es etwa Andreas Zeidler,  neuer Ortsvorsteher in Groß Schönebeck auf den Punkt.

Von zentraler Bedeutung für die Zukunft des ländlichen Raumes ist es, die Finanzkraft zu stärken, ist Bürgermeister Uwe Schoknecht überzeugt. Er fordert, dass die finanzielle Ausstattung der Kommunen besser werden müsse. Es könne nicht sein, dass die Gemeinden immer mehr Lasten zu tragen hätten, so Schoknecht. Der Unterhalt der Straßen etwa würde den Haushalt immens belasten. Was die Unterstützung jenseits von Sonntagsreden von Seiten der Politik angeht, bleibt Schoknecht realistisch: "Wir haben keine Lobby außer uns selbst", ist der Bürgermeister der Gemeinde Schorfheide überzeugt. Der ländliche Raum müsse lauter werden. Auch Landrat Daniel Kurth plädiert dafür, dass die Dörfer stärker ihre Interessen formulieren und belegt dies mit einem Beispiel. Bei der Diskussion um die Verlängerung der Bahnstrecke von Groß Schönebeck bis Berlin-Wilhelmsaue haben sich die Gegner bereits in Stellung gebracht und sammeln Unterschriften gegen die Bahn. "Sammeln Sie Stimmen für die Bahnstrecke", fordert er die Groß Schönebecker auf. Sonst drohe das Projekt womöglich noch zu scheitern. "Das werden wir tun", so Zeidler. In Sachen Protest und Bürgerengagement hat Groß Schönebeck bereits Übung.

Was ist der ländlichen Raum?

Den Ländlichen Raum zu definieren ist schwierig. Zu unterschiedlich sind die Ausprägungen. Grundsätzlich bestimmen im ländlichen Raum Dörfer und kleinere Städte, die von Feldern, Wiesen und Wäldern umgeben sind das Bild. Die Wirtschaft ist von kleinen und mittelständischen Unternehmen dominiert.Diese Struktur prägt auch das Lebensgefühl, die Identität und den Zusammenhalt der Menschen auf dem Land. Laut Landwirtschaftsministerium BMEL leben mehr als die Hälfte der Deutschen in Dörfern und kleineren Städten. Allerdings nur 15 Prozent der Menschen in Orten mit weniger als 5000 Einwohnern. Zum Vergleich: In den USA leben 84 Prozent in Städten. ⇥sha

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