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Nach 41 Jahren im Lehrerdienst legt Marieta Gruber die Leitung des Theodor-Fontane-Gymnasiums Strausberg in jüngere Hände.

Fontane-Gymnasium
Direktorin verabschiedet sich

Jens Sell / 20.06.2019, 10:15 Uhr
Strausberg (MOZ) Erst zwei Leiter hat das Strausberger Theodor-Fontane-Gymnasium gesehen: Den Gründungsdirektor Lutz Klinnert bis 2005, dann zunächst drei Jahre kommissarisch und seit 1. Dezember 2008 hauptamtlich Marieta Gruber. Seit ihrer Wunschversetzung an die frühere Diesterweg-Oberschule am Fichteplatz 1991 war sie Klinnerts Stellvertreterin. Sie selbst musste lange Zeit ohne ordentlich bestellte Stellvertreter auskommen, merkt sie kritisch an. Lange Jahre hat ihre Kollegin Thurid Reichl "nebenbei" diese Funktion ausgefüllt. Im Februar 2018 wurde eine Stellvertreter-Stelle ausgeschrieben, ein Jahr später auch die Zweite, die neuerdings üblich sind. Besetzt wurde bis heute keine.

Nachfolge ist geregelt

Doch immerhin gibt es eine geregelte Nachfolge, ebenfalls nach einer Ausschreibung: Carsten Sass, der Leiter der Geschwister-Scholl-Gesamtschule (mit gymnasialer Oberstufe) in Zossen, tritt am 22. Juli seinen Dienst am Fichteplatz an. Seine Bewerbung ist schon vor Ostern von der Schulkonferenz einstimmig befürwortet worden. Die Nachbesetzung von Direktoren- und Stellvertreter-Stellen ist in der Brandenburger Schullandschaft ein weit verbreitetes Problem, weiß Marieta Gruber: "Es gibt viele kommissarisch leitende Kollegen, das halte ich für sehr bedenklich."

Immerhin hat sie insgesamt 14 Jahre die 1000-Schüler-Schule Strausbergs geleitet. Hat sie ihr einen Stempel aufgedrückt? "Wenn, dann in der Weise, dass es ein vertrauensvolles und sachliches Miteinander im Alltag zwischen Schülern, Lehrern und Eltern gibt, dass auch Kritik zugelassen ist und jeder sich einbringen kann", antwortet Marieta Gruber schließlich. Das Engagement in den Mitwirkungsgremien erwachse erst daraus, aus diesem kooperativen Alltag.

Die in Strausberg geborene Marieta Gruber ist nach dem Pädagogik-Studium an der Berliner Humboldt-Uni 1978 direkt als Geografie- und Sportlehrerin in der damaligen Friedrich-Engels-Oberschule in der Peter-Göring-Straße eingesetzt worden. Sie habe auch stets ihre Lieblingsfächer unterrichtet: "Nur ein Jahr lang musste ich einer 6. Klasse Mathematik geben. Ich habe die Bruchrechnung anhand von Tortenstückchen anschaulich gemacht", erinnert sie sich. Mit der Wende durften die Lehrer dann eine Schulform wählen. Sie wollte eine Herausforderung und entschied sich für das Gymnasium. Und sie legt Wert auf die Feststellung, dass die Arbeit in einer Grundschule oder Oberschule nicht weniger anspruchsvoll ist. "Aber hier, hier hat es mit am meisten Spaß gemacht, wobei ich immer meinen Beruf mit viel Herzblut und Spaß ausgeübt habe", blickt sie zurück.

Auch wenn in der kürzlichen Abiturfeier scherzhaft auf einen Polylux aus DDR-Zeiten angespielt wurde – nach Einschätzung der scheidenden Schulleiterin ist das Theodor-Fontane-Gymnasium von seinem Träger, dem Schulverwaltungsamt des Landkreises, sehr gut technisch und räumlich ausgestattet worden. "Ich finde nicht, dass in Zeiten von Whiteboard und Smartboard die grüne Tafel und der Polylux ausgedient haben. Kreide ist als Rohstoff sehr alt, und sie gehört für ewig zur Schule." Der Schulträger habe auch auf die neue Verordnung zur Gymnasialen Oberstufe sofort reagiert und Grundrisse im Haus verändert, so dass kleine Räume zu Großen zusammengelegt wurden. Das hat mit den jetzt größeren Kursen zu tun. So habe die Schule jetzt zwei große Physik-Kabinette, ein Großes für Chemie, eins allgemein für Naturwissenschaften und einen Biologieraum.

Schade findet Marieta Gruber, dass nur eine Leistungs- und Begabtenklasse (Klassenstufe 5) eingerichtet werden darf: "Die Nachfrage ist groß, wir hatten dieses Jahr 50 Anmeldungen." Sie freut sich, dass ab nächstem Schuljahr auch Spanisch neben Russisch, Latein und Französisch als zweite Fremdsprache angeboten werden kann. Und in diese Richtung sieht sie auch Entwicklungspotenzial für das Gymnasium: Es könne eine Europaschule werden, in der Sprachwettbewerbe, Schüleraustausche und die Schulpartnerschaft mit Marseille den Alltag prägen. Die Beziehungen ins russische Dwer nahe dem Sternenstädtchen sollten auch nicht vernachlässigt werden.

Ukulele lernen im Ruhestand

Marieta Gruber hat noch nicht so recht begonnen, loszulassen. Voraussichtlich am 28. Juni ist ihr letzter richtiger Arbeitstag im Gymnasium. Dann hat sie noch ein bisschen Zeit zum Abtrainieren. Endlich in Ruhe ein Buch lesen, Reisen auch mal in der Nebensaison und als Leseoma in der Vorweihnachtszeit bei Kerzenschein im Hort oder einer Grundschule – so ungefähr stellt sie sich ihren Ruhestand vor. Und dann will sie noch gerne Ukulele lernen, das soll gar nicht so schwer sein, hätten ihre Musiklehrer versichert.

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