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In Kohlsdorf wurden kürzlich Störche aus einem Horst gerettet. Der Altstorch wurde zuvor überfahren.

Vögel
Jungstörche in Kohlsdorf vor Tod bewahrt

Olaf Gardt / 25.06.2019, 19:30 Uhr
Kohlsdorf (MOZ) Neben ihren Einsätzen bei der Waldbrandbekämpfung, bei Unfällen auf der Straße und im Wasser, musste die Beeskower Feuerwehr jetzt auch als Storchenretter aktiv werden. Nur mit der Drehleiter der Wehr gelangten Mitarbeiter des Kreisumweltamtes an den Storchenhorst in Kohlsdorf, aus dem sie die beiden Jungvögel holten. Die Nestlinge waren noch recht jung, an den Flügeln zeigten sich die ersten schwarzen Spitzen der künftigen Handschwingen, als sie von Lutz Ittermann ins Storchenzentrum nach Vetschau gebracht wurden.

Ohne Altstorch kein Überleben

Die Rettungsaktion war notwendig, weil der männliche Altstorch auf der Beeskower Umgehungsstraße angefahren worden war und dabei umkam. Ohne Eingriff des Menschen hätte das auch den Tod der Jungvögel bedeutet, erklärt Ittermann. In den ersten Wochen nach dem Schlüpfen bleibt immer ein Altstorch bei den Jungtieren. Mit ausgebreiteten Schwingen spendet er den kleinen Vögeln Schatten, schützt sie vor Angriffen von Raubvögeln. Dabei wechseln sich die Altvögel ab, ein Tier geht auf Nahrungssuche. Kommt der Partner nicht zurück, harrt der andere Storch auf dem Nest aus, so lange es geht. Die Jungvögel verhungern dann in der Regel.

In Kohlsdorf hatte eine Anwohnerin schnell bemerkt, dass ein Altstorch fehlt und die Kreis-Naturschutzbehörde informiert. Die holte sich Hilfe bei der Beeskower Feuerwehr. "Die Kameraden haben uns ganz unkompliziert und schnell geholfen, sind mit der Drehleiter nach Kohlsdorf gekommen. Dafür bedanken wir uns ganz ausdrücklich", sagt Katrin Schulz im Namen der Behörde. Lutz Ittermann hat die Tiere dann ins Storchenzentrum gebracht, wo sie aufgezogen werden. "Die Jungstörche waren recht propper. Die haben noch nicht lange gehungert", so Ittermann.  Daher haben sie eine gute Überlebenschance. Auch die Auswilderung sei sehr gut möglich. Sonst, so Ittermann, hätte man die Rettungsaktion auch nicht ausgeführt.

Der tote Altstorch ist auch gefunden worden. Ihn hat die Naturschutzbehörde an das Naturkundemuseum in Potsdam abgegeben. Dass Störche bei der Nahrungssuche umkommen, kann immer wieder passieren. Dass sie von Autos erfasst werden, nehme aber zu. Ittermann vermutet, dass die Störche Straßenränder verstärkt für die Nahrungssuche nutzen, weil die großen Landwirtschaftsflächen praktisch gleichzeitig gemäht werden. Das sei gerade für die Störche ein großer Nachteil.

Wie das Storchenjahr 2019 ausfällt, könne man im Moment noch gar nicht einschätzen. Für den Erhalt des Bestandes sei es nötig, dass jedes der knapp 70 Brutpaare im Kreis zwei Jungtiere im Jahr aufziehe. Ob das gelingt, müsse man noch abwarten. Nicht nur der Tod von Altvögeln sei ein Problem. Lange Regenperioden seien ebenso gefährlich wie Futtermangel durch lange Hitze und Trockenheit. In der Regel aber würden die Störche mit den Bedingungen in Brandenburg klarkommen.

Hilfe für verstoßene Jungstörche

Wenn man in einem Ort dennoch etwas für die Tiere tun wolle, könne man in der Nähe des Nestes eine große Wasserwanne aufstellen und kleine Weißfische hineinsetzen. "Das nehmen die Störche ganz gern und gut als Nahrungshilfe an", sagt Ittermann. Erste Verluste gab es schon. Wie in Kohlsdorf wurde auch in Radinkendorf ein Storch von einem Auto erfasst. Der verbliebene Altvogel hat ein Jungtier aus dem Nest geworfen, das andere noch einige Tage beschützt. Allerdings hat auch dieser Jungvogel nicht überlebt. Nun ist das Storchennest für dieses Jahr verwaist.

Was aber sollte man tun, wenn man einen Vogel findet, der zu früh aus dem Nest gefallen ist? Meist seien das Tiere, die nur noch wenige Stunden oder Tage brauchen, bis sie richtig fliegen können. Dann reiche es, sie vorsichtig hochzunehmen und in zwei bis drei Metern Höhe auf einen Ast zu setzen. Das biete den nötigen Schutz vor Katzen und anderen Räubern. Die Altvögel seien garantiert in der Nähe und füttern weiter. Manchmal sei auch nur das Gefieder etwas klamm und der auf den Ast gesetzte Vogel könne schon nach wenigen Minuten zum ersten Ausflug starten.

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