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Tropische Temperaturen von bis zu 40 Grad lassen Sommerfreuden oft zur Belastung werden – für Mensch und Tier.

Hitzerekord
Schattenplätzchen gesucht

Kühles Plätzchen: Die Kühe von Milchmann Gunnar Hemme suchen in der Gluthitze Schatten unter Bäumen. Wie für Menschen ist pralle Sonne auch für Kühe purer Stress. Sie werden träge und fressen weniger.
Kühles Plätzchen: Die Kühe von Milchmann Gunnar Hemme suchen in der Gluthitze Schatten unter Bäumen. Wie für Menschen ist pralle Sonne auch für Kühe purer Stress. Sie werden träge und fressen weniger. © Foto: Daniela Windolff
Daniela Windolff / 25.06.2019, 21:00 Uhr
Angermünde (MOZ) So eine Bullenhitze geht auf keine Kuhhaut. Dicht gedrängt dösen die Milchkühe von Gunnar Hemme im Schatten des Baumes. "Für die Kühe bedeutet Hitze Stress. Bei Temperaturen ab 25 Grad aufwärts wird es für sie ungemütlich", erklärt der Landwirt und Milchmann aus Schmargendorf. "Die Tiere werden träge, fressen wenig und die Milchleistung lässt deutlich nach." Um es seinen Tieren so erträglich wie möglich zu machen, schränkt er die Weidehaltung ein. Sie werden nur morgens raus gelassen. Zusätzlich wird viel mehr Wasser gegeben. Bei Hitze säuft eine Kuh täglich über 150 Liter Wasser, normalerweise rund 100 Liter.

In der Produktionshalle von Hemme-Milch sorgt dagegen seit dem vergangenen Sommer eine Klimaanlage für angenehmes Betriebsklima. Im Büro soll im nächsten Jahr nachgerüstet werden.

Doch die Sonne hat für Gunnar Hemme auch eine gute Seite. Sie produziert mit der Photovoltaikanlage auf der Molkerei Strom, der gerade jetzt für die Kühlung benötigt wird. Im Herbst soll eine weitere Photovoltaikanlage auf dem Stallgebäude hinzukommen, so dass sich der Betrieb autark mit Sonnenstrom versorgen kann.

Pralle Sonne auf dem Dach erleben derzeit auch die Dachdecker von Manrico Pust, die gerade in der Angermünder Pestalozzistraße arbeiten. "Ich habe meinen Männern freigestellt, in dieser Woche Urlaub zu nehmen, doch sie wollen gar nicht", sagt der Firmenchef, der es seinen Mitarbeitern jedoch an nichts fehlen lässt. Getränke und Sonnenschutz gibt es gratis, Pausen werden nach Bedarf erlaubt. Weiße T-Shirts absorbieren Sonne. Dafür sind die Männer auch ohne Mallorca-Urlaub knusperbraun gebrannt.

Doch bei fast 40 Grad suchen selbst Sonnenanbeter Schatten und wer kann, sucht Abkühlung an den vielen Badeseen. In der Kita "Gänseblümchen" in Passow können die Kinder im  Planschbecken planschen. "Das Wasserbassin im Garten ist im vorigen Jahr durch unseren Träger rekonstruiert worden. Da gehen unsere Kinder bei der Hitze gerne rein", erzählt Kita-Leiterin Kerstin Dakau. Die Eltern schicken ihre Kleinen morgens eingecremt in die Kita, die Erzieherinnen cremen nach. Und ein Hütchen tragen alle Mädchen und Jungen sowieso.

Für die ältere Generation im evangelischen Seniorenzentrum "Haus Abendfrieden" in Angermünde sorgen die Betreuer für Abkühlung durch kalte Getränke, Wasser, Säfte, Kaltschale und viele Schattenplätze. "Wir achten sehr darauf, dass jeder ausreichend trinkt. Das ist bei Hitze um so wichtiger, denn Senioren spüren oft keinen Durst. Zusätzlich lüften wir morgens die Zimmer und gehen in den Vormittagsstunden mit unseren Bewohnern ins Freie. Dort haben wir eine beschattete Terrasse. In der Mittagshitze versuchen wir, die Bewohner im Haus zu lassen", berichtet Pflegedienstleiterin Gabriele Schulz. Heute gibt es für alle Bewohner und Mitarbeiter Eis.

Mehr Personal in der Eisdiele

Das sorgt auch in der Eisschmiede Pinnow für Hochbetrieb. Auf den bislang heißesten Tag in diesem Sommer hat man sich hier eingestellt. "Wir mussten zwar kein zusätzliches Eis produzieren. Das haben wir vorrätig. Aber wir haben uns personell verstärkt und einen Mitarbeiter zusätzlich engagiert", sagt Inhaber Robin Hardt.

Wenn es trotz aller Vorsicht doch mal zu viel des Guten ist und die Hitze schwindelig macht, dann rät Dr. Oliver Gunkel, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I im Asklepios-Klinikum Uckermark, zu Ruhe und kühlen Schatten. "Meist ist dann Flüssigkeitsmangel Ursache für eine mangelhafte Durchblutung im Gehirn, die zu Schwindel oder gar Ohnmacht führen kann. Dann sollte man sich hinlegen, die Beine hoch lagern und für Belüftung und Flüssigkeitszufuhr sorgen." Herz-Kreislaufpatienten sollten jedoch Aktivitäten in der Hitze meiden und lieber im Haus bleiben. Und immer gilt: trinken, trinken, trinken.

Hitzschlag vorbeugen

40 Grad im Schatten werden heute erwartet. Die große Hitze belastet den Kreislauf. Deshalb sollte man große körperliche Belastungen vor allem über die Mittagszeit meiden. In der prallen Sonne besteht die Gefahr eines Hitzschlags oder Sonnenstichs, der lebensgefährlich sein kann, vor allem für Kinder. Mit Kopfbedeckung, Aufenthalt im Schatten, kühlen Tüchern und vor allem viel trinken kann vorgebeugt werden. Mindestens zwei Liter pro Tag sollte man trinken, dazu viel wasserreiches Obst und Gemüse essen, wie Melone oder Gurke. Ein kaltes Fußbad oder einige Minuten fließend kaltes Wasser über die Unterarme laufen lassen, erfrischt im Büro. ⇥dw

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