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Streit
Baum kracht in Mildenberg auf Nachbargrundstück

Fühlt sich mit dem umgestürzten Baum allein gelassen: Der 86-Jährigen kippte am 23. April vom städtischen Nachbargrundstück ein kräftiger Baum auf ihre Schuppen. Der Versicherer der Stadt will aber für den Schaden nicht aufkommen.
Fühlt sich mit dem umgestürzten Baum allein gelassen: Der 86-Jährigen kippte am 23. April vom städtischen Nachbargrundstück ein kräftiger Baum auf ihre Schuppen. Der Versicherer der Stadt will aber für den Schaden nicht aufkommen. © Foto: Martin Risken
Martin Risken / 26.06.2019, 00:45 Uhr
Mildenberg (MOZ) Einen gehörigen Schrecken bekam Lieselotte Herzog, als am 23. April gegen 13.35 Uhr ein großer Baum vom Nachbargrundstück am Haftlagerstich in Mildenberg auf ihre Schuppen fiel und die Dächer eindrückte. Dass niemand verletzt wurde, grenzt offenbar an ein Wunder. Denn zur Zeit des Unglücks waren die drei Kinder der 86-jährigen Seniorin dabei, ein Elektromoped in eine Garage zu hieven.

Streit zieht sich hin

Seitdem streitet sich die Seniorin mit der Stadt Zehdenick, wer für die Regulierung des Schadens verantwortlich ist. Noch am selben Tag habe sie die Stadtverwaltung Zehdenick über den auf rund 1,30 Meter Höhe abgebrochenen Baum informiert. Am Tag drauf kam ein Mitarbeiter der Verwaltung zur Schadensfeststellung vorbei.

Doch anstatt eine Beseitigung des umgekippten Baumes zu veranlassen, übergab die Stadt die Sache dem Kommunalen Schadenausgleich (KSA). Der Versicherer gelangte zu der Kenntnis, das ein umstürzender Baum "als allgemeines Lebensrisiko hingenommen werden" muss und der KSA deshalb auch keine Schadenersatzleistungen übernehmen werde. Die Antwort habe sie überrascht.

"Ich werde mich mit Sicherheit nicht daran machen und den Baum mit der Kettensäge beseitigen. Ich bin froh, wenn ich in meinem Alter noch die paar Schritte bis in den Garten laufen kann", sagte die Seniorin. Die Gebäudeversicherung der 86-Jährigen verweigerte ebenfalls eine Schadenregulierung, weil Schäden, die womöglich durch Sturm oder einen Biber verursacht sein könnten, nicht versichert seien.

Der KSA betont, dass eine begründete Schadenersatzpflicht auch eine schuldhafte Pflichtverletzung als Ursache für den konkret eingetretenen Schaden voraussetzt. Jeder Baum stelle bereits für sich genommen eine mögliche Gefahrenstelle dar, weil durch Naturereignisse auch gesunde Bäume entwurzelt, geknickt oder auch Teile von ihnen abgebrochen werden könnten. Es sei aber nicht Inhalt der Verkehrssicherungspflicht, Vorsorge gegen alle nur denkbaren Gefahren zu treffen. Für den KSA ist klar: "Wir führen das Schadenereignis auf den zum Schadenzeitpunkt herrschenden starken Sturm sowie die Schädigungen durch Biber zurück."

Belege, dass der Baum aufgrund von Sturm und weil der Biber am Stamm genagt hat, umgefallen ist, habe der Versicherer nicht beibringen können. Strittig ist, wie stark der Wind an jenem Dienstag im April über das Anwesen fegte. Ein Gutachten des Deutschen Wetterdienstes liege ihr nicht vor, so die Dame. Dass der Biber sich an dem Baum vergangenen haben könnte, dafür gebe es jedenfalls keine Hinweise. Es gebe keine Spuren des Nagers am Stamm.

Trotz der Belehrung durch den kommunalen Versicherers sieht sich Lieselotte Herzog noch immer im Recht. "Es ist schließlich nicht mein Baum, der auf meine Schuppen gefallen ist und dabei auch noch meinen Maschendrahtzaun beschädigt hat", denkt die Senioren nicht daran, selbst für die Schäden aufzukommen und den Baum beseitigen zu lassen. "Womöglich muss ich auch noch das Holz bei der Stadt Zehdenick abliefern", sagte die 86-jährige Mildenbergerin.

Ob die Stadtverwaltung Zehdenick den Fall bereits zu den Akten gelegt hat? Eine Antwort darauf blieb die Stadtverwaltung am Dienstag schuldig.

Was der Kommunale Schadenausgleich tut

Der Kommunale Schadenausgleich (KSA) wurde am 11. Oktober 1990 in Berlin durch die Vertreter von 57 Gemeinden, Städten und Landkreisen gegründet.

Der KSA ist eine kommunale Selbsthilfeorganisation Ostdeutschlands. Mehr als 5 000 Mitglieder beteiligen sich an dem nach dem Umlageprinzip finanzierten Schadenausgleich.

Nicht wenige Bürger haben eher schlechte Erfahrungen mit dem KSA gemacht. Des Öfteren ist zu hören: "Diese Versicherung wird ihrer Aufgabe, der Abwehr von Ansprüchen, nachdrücklich gerecht."

Stimmt das? Laut KSA-Geschäftsbericht 2017 registrierte der Versicherer knapp 40 000 Schadenfälle. Fast 60 Millionen Euro gab die KSA für Schadenregulierung aus.

Beim Neuschadenaufkommen gab es 2017 einen überdurchschnittlichen Anstieg im Zusammenhang mit Baumbewuchs auf kommunalen Grundstücken; die Anzahl verdreifachte sich.⇥red

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Dieter Sauer 26.06.2019 - 11:25:00

Der einfache Bürger ist bei Ansprüchen gegenüber der Kommune meist der Dumme

Die Gemeinden sind offensichtlich dazu angehalten grundsätzlich kein Schuldbekenntnis abzugeben. Wer einmal eine Schadensregulierung gegenüber einem kommunalen Verantwortungsträger gefordert hat und dann an den KSA verwiesen wird, braucht einen langen Atem, um überhaupt einen Erfolg zu erzielen. Grundsätzlich wehrt der KSA erst einmal jede Forderung ab. Da benötigt man schon rechtlichen Beistand und der kann teuer werden. Bäume sind gut für das Klima aber im Schadensfall schlecht für den Bürger.

Egal Egal 26.06.2019 - 07:34:41

Bei uns ein ähnlicher Fall...

Die Idioten der Stadtverwaltung wollen überall Grün haben, kömmern sich aber überhaupt nicht, um die Pflege. Bei uns auf dem Gewerbegrundstück hängen städtische Bäume in die Zuwegung. Diese Pappnasen bekommen nicht mal einen Lichtraumschnitt hin. Da bekommt man dann nur blöde Kommentare, nach dem Motto, "schneiden Sie es doch selbst frei". Die Verantwortlichen sollte man an selbige Bäume binden und dort lassen, bis sie mal zur Vernunft kommen und ihre Arbeit gewissenhaft erledigen.

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