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Gedenksteine werden in Biesenthal an Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg erinnern. Sie sollen auch den Blick nach vorn schärfen.

Zeitgeschichte
Stelen als Mahnung für die Zukunft

Olav Schröder / 29.06.2019, 06:00 Uhr
Biesenthal (MOZ) Insgesamt sieben Stelen sind in einem Projekt der Freien Naturschule Barnim in Biesenthal zur Erinnerung an die Zwangsarbeit während der Nazi-Diktatur entstanden. Die Steine sollen an den Orten aufgestellt worden, an denen Zwangsarbeiter untergebracht waren. Die Stelen wurden in dieser Woche gemeinsam mit tschechischen unter Anleitung von zwei Bildhauern fertig gestellt.

"Wir wollen mit unserem Projekt die Länder miteinander verbinden", sagt Natalie Matejkova, die die Waldorf-Schule im tschechischen Semily besucht. Mit vier Mitschülern und zwei Lehrern ist sie eine Woche lang in Biesenthal zu Gast. Sie haben gemeinsam mit Nele Reiter und Luca Rosemann von der Naturschule die Stadt besichtigt, besuchten die historischen Orte und ließen sich für die Gestaltung der Stelen anregen.

Bis zu einer Tonne wiegen die sieben Thüster-Kalksteine aus dem Weserbergland, die sie anschließend auf dem Gelände des Wukania-Projekthofes in Biesenthal bearbeiteten. Zunächst hatte jeder hierfür Ideen gesammelt, die anschließend abgestimmt wurden, um dem Vorhaben eine einheitliche Handschrift mit Wiedererkennungswert zu geben, auch wenn sie an ganz unterschiedlichen Orten aufgestellt werden. "Mich fasziniert an dem Vorhaben vor allem die Zukunft, die ja den jungen Menschen gehört", sagt Wolfgang Schnider, der gemeinsam mit Iveta Sadecka die künstlerische Leitung übernommen hatte. Und er fügt hinzu: Die Zukunft kann sich nur entwickeln, wenn man auch zurückschaut." Mit den Stelen soll daher auch daran erinnert werden, was den Zwangsarbeitern beim Überleben geholfen habe.

Die Reliefs, die die Schüler mit dem Meißel aus dem Kalkstein herausgearbeitet haben, bestechen durch sorgsam herausgearbeiteten Ornamente, die an gotisch-romanische Kirchenmuster angelehnt sind.

Wann die Stelen aufgestellt werden, steht noch nicht genau fest. Zunächst werden sie noch zwischengelagert. Bürgermeister Carsten Bruch sagte die Unterstützung der Stadt bei Transport und Aufstellung zu. "Vielen ist heute gar nicht mehr bewusst, wie schwer die Zeit für die Zwangsarbeiter war, unterstreicht er die Bedeutung des Projekts. Manche Zwangsarbeiter seien aber auch als Hilfskräfte in Familien untergekommen und einige ältere Anwohner könnten sich noch daran erinnern. Dank der Ortschronistin Gertrud Poppe sei das Projekt historisch gut unterlegt worden.

Aufgestellt werden solle eine Stele am Wanderweg auf dem Heideberg. Dort waren tschechische Zwangsarbeiter in Baracken untergebracht worden. Auf dem Pendlerparkplatz am Bahnhof wird an italienische Zwangsarbeiter und an eine SS-Hundestaffel erinnert. Nahe der L 200 (Neue Mühle) wird serbischer, belgischer und niederländischer Zwangsarbeiter gedacht und des Botschafters Adrianus Millenaar, der als stiller Held Zwangsarbeiter aus dem KZ freikaufte. Ein Aufstellungsort befindet sich an der Ecke Prendener Straße/Heinrich-Mann-Weg, der wiederum tschechischen Zwangsarbeitern gewidmet ist. Am Hellsee verweist eine Stele künftig auf ein KZ-Außenlager in einem Waldstück in der Nähe, und stellvertretend für Zwangsarbeiter auf Bauernhöfen ist die Aufstellung einer Stele in der Grünstraße vorgesehen. An der sogenannten Telekomstraße soll an französische Zwangsarbeitern vom Vorwerk erinnert werden. Sie haben durch Sabotage Munition unbrauchbar gemacht, wie Jana Rieger berichtet. Die Lehrerin hat das Projekt insgesamt begleitet.

Ohne Unterstützung der Ortschronistin Gertrud Poppe, der Stiftung "Erinnern Verantwortung Zukunft", des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und des Jan-Palach-Fonds der Gmeinschaftsbank sowie der Betreuung durch Wukania und der Wukantina hätte das Projekt nicht durchgeführt werden können.

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