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Oliver Ibert, neuer Leiter des Instituts für raumbezogene Sozialforschung (IRS) in Erkner, will mehr Internationalität.

Wissenschaft
Geograf leitet Erkneraner Denkfabrik

Neuer Leiter des IRS in Erkner: Oliver Ibert.
Neuer Leiter des IRS in Erkner: Oliver Ibert. © Foto: joachim Eggers
Joachim Eggers / 06.07.2019, 07:00 Uhr
Erkner (MOZ) Der neue Direktor des Leibniz-Instituts für raumbezogene Sozialforschung (IRS) ist ein Mann von bescheidenem und ruhigem Auftreten. Der Niedersachse Oliver Ibert will die Denkfabrik am Flakenfließ noch internationaler machen, als sie es schon ist.

Grundlagenforschung mit hoher gesellschaftlicher Relevanz und praktischer Anwendbarkeit – so formuliert der neue Hausherr in der Flakenstraße den Auftrag der Leibniz-Institute, einem Verbund außeruniversitärer Wissenschafts-Institute. Am IRS brüten derzeit 62 Wissenschaftler, verteilt auf fünf Abteilungen, zum Beispiel über Fragen des Zusammenhangs von Stadtplanung und Wirtschaftsförderung. Dass es da nicht weit weg ist zur Beratung der Politik, liegt auf der Hand. "Wir verstehen den Austausch mit Praktikern als Bereicherung", sagt Ibert.

Gleichwohl unterliegt die gesamte Ausrichtung des Instituts wissenschaftspolitischen Vorgaben. Es gebe zwei Kriterien für Forschungsprojekte: Sie sollen überörtlich relevant sein, und sie sollen exzellent sein. So komme es schon mal dazu, dass Leibniz-Institute "wie ein Ufo" in ihrer jeweiligen Region stehen könnten. Schon der Verdacht, das IRS sei eine Art regionales Planungsinstitut, brächte das Haus aus Iberts Sicht in ein problematisches Fahrwasser. Die Beratung finde da eher auf bundespolitischer oder internationaler Ebene statt. Da liegt Ibert ganz auf der Linie seiner Vorgängerin Heiderose Kilper, die im Oktober in Ruhestand ging.

Anknüpfungspunkte in Erkner gibt es gleichwohl. Ibert verweist auf Zusammenarbeit mit dem Gymnasium. Das Haus mit zahlreichen und wechselnden Gastwissenschaftlern aus aller Welt engagiert sich auch in der akademischen Nachwuchsförderung. Seit drei Jahren gibt es in Erkner eine "spring academy", eine Art mehrtägiges Intensiv-Seminar für Doktoranden. Die sollen dann alle in Erkner untergebracht werden. Zum Bedauern Iberts hat zuletzt nicht geklappt, weil das Bildungszentrum ausgebucht gewesen sei. Auch wenn es darum gehe, Gäste zum Mittagessen auszuführen, sei das Angebot eben begrenzt.

Dass das Umfeld des Hauses aufgrund eines langjährigen Rechtsstreits zwischen der Stadt und einem Grundstückseigentümer wenig einladend aussieht, hat für Ibert eine ironische Note, wie er sagt, zeigt es doch exemplarisch das Scheitern von Lösungsansätzen wie denen, über die die Forscher recherchieren. Erkner, sagt Ibert, der wie die meisten IRS-Mitarbeiter täglich aus Berlin kommt, sei aufgrund der vielen Universitäten ringsherum – Iberts eigener Posten ist verknüpft mit einer Professur in Cottbus – ein attraktiver Standort, manch einer habe auch hier ein Häuschen. Für den Weg vom Bahnhof zum Institut könnte sich Ibert einige Verbesserungen vorstellen. "Von einer Aufwertung des Flakenfließes würden auch die Erkneraner profitieren."

Zur Person

Professor Oliver Ibert studierte von 1991 bis 1997 Geographie, Germanistik und Politikwissenschaften an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg. An der Universität Oldenburg schloss er 2002 auch seine Promotion über "Innovationsorientierte Planung" ab. 2009 habilitierte er sich mit einer Arbeit über Lerndynamiken an der Universität Bonn. Oliver Ibert bezeichnet sich selbst als Wirtschaftsgeograph und war bisher schon Abteilungsleiter am IRS. Er ist 49 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. ⇥je

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