Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Das Landesumweltamt bleibt bei seiner Genehmigung für eine weitere Mega-Anlage, obwohl die Belastung durch vorhandene Windräder über den Grenzwerten liegt.

Energiewende
Lobetaler gehen gegen Windräder auf die Barrikaden

Über die Grenzen Lobetals zu sehen: drei von bereits sechs im Ort stehenden Windrädern. Eine siebente 200 Meter hohe Anlage kommt jetzt noch hinzu, obwohl die Belastung durch Lärm und Schattenwurf über den zulässigen Grenzwerten liegt.
Über die Grenzen Lobetals zu sehen: drei von bereits sechs im Ort stehenden Windrädern. Eine siebente 200 Meter hohe Anlage kommt jetzt noch hinzu, obwohl die Belastung durch Lärm und Schattenwurf über den zulässigen Grenzwerten liegt. © Foto: Wolfgang Rakitin
Sabine Rakitin / 11.07.2019, 11:00 Uhr
Lobetal (MOZ) Mehr als 140 Lobetaler und Bewohner aus Nachbarkommunen hatten sich Mitte Mai mit einem Brief an das Landesumweltamt gewandt und den Verzicht auf ein weiteres Mega-Windrad in unmittelbarer Nähe zum Wohngebiet  "An der einsamen Kiefer" gefordert. Sie beriefen sich auf vorliegende Gutachten, nach denen die Lärmbelastung und die Schlagschattenwurfdauer schon vor dem Bau eines weiteren mehr als 200 Meter hohen Windrades so hoch sind, dass Grenzwerte überschritten und zusätzliche Gesundheitsbelastungen für die Anwohner zu befürchten sind.

"Nun ist es amtlich: Die Sorgen sind berechtigt", stellt Bernaus CDU-Vorsitzender Daniel Sauer fest. Der Präsident des Landesumweltamtes, Dirk Ilgenstein, habe in seiner Antwort auf den Protest aus Lobetal zwar eingeräumt: "Im Ergebnis dieser schalltechnischen Untersuchungen für die Gesamtbelastung von sieben Windkraftanlagen wird der zulässige Immissionsrichtwert am Immissionsort Lobetal, An der einsamen Kiefer 19 … in der Nachtzeit durch die berechnete Gesamtbelastung um 0,7 db(A) überschritten." Zugleich stellt er aber fest, dass nach TA Lärm (Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm) "die Genehmigung auch dann nicht versagt werden (soll), wenn der Immissionsrichtwert in Folge vorbelastend wirkender Geräusche um nicht mehr als 1 db(A) überschritten wird, was an diesem Immissionsort der Fall ist." Immerhin bestätigt Präsident Ilgenstein in dem selben Schreiben, dass der Schattenwurfgrenzwert an verschiedenen Immissionsorten überschritten wird und deshalb extra Abschalteinrichtungen im Windrad zu verbauen sind.

Verweis auf Urteil aus Schleswig

Dennoch ist Daniel Sauer, Vorsitzender der CDU-Stadtfraktion und Direktkandidat seiner Partei zur Landtagswahl in Bernau und Panketal, empört. Er fordert einen Windrad-Stopp für Lobetal. "Grenzwerte werden überschritten und die Gesundheitsgefährdung unserer Nachbarn wird für die Gewinne der Windrad-Lobby billigend in Kauf genommen", stellt der Ladeburger erbost fest. "Wer dann sagt, wir dürfen in der Nachtzeit lauter sein, als erlaubt, weil ja schon der Lärm von den anderen Anlagen da ist, der macht sich schuldig an den Lobetalern und ihrer Gesundheit."

Sauer verweist auf ein aktuelles Urteil des 7. Zivilsenats des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts. Danach müssen bei der Genehmigungspraxis die gesamten Immissionsbelastungen tatrichterlich festgestellt werden, auch wenn diese einzeln betrachtet jeweils unter den Grenzwerten liegen. Der Betreiber müsse beweisen, dass die Beeinträchtigung unwesentlich sei. Auch bilde die üblicherweise von den Unternehmen selbst hochgerechnete Prognoseformel für Windradgeräusche die Realität nur ungenügend ab, stellten die Richter in Schleswig fest. Es bestehe die Notwendigkeit, die Belastung des Grundstücks mit Infraschall festzustellen.

"Diesen Anforderungen entspricht die Genehmigungspraxis in Brandenburg nicht", schätzt Daniel Sauer ein. Für ihn ist deshalb klar: "Wir werden die umstrittene und von den Menschen nicht akzeptierte Praxis des Windradbaus in der unmittelbaren Nähe von Wohngebieten und in Wäldern nicht dulden und nach der Landtagswahl am 1. September Änderungen veranlassen." Bei einem Besuch des CDU-Spitzenkandidaten Ingo Senftleben am 19. Juli im Wahlkreis Bernau/Panketal ist ein Zwischenhalt der "Bock auf Brandenburg"-Tour auf dem Weg nach Lobetal eingeplant.

Die CDU Brandenburg fordert in ihrem Regierungsprogramm, den Ausbau der Windkraft zu regulieren. "Die Akzeptanz der Bürger gegenüber der Windkraft schwindet. Dies beruht vor allem auf Einschränkungen bei der Lebensqualität sowie Eingriffen in das Landschaftsbild und die Natur. Aus diesem Grund werden wir den Bau neuer und den Ersatz bestehender Windkraftanlagen mit der Vereinbarung klarer Kriterien verbinden", kündigt Direktkandidat Sauer für den Fall an, dass die Christdemokraten bei der Landtagswahl stärkste Kraft werden.

CDU fordert Moratorium

"Deshalb fordern wir ein Moratorium für den Windenergieausbau in allen Planungsregionen, bis verlässliche Akzeptanzkriterien mit den Bürgern vereinbart worden sind. Wir wollen verbindliche Abstandsregeln in zehnfacher Windrad-Naben-Höhe zu Wohngebieten und den Verzicht auf Windräder im Wald. Wir werden zudem darauf drängen, dass der Ausbau an die Verfügbarkeit von ausreichend Netzkapazitäten geknüpft wird."

Der Bau von Windrad Nummer sieben vor den Toren Lobetals scheint indes endgültig besiegelt zu sein. Er wurde bereits im Sommer 2018 genehmigt.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG