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Wohnprojekt
Schöneicher Landhof wird 25 Jahre alt

Sind gern auf dem Landhof zu Hause: Regine Weigelt-Kirchner und ihr Mann Johannes Kirchner, Andreas Steffens, Annette Metzner und Marina König (von links).
Sind gern auf dem Landhof zu Hause: Regine Weigelt-Kirchner und ihr Mann Johannes Kirchner, Andreas Steffens, Annette Metzner und Marina König (von links). © Foto: Annette Herold/MOZ
Annette Herold / 14.07.2019, 06:30 Uhr
Schöneiche (MOZ) Manche Landhofbewohner bedauern es immer noch. Ihre Pflanzenkläranlage durfte nicht mehr genutzt werden. Der Anschlusszwang, Schrecken all jener, die nicht am zentralen Abwassernetz hängen, hatte die Siedlung nahe der Dorfaue im Norden Schöneiches erreicht. Was tun? Die Bewohner fanden eine Lösung: Das Klärbecken ist jetzt ein Badeteich. Entschieden wurde das, wie immer, wenn es den ganzen Landhof betrifft, in der Gemeinschaft.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Wohnprojektes nicht einstimmig, wie Bewohner Johannes Kirchner berichtet. "Das ist Demokratie", sagt er lakonisch. Der Schwimmteich jedenfalls sei beliebt. "Wir treffen uns inzwischen wieder  mehr draußen", erzählt Marina König, ebenfalls auf dem Landhof zu Hause.

Fast ein bisschen wie früher sei das. Früher, das war die Anfangszeit vor 25 Jahren, als junge Familien aus Schöneiche und Berlin den Landhof bauten, teils in Eigenleistung, teils mit Handwerkerhilfe. Die Idee sei aus der Not heraus geboren, viele junge Schöneicher sahen sich damals mit Rückgabeansprüchen auf die von ihnen bewohnten Häuser konfrontiert, wie Johannes Kirchner sich erinnert. Um so froher waren er und die anderen Landhof-Siedler, als die Kirche ihnen Land verpachtete. Pfarrer Helmut Grätz habe sich sehr für das auf Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit ausgerichtete Projekt eingesetzt, heben die Bewohner hervor. "Als Kirchengemeinde haben wir auch eine soziale Verantwortung", hat der Geistliche seinen Einsatz begründet.

Von 13 Familien sind 12 auch nach einem Vierteljahrhundert noch da. Kinder wurden geboren, viele von ihnen gehen inzwischen eigene Wege und haben selbst Kinder. Manche sind zurückgekehrt. Vier Landhof-Bewohner sind in den Jahren gestorben. Trauert es sich anders in so einer Gemeinschaft? Andreas Steffens, der seinen Bruder verloren hat, zuckt mit den Schultern. Aber es sei immer jemand da, wenn nötig. Das war schon in der Bauzeit so, als die künftigen Bewohner nur grob absehen konnten, was da auf sie zukommt.

"Aus heutiger Sicht sind wir etwas naiv an die Sache herangegangen. Aber unsere Naivität hat uns weit gebracht", sagt Johannes Kirchner und grinst ein bisschen. Was er und seine Nachbarn im Laufe der Jahre festgestellt haben: Wer so bauen und leben möchte wie sie, braucht auf jeden Fall viel Toleranz. "Wer die nicht hat, ist hier auf verlorenem Posten", sagt Bewohnerin Annette Metzner.

Evelin Erler war eigentlich überhaupt nicht auf Gemeinschaft aus, als sie sich dem Landhof-Projekt anschloss, sie brauchte einen Platz zum Wohnen. "Heute würde mir die Gemeinschaft fehlen." Die reiche ohnehin immer nur soweit, wie der Einzelne es wolle und habe sich mit den Jahren verändert. "Das Leben geht nicht an uns vorbei", sagt Marina König. "Wir können uns nicht ausruhen, sondern müssen immer wieder sehen, wie wir uns begegnen und zusammenfinden."

Die ersten beiden Landhof-Bewohnerinnen sind mittlerweile im Ruhestand, "und die nächsten ziehen nach", wie Annette Metzner sagt. "Wer weiß, was sich da noch entwickelt?" Ideen gebe es. Auch Überlegungen für den Fall, dass Bewohner körperlich nicht mehr so können. "Vielleicht muss man dann eine Hauszeile als Altersheim ausbauen", sinniert Marina König. Rollatorengerecht sei ihr Haus jedenfalls nicht.

Immer eine Lösung

Aber Lösungen haben sich in den vergangenen 25 Jahren immer gefunden. Das Projekt gilt als beispielhaft für ökologisches Bauen. Besucher kommen von weit her, um den Landhof zu sehen, aus Frankreich, und sogar aus Japan und Korea waren schon welche da. Dann sind Fragen zu beantworten. Die gibt es jetzt auch von vor der Haustür. Familien um einen auf dem Landhof erwachsen gewordenen jungen Mann und seine Familie bemühen sich, nebenan Fuß zu fassen. Was er ihnen raten würde? Johannes Kirchner überlegt. "Toleranz ist wichtig und der Wunsch, etwas gemeinsam zu machen. Uns nachzuahmen wäre keine gute Idee. Sie müssen ihren eigenen Weg finden."

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