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Münchebergs katholische St.-Michael-Kirche wurde vor gut 80 Jahren errichtet. MOZ-Serie Teil 43.

Kirchen der Region
Mehr denn je Treff der Generationen

Thomas Berger / 14.07.2019, 07:00 Uhr
Müncheberg Eine riesige Grube, durch die ein großer Bagger rollt, tut sich linker Hand des Kirchenbaus auf. Bisher stand auf einem Teil dieser Fläche das alte Pfarrhaus. Das ist nunmehr verschwunden, der Abriss vollendet. Eine notwendige Vorstufe, damit genau dort Neues entstehen kann – in dem Anbau, der nun schrittweise errichtet wird, sollen einerseits Räumlichkeiten des künftigen Begegnungszentrums, andererseits Platz für den Umzug des Christlich-Naturnahen Kinderhauses geschaffen werden. Die Kapazität der Einrichtung wird in diesem Zusammenhang leicht von bisher 24 auf dann gut 30 Kinder erweitert, wie Detlef Oppelt von der Kirchengemeinde und Pater Theodor Wenzel erklären.

Mit etwa 420 bis 430 Gläubigen ist die Kirchengemeinde "St. Hedwig" Buckow-Müncheberg im katholischen Erzbistum zwar zahlenmäßig die Kleinste. Beeindruckend aber, dass davon 130 mehr oder minder regelmäßig zu den Gottesdiensten kommen: "Damit sind wir zugleich statistisch die am besten besuchte Kirche", führt Pater Theo an, der zu seinen Amtshandlungen für die Gemeinde, aber auch den notwendigen Absprachen mit den auf der Baustelle tätigen Firmen immer von Frankfurt aus die Fahrt auf sich nehmen muss.

Der alte Kirchenbau von St. Michael, wegen seines zurückgesetzten Standortes auf dem Grundstück von der Straße aus beim Vorbeifahren längst nicht so allgegenwärtig ins Auge fallend wie die im Zent­rum auf dem Hügel stehende evangelische Stadtpfarrkirche St. Marien, hat dennoch eine bemerkenswerte Geschichte und architektonische Gestaltung aufzuweisen. Nur ganze acht Monate brauchte es damals, um Kirche und Pfarrhaus zu errichten, heutzutage angesichts der Dauer vieler Bauprojekte kaum mehr vorstellbar. Anfang 1938 hatte die Gemeinde das Grundstück gekauft, bereits am 23. Oktober des gleichen Jahres konnte Einweihung gefeiert werden, hat Oppelt im Archiv noch einmal nachgeschlagen. Zum Namenspatron wurde der Erzengel Michael erkoren.

Zuvor nur temporäre Gebetsorte

Mit anderen, temporären Versammlungsorten zum Gebet – ab 1933 im "Haus Müncheberg", im Herrenhaus des Stadtgutes – hatten sich Münchebergs Katholiken zuvor behelfen müssen. Erste Gottesdienste sind schon ab etwa 1910 überliefert, in den Jahren des Ersten Weltkriegs wuchs die Schar zeitweise durch französische, polnische und italienische Soldaten aus dem Kriegsgefangenenlager deutlich an. Ebenso wie durch katholisches Personal vom Flugplatz im nahen Eggersdorf.

"Mit ihrem Holzgebälk ist sie in ihrer Architektur weithin ziemlich einzigartig", merkt Detlef Oppelt an. Viele sind beeindruckt von der Raumwirkung, wenn sie erst einmal durch das Hauptportal ins Innere getreten sind. Die Tür ist 1951 erneuert worden, und in den Jahren nach dem Krieg musste mancherlei an schweren Schäden beseitigt werden, die ein Treffer bei den Kämpfen um die Stadt verursacht hatte. Die alten Bleiglasscheiben waren ebenso kaputt wie das Dach. Der wesentliche Teil des Wiederaufbauwerkes konnte 1949 seinen feierlichen Abschluss finden. Zwei Stahlgussglocken der Apoldaer Firma Schilling & Lattermann wurden dann noch 1964 als Ersatz des ursprünglichen Geläuts im Turm aufgehängt. Und neben kleineren Arbeiten in späterer DDR-Zeit gab es vor allem gleich nach der Wende in den frühen Neunzigerjahren eine umfassende Sanierung des Doppelbauwerks: "Es gab ein neues Dach, das Pfarrhaus bekam neue Fenster, zudem wurde die Heizung auf Gas umgestellt", blickt Oppelt zurück.

Orgel kam 2017 aus Buckow

Innen gab es indessen keine gravierenden Änderungen. Nur der Altar wurde 1966 im Zuge sakraler Neuerungen von der Wand abgerückt, damit der Priester beim Gottesdienst nicht mehr mit dem Rücken zur Gemeinde stehen muss. Statt einer Orgel gab es lange nur ein Harmonium. Erst 1998 kam ein elektrisches Instrument, 2017 wurden mit der Aufgabe der Heilig-Geist-Kapelle in Buckow die dortige mechanische Orgel ebenso wie anderes Inventar nach Müncheberg umgesetzt.

Unter anderem, dass sich im Zuge der aktuellen Sanierung der Kirche die Arbeiten im Dachstuhl länger hinzogen, durch Probleme mit dem Holz extra der Zimmerer hinzugezogen werden musste, hat den ursprünglichen Zeitplan des gesamten Bauvorhabens ganz schön in Schieflage gebracht, wie die beiden Männer betonen. Vor etwa zwei Jahren hatte der Vorlauf begonnen, 2018 lag dann die Baugenehmigung vor. Auch die komplexe Finanzierung musste erst einmal gesichert werden: Über das europäische Förderprogramm Leader, ausgereicht vom Land mittels des ländlichen Topfes ELER, gibt es einen Zuschuss von 490 000 Euro, eine weitere knappe Viertelmillion fließt über die Landesinvestitionsbank (ILB) aus dem Kinderbetreuungsprogramm des Bundes für den Kita-Teil des 1,7 Millionen Euro teuren Neubaus. Das Erzbistum Berlin und das Bonifatiuswerk sind ebenfalls mit an Bord, den Rest schultert die Gemeinde aus eigenen Mitteln und Fremdfinanzierungen.

Nicht nur hinsichtlich der Geldsummen ist der künftige Anbau ein großer Schritt. Auch inhaltlich stellt das, was da baulich entsteht und dann mit Leben erfüllt werden soll, eine massive Neuerung dar. Denn das Begegnungszentrum im Mitteltrakt bietet bald nicht nur manches, was der Kirchengemeinde an Räumlichkeiten bisher gefehlt hat. Durch zusätzliche Angebote und Fremdnutzungen öffne man sich zugleich mehr in Richtung Stadt.

Pfarrsaal für bis zu 70 Personen

Bis zu 70 Personen soll der Pfarrsaal Platz bieten, hinzu kommen ein kleinerer Konferenzraum und das Pfarrbüro. Alles nach Absprache auch für Dritte nutzbar. Seitens der Müncheberger Senioren gibt es für ihren Treff schon großes Interesse, auch Beratungen von Caritas oder Rentenversicherung stehen im Plan, da die neuen Räume – anders als viele sonstige in der Stadt  – völlig barrierefrei sein werden.

"Die Kita-Kinder freuen sich bereits auf ihren Einzug", merkt Pater Theo an, und mit den Kleinen, den Senioren sowie vielleicht auch dieser oder jener Familienfeier gebe es dann wunderbare Begegnungen und Miteinander über Generationsgrenzen hinweg. Die Kita will dann auch im hinteren Teil des Grundstücks ein bisschen Gärtnern und ebenfalls hier und da mit den großen Saal "bespielen" helfen. Denn der, betonen die beiden Männer, solle über die Woche hinweg auf vielfältige Weise gut ausgelastet wurden, um die Investitionen zu rechtfertigen.

Sankt Michael als Namenspatron

Der heilige Michael, nach dem die katholische Kirche in Müncheberg benannt ist, wird der Überlieferung des Nikodemusevangeliums nach u. a. als Hüter des Paradiestores angesehen. Laut den 1947 gefundenen Schriftrollen vom Toten Meer gilt er auch als Anführer der Heerscharen Gottes gegen die dunklen Mächte. Als junger Ritter, der Satan (als Drache) bezwingt, wird er in jenem Holzhochrelief von Bildhauer Tillack dargestellt, das seit 1956 in Müncheberg hängt.⇥bg

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