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Südringcenter
Parken ohne Scheibe und Strafen

Seit Juli kann wieder kostenlos auf dem Kundenparkplatz am Südring-Center geparkt werden.
Seit Juli kann wieder kostenlos auf dem Kundenparkplatz am Südring-Center geparkt werden. © Foto: Jan-Henrik Hnida
Jan-Henrik Hnida / 14.07.2019, 07:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Ganz routiniert greift Heidemarie Köhler zur Parkscheibe. Es ist Freitagmittag und nach ihrem Friseurtermin will sie noch schnell ein paar Sachen im Südring-Center einkaufen. Als sie bemerkt, dass die Schilder für die Parkscheibenregelung nicht mehr da sind, reagiert sie erleichtert. "Das ist sehr gut. Da kann ich befreiter einkaufen gehen", sagt die 75-Jährige. Seit Anfang Juli können Kunden wieder kostenfrei beim Südring-Center parken, wie das Centermanagement auf Nachfrage bestätigt.

Im Frühjahr 2018 hat die Nürnberger GRR Gruppe, die auf Einzelhandelsimmobilien in Deutschland spezialisiert ist, das Einkaufszentrum erworben. Was jedoch vom Vorbesitzer, der Ferox-Immobiliengruppe, übernommen wurde, hatte einen bitteren Beigeschmack: Die Ferox hatte die Parkplätze, die vorher kostenfrei waren, an die Firma "Besser Parken" (BP) aus Düsseldorf vergeben. "Ziel war es, die Fremdparker fernzuhalten, die die für Kunden gedachten Parkplätze blockierten", informierte der damalige Projektleiter Philipp Roth. Seitdem durften Autos mit Parkscheibe 90 Minuten kostenlos abgestellt werden. Vergaß der Kunde die Parkscheibe oder parkte er zu lange, drohte ein Strafzettel über 19,90 Euro.

Diese Praxis sorgte bei Kunden und Mietern für Unverständnis – wie bei Mitarbeitern vom Rewe-Supermarkt, DER Reisebüro und Sparkasse. Gerade die rigiden Kontrollen durch BP-Mitarbeiter und hohen Strafzahlungen erregten Unmut.

"Kostenpflichtige Parkplätze sind Quatsch", findet Bernd, der am Freitag mit seiner Familie zum Einkaufen geht. Ohne Gebühren und Zeitlimit zu parken, gehöre für ihn zu einem Supermarkt.  So einige Kunden erinnern sich noch an die Kontrollen, wo BP-Mitarbeiter "aus dem Busch sprangen", um Strafzettel zu verteilen, wie Heidemarie Köhler schildert. Im April diesen Jahres erfolgte eine erste Änderung.

Bodensensoren waren geplant

"Die Parkscheibenregelung kommt in die Jahre und ins Museum, wie Schreibmaschinen oder Telefonbücher", scherzte André Westhoff, Geschäftsführer der Düsseldorfer Park-Firma im Frühling. Mussten Kunden bis dato ihre Parkzeit mit der Scheibe nachweisen, wurde diese Regelung abgeschafft, die Schilder entfernt. "Wir sind in Abstimmung mit dem Eigentümer, wie künftig die Parkraumbewirtschaftung aussehen wird", erklärte Westhoff. Er würde gerne Bodensensoren installieren. Nach Ablauf der zweieinhalb Stunden und einer gewissen Kulanzzeit löst ein Sensor ein Signal an das Mobiltelefon eines Mitarbeiters aus, der die Situation dann vor Ort prüft.

Aus der technischen Neuerung wurde nichts, wie ein Anruf bei Besser Parken ergab. Der Vertrag mit der GRR-Gruppe sei ausgelaufen. "Wir als Vermieter freuen uns, den Kunden mitteilen zu können, dass die Parkplätze wieder kostenfrei sind", sagt Matthias Struwe, Pressesprecher der GRR-Gruppe. Der Vertrag mit "Besser Parken" sei seit Ende Juni passé, die Plätze nun kostenfrei.

Darüber ist Anne froh. "Wenn ich zum Arzt und danach einkaufen gegangen bin, war das Zeitlimit oft zu kurz", erklärt die Mutter zweier Kinder. Die 19,90 Euro Strafe musste sie deswegen öfter blechen. "Ich muss jetzt schnell ins Center", ruft Heidemarie Köhler  – um ihre neue Frisur vor dem Regen zu schützen. Wie lange die Rentnerin dort verweilt, ist  ja jetzt egal.

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