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Dolgeliner Landwirt beklagt den Verlust von in diesem Jahr ohnehin schon sehr rarem Futter. Unbekannte haben seine Mini-Silos aufgeschlitzt. Diese sind nun wertlos.

Vandalismus
Futter-Ballen sind jetzt unbrauchbar

Säuberlich abgeschnitten: Der Landwirt Cornelis Wartena zeigt die angespitzte Maispflanze, die mit Wucht in die Mini-Silos gerammt wurde. Mehr als 20 Ballen sind nicht mehr verwertbar. Unverständlich ist dem Dolgeliner der Hintergrund der Tat.
Säuberlich abgeschnitten: Der Landwirt Cornelis Wartena zeigt die angespitzte Maispflanze, die mit Wucht in die Mini-Silos gerammt wurde. Mehr als 20 Ballen sind nicht mehr verwertbar. Unverständlich ist dem Dolgeliner der Hintergrund der Tat. © Foto: Matthias Lubisch
Doris Steinkraus / 14.07.2019, 09:30 Uhr
Dolgelin (MOZ) Das ist kein Dummer-Jungen-Streich", erklärt Landwirt Cornelis Wartena. Als er am Freitagmorgen hinter die Stallanlagen kam, erwartete ihn eine böse Überraschung. Auf mehr als 20 der großen Ballen "begrüßte" ihn die Spitze einer Maispflanze. Sie waren am benachbarten Feld säuberlich abgeschnitten, angespitzt und in die Ballenmantel gestoßen worden. "Wer macht so etwas", fragen sich der 54-Jährige und seine Mitarbeiter.

Für ihn ist diese nächtliche Aktion von Unbekannten ein echter Verlust. "Das sind alles kleine Silos", erklärt Wartena. "Der erste Schnitt unserer ohnehin schon nicht so üppigen Grassilage ist darin in mehrere Folienlagen eingewickelt." Das Gras wird luftdicht abgeschlossen, so dass im Innern ein Gärprozesse beginnen kann. Die Folie wird in mehreren Bahnen gewickelt. Nach einigen Wochen ist daraus Silage entstanden. Mit Maiskörnern gemischt, ergibt sie nahrhaftes Futter für die Kühe. Der Vorteil sei, dass man kein großes Silo öffnen muss, erklärt der Landwirt, sondern portionieren kann. Und wenn Kollegen in Futternot geraten, könne man auch mal so einen Ballen – einer wiegt 700 bis 800 kg – abgeben.

Milchproduktion ist unattraktiv

Bauer Wartena hält knapp 200 Kühe. Er ist damit ein recht kleiner Betrieb und noch dazu einer der wenigen in Märkisch-Oderland, die in Strohhaltung weiter Milchproduktion betreiben. Das lohne zwar bei 30 Cent für den Liter Milch kaum noch, aber es sei nun mal seine betriebliche Ausrichtung, erklärt er. Um so mehr müsse er mit jedem Euro rechnen.

Ein Bund sichert ihm – mit dem Maismix – das Futter für einen Tag für seine Kühe. Die aufgestochenen Bunde  könne er wegwerfen. Denn sobald Sauerstoff in die Folien dringe, sei der Ballen wertlos. Gerade frisch gepresst, ist das Gras nicht genug gegoren, kann noch nicht verfüttert werden. Mit der Sauerstoffzufuhr beginnt der Schimmelprozess. Das Risiko, noch eine Tage zu warten und die angegärte Silage zu nutzen, wäre viel zu groß. "Kein Bauer gefährdet absichtlich die Gesundheit seiner Tiere", stellt Wartena klar.

Neben dem materiellen Schaden von gut 1200 Euro ist für den Holländer vor allem der Futterverlust schmerzlich. "Unser zweiter Grasschnitt wird noch viel geringer als der erste. Uns fehlt in diesem Jahr das Futter, so, wie auch anderen Bauern. Wir müssen zukaufen und das wird teuer", sagt er. Der Dolgeliner hat am Freitag Anzeige gegen unbekannt bei der Polizei erstattet. Die Beamten waren auch erstaunt. Solch einen Fall von Vandalismus hatten sie noch nicht.

Frage nach Hintergründen bleibt

Cornelis Wartena treibt vor allem die Frage nach den Gründen für die Tat um. Vor mehr als 20 Jahren kam er mit der Familie aus Holland, wirkte zunächst in Friedersdorf, hat seit 1999 die Wirtschaft in Dolgelin. Das alte Bürogebäude der einstigen LPG hat er zum ansehnlichen Wohnhaus umgebaut. Er komme im Dorf gut mit allen aus, fühle sich wohl. "Wenn jemand Probleme sieht mit uns, kann er doch kommen. ich werde immer versuchen, Dinge zu klären", betont er. Die Chancen, dass der Übeltäter gefunden wird, ist nicht sehr groß.

Wartena bewog allerdings noch ein anderer Grund, seinen Vandalismus-Fall öffentlich zu machen. "Vielleicht sind auch andere Landwirte in der Region von solchen Attacken betroffen. Dann sollten wir gemeinsam überlegen, was man tun kann." Er selbst wird jetzt seine drei Hunde auch nachts auf dem Stallgelände patroulieren lassen. Bisher war das nicht nötig. Die bis zur Hüfte reichenden Vierbeiner dürften jedem ungebetenen Besuch schon wegen ihrer stattlichen Statur mehr als nur einen Schreck einjagen.

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