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Bürgerhaushalt
Leinenlos in Neuruppin

Gern frei: Laut dem Tierschutzverein ist es nicht artgerecht, Hunde nur an der Leine zu halten.
Gern frei: Laut dem Tierschutzverein ist es nicht artgerecht, Hunde nur an der Leine zu halten. © Foto: Sebastian Kahnert
Judith Melzer-Voigt / 15.07.2019, 20:17 Uhr
Neuruppin (MOZ) Seit gestern können die Neuruppiner im Bürgerbüro des Rathauses über ihren Bürgerhaushalt 2020 abstimmen. Ein Projekt, das derzeit vor allem in den sozialen Netzwerken viel Unterstützung erhält, ist ein umzäuntes Hundeauslaufgebiet. Es würde rund 30 000 Euro kosten. Auch der Tierschutzverein Ostprignitz-Ruppin spricht sich für ein solches Areal in Neuruppin aus.

Für Peter Lenz vom Tierschutzverein ist es längst überfällig, dass es ein solches Gebiet gibt: "Überall in der Stadt herrscht Leinenzwang", erklärt er. Doch artgerecht sei es nicht, die Vierbeiner immer nur angeleint zu lassen. "Hunde brauchen Auslauf und soziale Kontakte mit anderen Hunden", sagt Peter Lenz. Die Besitzer der Tiere wüssten nicht mehr, wo sie diese laufen lassen können. Früher sei das am alten Flugplatz möglich gewesen. Doch da grasen schon seit einiger Zeit Schafe. "Auch die Wallanlagen und der Stadtpark sind nicht optimal", weiß Lenz. Dort würden zwar einige Neuruppiner die Leine bei ihren Hunden auch mal weglassen. Da an beiden Standorten aber viele Fahrradfahrer und Fußgänger unterwegs sind, kann das zu Problemen führen. Und letztlich erwartet die Hundebesitzer auch eine Strafe, wenn sie ihre Tiere dort unangeleint laufen lassen", so Lenz. 35 Euro kann dieses Verwarngeld laut Stadtsprecherin Michaela Ott kosten – bei Erstverstößen. Die Stadtordnung sehe einen Bußgeldrahmen von bis zu 1 000 Euro vor, abhängig von den Gesamtumständen. "Das ist nicht unerheblich", schätzt Peter Lenz ein.

Vorbild Pritzwalk

Die Stadt Pritzwalk hat vorgemacht, wie Hundehaltern geholfen werden kann: Dort wurde mit Hilfe eines Bürgerhaushaltes ein umzäuntes Auslaufgebiet eingerichtet, wie es viele Neuruppiner jetzt fordern, erklärt Peter Lenz. "Der Bedarf ist auf jeden Fall da", sagt er. Der Tierschützer selbst hat den Aufruf, sich an der Abstimmung zu beteiligen, bei Facebook hochgeladen. Andere sind ihm gefolgt. Online werden sogar schon Verabredungen getroffen, gemeinsam zur Abstimmung zu gehen. "Die Resonanz ist groß"; sagt Peter Lenz. Vor allem die Menschen im Neubaugebiet und am Sonnenufer wüssten mittlerweile nicht mehr, wohin sie mit ihren Hunden ausweichen sollen. Wo genau der Auslaufplatz entstehen könnte, steht noch nicht fest. Die Frage wäre, welche städtischen Grundstücke sich eignen, so Peter Lenz.

Initiator der Idee ist Familie Jacob aus Neuruppin. Martin Jacob hatte den Vorschlag für das Auslaufgebiet bereits in den Bürgerhaushalt des vergangenen Jahres eingebracht – ohne Erfolg. Damals standen aber auch nur insgesamt 50 000 Euro für den Etat zur Verfügung, in diesem Jahr ist es doppelt so viel Geld. "Wir haben bei der Abstimmung einfach nicht genug Stimmen bekommen", so Martin Jacob. "Insgesamt hatten sich nur sehr wenige an der Wahl beteiligt." Der Neuruppiner hofft, dass das in diesem Jahr anders sein wird. Bis zum 15. August kann noch jeder Neuruppiner seine Stimme abgeben. 17 Vorhaben stehen zur Wahl (wir berichteten).

Engagement seit Jahren

"Wir versuchen seit Jahren, ein Grundstück zu besorgen, auf dem Hunde ungestört laufen können", sagt Martin Jacob. Bisher sei das vergebens gewesen. Der Bürgerhaushalt ist für ihn, seine Mitstreiter und viele Tierfreunde nun eine gute Möglichkeit, doch noch ans Ziel zu kommen.

Die Wahl des Bürgerhaushalts

Seit gestern und bis zum 15. August können Neuruppiner über die Vorschläge für den Bürgerhaushalt 2020 abstimmen.

Das ist möglich im Bürgerbüro des Rathauses. Abgestimmt wird persönlich unter Vorlage des Personalausweises.

Die Öffnungszeiten sind montags und freitags von 8 bis 13 Uhr, dienstags von 8 bis 17.30 Uhr und donnerstags von 8 bis 17 Uhr.

Sonderöffnungszeiten gibt es am Sonnabend, 3. August, von 8 bis 12 Uhr und am Sonntag, 11. August, von 10 bis 16 Uhr.⇥jvo

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