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Verabschiedung
Auf Gut Schmerwitz und für Gut Schmerwitz

Bärbel Kraemer / 15.07.2019, 09:41 Uhr
Schmerwitz Nahezu fünf Jahrzehnte fuhr Rita Neumann jeden Morgen von Benken ins benachbarte Schmerwitz zur Arbeit und am Abend wieder heim. Damit ist es jetzt vorbei. Die 65-Jährige ist in den Ruhestand gewechselt. Gut Schmerwitz braucht damit einen Nachfolger für die beliebte, engagierte, erfolgreiche und leidenschaftliche Betriebsleiterin.

Am Freitag wurde sie offiziell durch Waltraud und Gerrit van Schoonhoven, den Betriebsinhabern, verabschiedet. Mit dabei waren rund 100 Menschen - Mitarbeiter, Geschäftspartner und Weggefährten.

"Frau Neumann hat den größten Teil ihres Lebens auf Gut Schmerwitz und für Gut Schmerwitz gearbeitet und damit die Entwicklung des Betriebes maßgeblich mitgeprägt", so Gerrit van Schoonhoven, der diese Zeit in der Laudatio Revue passieren ließ.

Am 1. September 1970 hatte Rita Neumann ihren ersten Arbeitstag auf dem damals noch Volkseigenen Gut Schmerwitz. Sie begann eine Ausbildung zur Landwirtschaftskauffrau. Die Lohnbuchhaltung war nach Abschluss der Lehre die nächste Station im Betrieb. "Frau Neumann wäre nicht Frau Neumann", so van Schoonhoven - wenn nicht mehr gefolgt wäre. Nach einem sich anschließenden vierjährigen dualen Studium hatte sie sich zur Betriebswirtin qualifiziert und wurde auf dem Gut Hauptbuchhalterin.

Dann kam die politische Wende mit großen gesellschaftlichen Wandlungen und gravierenden Veränderungen auch in der Landwirtschaft. Die größte Konstante, die Gut Schmerwitz damals erlebte, war Rita Neumann. Sie hielt dem Gut die Treue und wurde Mitgestalterin der Zeitenwende. Über 4000 Hektar Fläche galt es zu entflechten, neu zu ordnen oder an Alteigentümer zurückzugeben. "Das war eine Aufgabe, um die Frau Neumann niemand beneidete", so van Schoonhoven.

1991 erwarb die Suchthilfegemeinschaft Synanon das Gut von der Treuhand. Die bislang praktizierte Großraumwirtschaft gehörte der Vergangenheit an. Der Betrieb wurde auf Demeterwirtschaft, die Königsklasse der ökologischen Landwirtschaft, umgestellt. Wieder drückte sie die Schulbank und bildete sich zur Demeterbäuerin weiter.

"Ich kann mich noch sehr gut an unsere erste Begegnung auf dem Gut erinnern. Es war ein dunkler regnerischer Tag im Oktober 1999", so van Schoonhoven. Rita Neumann empfing ihn und seine Frau, zeigte den Betrieb, der damals noch ganz anders aussah als heute. Sie ließ Ferkel und Lämmer streicheln und wurde nicht müde zu erklären, wie wichtig ökologische Landwirtschaft sei. "Frau Neumann wäre nicht Frau Neumann", so van Schoonhoven, wenn sie es dabei belassen hätte. Schon bald sprach sie mit den beiden über mögliche Entwicklungspläne. "Wir hätten das Gut niemals gekauft, wenn sie uns nicht so beharrlich davon überzeugt hätte und wenn sie nicht im Betrieb geblieben wäre. Wir sind ihr zu großem Dank verpflichtet", sind sich die van Schoonhovens einig.

Mit Beharrlichkeit, Willensstärke und Durchsetzungsvermögen entwickelte die 65-Jährige dann ab 2000 das Gut zu dem modernen Bioland-Betrieb, der er heute ist. Die Schuhe, die sich ihr Nachfolger schnüren muss, sind damit nicht nur groß, sondern riesengroß.

Dann ergreift die 65-Jährige das Wort. Sie erzählt aus ihrem Leben. Davon, wie sie auf einem Bauernhof in Benken mit drei Schwestern aufwuchs und für sie schon früh feststand, später einmal in der Landwirtschaft zu arbeiten. "Mein Erfolg war auch ein Erfolg des Teams", betont sie. Mit Ehemann Klaus, der ebenfalls im Gut angestellt war, ging sie bereits am 1. Juli in den Ruhestand. Für das Gut bleibt sie dennoch in Reichweite und wird künftig für bestimmte Projekte noch beratend zur Seite stehen. "Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge", gesteht die 65-Jährige und verrät, dass der Wechsel ein neuer Anfang mit neuen Ideen werden soll. "Ich habe zum Beispiel noch nie an einer Töpferscheibe gesessen. Das will ich jetzt nachholen", verrät sie. Mehr Zeit bleibt nunmehr auch für ihr kommunalpolitisches Engagement in der Gemeindevertretung Wiesenburg und im Kreistag. Und dann will schließlich auch noch das Apfelbäumchen gepflegt sein, mit dem sich die Mitarbeiter des Guts von ihrer Chefin verabschiedeten.

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