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Interview
"Die Frauen sind uns weit voraus"

Mit Rheinsberg verbunden: Martin Ahrends bewohnt bis zum November die Stadtschreiberwohnung. Rheinsberg ist ihm bestens bekannt. Schließlich verbrachte er viel Freizeit in der Region.
Mit Rheinsberg verbunden: Martin Ahrends bewohnt bis zum November die Stadtschreiberwohnung. Rheinsberg ist ihm bestens bekannt. Schließlich verbrachte er viel Freizeit in der Region. © Foto: Jürgen Rammelt
Jürgen Rammelt / 16.07.2019, 18:47 Uhr
Rheinsberg (MOZ) Der brandenburgische Publizist und Autor Martin Ahrends ist der neue Stadtschreiber in Rheinsberg. Vor wenigen Tagen hat er im Südflügel des Marstalls Quartier bezogen. Der 68-Jährige ist der 50. Stadtschreiber. Im Ergebnis des Aufenthaltes gibt das Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum als Träger des seit 1995 bestehenden Projektes in eigener Edition den "Rheinsberg Bogen" mit Texten der Stadtschreiber heraus. Jetzt ist eine  Anthologie mit Beiträgen aus diesen Heften geplant. Über den Aufenthalt in Rheinsberg sprach mit Martin Ahrends RA-Mitarbeiter .

Herr Ahrends, können sie kurz etwas zu ihrer Biografie  sagen?

Ich bin in der DDR aufgewachsen, habe in Berlin Musik, Philosophie und Theaterregie studiert, war Redakteur der Zeitschrift "Musik und Gesellschaft" und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der "Komischen Oper". Nach einem politisch bedingten Arbeitsverbot konnte ich 1984 ausreisen. In Hamburg war ich zwischen 1986 und 1994 Redakteur und Autor der Wochenzeitung "Die Zeit". Seit 1995 lebe ich als freier Autor wieder in Ostdeutschland, zurzeit in Werder an der Havel.

Wie lange werden Sie in Rheinsberg sein?

Mein Stadtschreiberstipendium endet im November. Ich kann nicht durchgängig hier sein, werde es aber so oft wie möglich, denn ich liebe die Region seit meiner Kindheit.

Was führte dazu, dass Sie Schriftsteller wurden?

Mit meiner Publizistik habe ich die große Familie ernähren können, als Prosa-Autor wäre das nicht gelungen. Doch meine Romane, Erzählungen, Essays in Verlagen wie Kiepenheuer & Witsch, Aufbau, Wallstein waren nicht ohne Erfolg. Es gab Preise und Stipendien, auch im Ausland. Nun haben alle Kinder studiert und ich habe in meinen späten Jahren noch einmal die Gelegenheit, mich ganz auf die Prosa zu konzentrieren.

Die Themen in Ihren Werken sind sehr unterschiedlich. Gibt es auch ein Lieblingsthema?

Immer wichtiger wird es mir jetzt, uns gegenwärtige Männer zum Thema zu machen. Die Frauen sind uns weit voraus in der Gender-Selbsterkenntnis. Die Reflexion unserer spezifischen Verhaltensanlagen spielt für einen zukunftstauglichen Lebensstil eine wichtige Rolle.

Wie kam es dazu, dass Sie Stadtschreiber von Rheinsberg geworden sind.

Für die gegenwärtige Ausstellung im Tucholsky-Museum habe ich einen Essay geschrieben und zur Eröffnung im Schloss daraus gelesen: Eine fiktive Autoplauderei zur Mentalität der Brandenburger. Vor zwei Jahren gab es schon eine Ausstellungseröffnung im Schloss, da las ich zur Brandenburger Handwerksgeschichte "Wie ich lernte, meine eigenen Brötchen zu backen". Sehr autobiografisch. Ein quasi-erotischer Text über das Handwerk. Hat mir sehr viel Spaß gemacht. Der Stipendien-Jury offenbar auch.

In einem Ihrer Bücher berichten Sie über das Ministerium für Staatssicherheit und von Verrat durch die Familie. Geht es dabei auch um ihre eigene Geschichte?

Es geht unter vielen anderen, die in diesem Buch enthalten sind, auch um meine Geschichte.

Welche Beziehung haben Sie zu der Stadt Rheinsberg?

Wenn uns das Schloss lächelnd grüßte, endeten unsere sommerlichen Paddeltouren, die weiter nördlich gestartet waren. In Rheinsberg wurden die Boote wieder zusammengepackt und aufgeladen. Glücklich und etwas wehmütig nahmen wir Abschied von dieser prächtigen, einzigartigen Landschaft. Einmal bin ich auch von hier aus den Rhin runter gepaddelt – ein Abenteuer.

Wie sind Ihre jetzigen Eindrücke von der Stadt?

Ich werde mich hier sehr wohl fühlen.

Was bedeutet Ihnen das Stadtschreiber-Stipendium?

Eine beachtliche Auszeichnung für einen Autor wie mich, der immer fürs Brot schreiben musste und erst jetzt die Muße findet, ein richtiger Schriftsteller zu sein.

Was beabsichtigen Sie in Rheinsberg  zu schreiben?

Ein größeres Prosastück soll soweit gedeihen, dass ich es einem Verlag anbieten kann.  Arbeitstitel: "Das Diktat des Geschlechts".

Wann werden sie sich den Einwohnern mit einer ersten Lesung vorstellen?

Der Termin steht noch nicht fest.

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Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel

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