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Anhaltende Trockenheit, Schädlinge und der Mensch mit seinen Umweltsünden machen dem Wald zu schaffen.

Abfallentsorgung
Der Wald im Dauerstress

Nervenkitzel bei Spaziergang: Umgestürzte Bäume kreuzen sich über dem Weg zwischen dem Herrensee und Fasanenpark.
Nervenkitzel bei Spaziergang: Umgestürzte Bäume kreuzen sich über dem Weg zwischen dem Herrensee und Fasanenpark. © Foto: Jens Sell
Jens Sell / 17.07.2019, 07:00 Uhr
Strausberg (MOZ) Revierförster Johannes Wenske ist empört: "Das ist doch wieder eine Schweinerei! Acht Kanister zwischen 20 und 50 Litern Fassungsvermögen, gefüllt mit einer beißend riechenden Flüssigkeit. Kein Etikett, kein Aufdruck, keine Ahnung, ob es giftig, brennbar oder sonst gefährlich ist!" Am Biesower Pflaster zwischen Biesow und Hammelstall lehnen die Kanister direkt am Holzpolder. Oberförster Thomas Pietschmann erstattet umgehend Strafanzeige wegen des Anfangsverdachts einer Umweltstraftat. "Es wird immer dreister, wie sich mutmaßlich Firmen umweltgefährdend ihres Abfalls entledigen, um die Entsorgungskosten zu sparen", sagt Johannes Wenske.

Der Mensch als Stressfaktor

Dem Leiter der Oberförsterei Strausberg, Thomas Pietschmann, treiben solche Vorfälle die Sorgenfalten auf die Stirn. Der Wald ist schon durch das noch lange nicht ausgeglichene Wasserdefizit im Stress. Auch Schädlinge machen ihm  zu schaffen. Und der Mensch ist ein gefährlicher Stressfaktor: Nicht nur die illegale Abfallentsorgung, auch das Befahren von Waldwegen mit Kraftfahrzeugen und Rauchen im Wald bilden Gefahrenpotenzial.

Erschwerend bei der Bekämpfung von Waldbränden wirken umgekippte Bäume  und bei der Holzernte liegen gelassenes Kronholz, der Fachmann spricht von Schlagabraum. "Das Totholz ist wichtig für die Biodiversität als Lebensraum für Kleinlebewesen. Das FFH-Management fordert pro Hektar zehn bis 15 Kubikmeter, aus naturschutzfachlicher Sicht sollen es sogar 50 Kubikmeter sein", sagt Oberförster Pietschmann zu den wiederholten Beschwerden von Spaziergängern über den unaufgeräumten Wald. Andererseits bilden Stubben, liegende Stämme und Kronen eine Brandlast und werden zu schwer zu löschenden Glutnestern. Als Kompromiss zwischen den Belangen des Naturschutzes und des Brandschutzes sieht der Oberförster das Anlegen von Brandschutzstreifen entlang von Bahnlinien und Straßen einerseits und das Liegenlassen von Totholz tief im Inneren des Waldes.

Man müsse mit dem Waldumbau grundsätzlich eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen Waldbrände schaffen. Bei dieser "Jahrhundertaufgabe", wie der Oberförster sie nennt, gehe das Land mit gutem Beispiel voran und pflanze Laubbäume an geeigneten Standorten unter Nadelbäumen nach. Und fördere dies bei privaten Waldeigentümern.

Ein Stressfaktor mit wachsender Bedeutung sind die Schädlinge. Braune Baumkronen von Fichten deuten auf sterbende Bäume. Die Trockenheit senkt ihren Widerstand gegen den Borkenkäfer. Auch Buchdrucker und Kupferstecher machen ihr zu schaffen. Die Kiefer ist da noch stärker, doch in heißen Phasen lebt der Kiefernprachtkäfer auf. Der Pilz Diplodia verursacht zunehmend das Kieferntriebsterben. Besonders nach Hagelschäden erhält er eine Eintrittspforte, der Baum stirbt innerhalb eines Jahres. Holzeinschlag in der Vegetationsperiode erzwingt der Lärchenborkenkäfer. Seine Massenvermehrung kann nicht anders gestoppt werden.

Am schwersten zu stoppen ist der Stressfaktor Mensch mit seinen Umweltsünden im Wald.

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