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Imkerin Julie Gaworski lobt die Zusammenarbeit mit den Landwirten. Und sagt, auch Privatleute und Kommunen können etwas für Insekten tun.

Biodiversität
Vom Nehmen und Geben

Nadja Voigt / 17.07.2019, 11:00 Uhr
Möglin/Altwustrow (MOZ) Biozertifiziert und regional: Das ist der Honig von Berufsimkerin Julie Gaworski aus Möglin. Um diese hohen Qualitätsansprüche zu gewährleisten, arbeitet sie eng mit den Landwirten im Oderland zusammen. An rund 50 wechselnden Standorten im gesamten Landkreis hat sie ihre Völker zu stehen. Blühwiesen spielen in der trachtenarmen Zeit und bei den unbeständigen Witterungen eine große Rolle. "Sie kompensieren viel. Zeitweise sind sie das einzige, was blüht", so Julie Gaworski.

Pollenmangel kann ein ganzes Volk schwächen, weiß die Berufsimkerin. Seit 2014 ist sie selbstständig, produziert fast ausschließlich sortenreinen Honig für Großhändler und Imkereien – biozertifiziert. "Das bedeutet, dass wir keine Antibiotika gegen die Varoa-Milbe einsetzen, niedrige Grenzwerte bei Pflanzenschutzmitteln haben oder mit unseren Völkern nicht in konventionellen Obstplantagen stehen dürfen", gibt sie Beispiele.

Das bedeutet aber auch, dass der Verbraucher den Honig nicht für 2.99 Euro im Discounter kaufen kann. Julie Gaworski weiß, dass es für Käufer schwer ist, nachzuvollziehen, woher der Honig kommt. Dabei sei die Herkunft eines der wichtigsten Kriterien. Die billigen Produkte kommen aus China oder der Ukraine. "Die überschwemmen den Markt und machen ihn kaputt", so die Geschäftsfrau. Und wünscht sich EU-weit Aufklärung und einheitliche Siegel.

Mit ihren Bienenvölkern zieht sie den Nektarquellen hinterher. Erst kam der Raps als erste nennenswerte Tracht, der jedoch immer weniger angebaut wird, schildert sie ihre Erfahrung der letzten drei Jahre. Danach blühten die Akazien, Linden und derzeit die Sonnenblumen. Doch aufgrund von Trockenheit und Hitze verblühen die Pflanzen immer schneller. "Deshalb sind die Blühwiesen so wichtig", betont Julie Gaworski. Und hebt hervor, dass sie noch nie einen Spritzschaden bei ihren Völkern hatte. "Ich bin begeistert von der Zusammenarbeit mit den Landwirten", sagt sie. Und investiert viel Zeit in Absprachen, sucht den Kontakt. Die ausgebrachten Saatgutmischungen auf den Schlägen enthalten die als Bienenweide bekannte Phacelia aber auch Sonnenblumen, Ringelblumen, Buchweizen, Senf oder Kornblumen. Und sie blühen von Juni bis in den Herbst hinein.

Blühwiesen spielen große Rolle

Es ist ein Geben und Nehmen zwischen Imkerin und Landwirten. Denn eine Rotkleebestäubung funktioniert andersherum ohne Bienen nicht. Und auch bei der Saatgutvermehrung spielen sie eine große Rolle. Dafür finden die Tiere eben in den Blühwiesen, die ab dem kommenden Jahr auch vom Land Brandenburg gefördert werden sollen, Nahrung. Selbst bei den derzeit vorherrschenden kühleren Temperaturen ist auf dem Schlag bei Altwustrow, wo ebenfalls Bienenvölker von Julie Gaworski stehen, mächtig Betrieb. Auch für Menschen ist der für Bienen anscheinend sehr verlockende Duft der Phacelia wahrzunehmen. Und auch in Privatgärten kann für Insekten einiges getan werden: Die Fachfrau empfiehlt Insektenhotels und weniger Rasenschnitt. Kommunen könnten Blühstreifen anlegen. "Das alles ist gut für Wildbienen, Schmetterlinge und Hummeln."

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