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Lokalpolitik
Die Leute links wie rechts abholen

Eine Institution in Rheinsberg: Wenn Petra Pape keine Lokalpolitik betreibt, ist sie meist in ihrem Fahrradgeschäft anzutreffen, das sie seit 1992 leitet. Ihr Großvater hatte den Laden 1913 gegründet.
Eine Institution in Rheinsberg: Wenn Petra Pape keine Lokalpolitik betreibt, ist sie meist in ihrem Fahrradgeschäft anzutreffen, das sie seit 1992 leitet. Ihr Großvater hatte den Laden 1913 gegründet. © Foto: Brian Kehnscherper
Brian Kehnscherper / 17.07.2019, 23:24 Uhr
Rheinsberg (MOZ) Seit 2010 engagiert sich Petra Pape (BVB/Freie Wähler) als Stadtverordnete in der Lokalpolitik. Seit der jüngsten Kommunalwahl hat sie auch einen Sitz im Ortsbeirat. Das Gremium wählte sie zur Ortsvorsteherin.

Politisch sei sie eigentlich immer gewesen, sagt die 57-Jährige. Zu DDR-Zeiten setzte sie sich in der Friedens- und Umweltbewegung der Kirche ein. Nach der Wiedervereinigung habe es Kontakt zur SPD gegeben. Letztlich schreckte sie der Fraktionszwang aber ab. "Das war nicht mein Ding. Ich wollte eigenständig denken", sagt sie. Pape ist in Rheinsberg aufgewachsen. Nach dem Abi zog sie fürs Physikstudium nach Berlin, wo sie auch in der Forschung arbeitete. 1992 kehrte sie zurück in die Prinzenstadt, um den Laden ihres Vaters zu übernehmen. Noch heute begrüßt sie täglich Kunden im Fahrradhaus Thäns. Ihr Großvater hatte das Geschäft im Jahr 1913 gegründet. Neben Fahrrädern führte er damals noch Kinderwagen, Nähmaschinen und Schusswaffen.

Die Lager einen

Nachdem ihre beiden Töchter aus dem Haus waren, reichte es Petra Pape nicht mehr, das Geschäft zu führen. Es zog sie in die Politik, wo sie als kritische und streitbare Abgeordnete sehr engagiert ist. Im Lauf der Zeit vergrößerte sich der Riss zwischen ihrer Fraktion und den Fraktionen von SPD, CDU und Linke immer mehr. Über die Jahre ist die Stadt politisch in zwei unversöhnliche Lager getrennt worden. "Ich möchte die Stadt emotional wieder zusammenführen. Wie es jetzt ist, finde ich unschön. Das macht keinen Spaß." Wie zuvor schon viele andere Abgeordnete sagt Pape nun, dass sie diese zwei Lager wieder einen möchte – sowohl im Ortsbeirat als auch in der Stadtverordnetenversammlung. "Im Ortsbeirat ist das nicht so schwer, weil es dort eigentlich immer eine recht konstruktive Zusammenarbeit gab", sagt sie. Schwerer sei dies im Stadtparlament. In der SPD und der FDP habe sie bereits gute Kontakte zu den neu gewählten Abgeordneten Ulrike Liedtke und Tom Morten Theiß. Die Zusammenarbeit mit der CDU hält Pape für schwerer. Und die Linke hat bereits im Vorfeld der Wahl angekündigt, jede Zusammenarbeit mit AfD-Kandidaten zu verweigern. Jürgen Scheigert sitzt als AfDler in Reihen der Freien Wähler. Pape bedauert die grundlegende Ablehnung der Linken. "Ich möchte noch einmal mit dem Fraktionschef Freke Over reden. Nicht jeder, der in der AfD sitzt, ist rechtsextrem. Es gibt auch Gemäßigte. Ich kenne Herrn Scheigert seit vielen Jahren und würde ihn eher dort verorten. Er ist aus Protest in der AfD", so Pape. "Ich finde es schwer zu sagen, man möchte konstruktiv zusammenarbeiten, aber einzelne Personen abzulehnen." Ihr sei es wichtig, die Leute links wie rechts zu erreichen. "Man muss die Unzufriedenen, die jetzt aus Protest AfD wählen, abholen  und etwas verändern. Die schlimmsten Menschen sind die, die denken, sie könnten sowieso nichts ändern."

Auch abseits der Lokalpolitik will sie sich für das Miteinander in Rheinsberg einsetzen. So schwebt ihr eine engere Zusammenarbeit der Vereine in der Stadt vor. Wobei es bereits einen guten Austausch gebe. Weitere Themen sind Kitas und Schulen. Doch darauf hat Petra Pape als Stadtverordneten mehr Einfluss, als als Ortsvorsteherin. "Doch als Ortsvorsteherin kann ich zumindest einige Anstöße geben."

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Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel

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Ralf Lassowski 19.07.2019 - 11:44:25

Allein es fehlt der Glaube

Die beklagte Spaltung in Rheinsberg haben der Herr Bürgermeister Schwochow und seine Fraktion selbst zu verantworten, mit billiger Rhetorik und eine Klagewut gegen all jene, die Herrn Schwochows Meinung nicht teilen. Nun an der Macht hat in seinen 100 ersten Tage gar nichts vollbracht und mit dem Winkelzug (natürlich darf man das juristisch gesehen), selbst für die Wahl als Stadtverortneter anzutreten, seine eigene Fraktion mit Stimmen, die auf seinen Namen fielen, künstlich verstärkt. Da das noch immer nicht für die Mehrheit reicht, kommt jetzt der Schmusekurs mit der SPD... Zum Thema AfD sage ich nur, wenn jemand in der AfD ist, sei es aus Protest oder aus welchen Gründen auch immer, fände ich es ehrlicher, für diese seine Partei aus Protest oder anderen Gründen auch anzutreten und sich ncht hinter dem Wahlkonglomerat Freie Wähler/Rheinsberger Union usw. zu verstecken. Herrn Schwochow und seine Fraktion werden die Wähler letztlich an den Taten und seinen Versprechungen messen. Und 8 Jahre lang kann weder der vorherige Bürgermeister noch irgendwelche Akten in Wäschekörben am Elend von Rheinberg und vor allem seiner Ortsteile Schuld sein...

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