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Eine neue Verordnung des Landes unterstellt Bisamratten und Nutria dem Jagdrecht.

Schadnager
Bisamratten gefährden den Oderdeich

Ulf Grieger / 19.07.2019, 07:30 Uhr
Seelow (MOZ) Stattliche 289 Eingrabungen durch Bisamratten in den Oderdeich hat der als Bisamfänger im Deichverband tätige Mitarbeiter bislang festgestellt. Und es dürften täglich mehr werden. Denn  Bisam und Nutria darf er nicht mehr fangen. Das liegt an der vom Land beschlossenen neuen Durchführungsverordnung Jagd (DV Jagd), die diese Schadnager unter das Jagdrecht stellt. Was bedeutet, dass nur die Jagdpächter das Recht haben, den Bestand dieser Tiere zu kontrollieren. Der Bisamfänger des Deichverbandes benötigt nun Begehungescheine, um seinen – für das Oderbruch essentiellen – Aufgaben nachzukommen. Er muss zudem die Schadnager schonen, wenn sie Junge haben. Die Bisamratte kann sich aber das gesamte Jahr über fortpflanzen, tut dies auch.

Kritik von Wasserverbänden

Große Sorgen mache man sich im Deichverband, erklärt Geschäftsführer Martin Porath. Die Bauten der Bisamratten in den Deichen hätten die selbe Wirkung wie Biberbauten: Sie machen den Deich durchlässig.

Die Situation ist auch beim Seelower Jagdverband bekannt. Dessen Vorsitzender Max-Georg Freiherr von Korff erklärte, dass die DV Jagd schnell geändert werden müsse, um größere Schäden zu vermeiden. Bisam breiten sich rasch aus, wenn sie nicht kontrolliert werden. Seit der Erstbesiedlung 1905 in Böhmen hat die in Amerika beheimatete Wühlmaus den gesamten eurasischen Raum besiedelt. Der Landeswasserverbandstag kritisiert, dass er bei der Erarbeitung der DV Jagd nicht gefragt wurde. Er fordert vom Umweltminister die Erlasse zu Bisam und Nutria zu löschen.

Nicht anders sieht es Gregor Beyer vom Forum Natur, dem Landesverband der Landnutzerverbände. Er regt an, mit dem Deichverband nach einer tragfähigen Lösung zu suchen. Bis dahin breitet sich die Bisamratte aus. Während der Bisam, der zu den Wühlmäusen zählen, und Nutria, die mit dem Meerschweinchen verwandt sind, als Schädlinge anerkannt sind, macht der streng geschützte Biber im Oderbruch ebenso Schaden. Er unterhöhlt neben dem Deich auch Straßen und Gleise und staut die zahlreichen Gewässer an.

Traumjob für Letschiner

Um diese Biberschäden kümmert sich nun in Nachfolge von Antje Reetz der neue Bibermanager des Deichverbandes Michael Saß. "Für mich ist das der Traumjob" bekennt der 33-jährige gebürtige Letschiner, der in Eberswalde seinen Bachelor für Landschafts- und Naturschutz gemacht hat. Bei zwei Praktika lernte er bei Antje Reetz bereits viel über die rund 1700 Oderbruchbiber.

Nach seinem Studienabschluss hat Michael Saß an der Kollwitz-Grundschule in Bad Freienwalde als Seiteneinsteiger Grundschüler in Biologie und anderen Fächern unterrichtet. Mit einer Klasse des Gymnasiums Seelow führte er ein Projekt zu energetischen Reserven im Deichverband durch. Saß leitet vier Kollegen an, die mit der entsprechenden Technik eingreifen können, wenn dies mit Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde erfolgen kann.

Erreichbar ist Michael Saß unter der bekannten Handynummer von Antje Reetz: 01522 1894999.

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