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Die Auseinandersetzungen um die Berufung des Ortswehrführers von Biesenthal mit der  Amtswehrführung spitzen sich zu.

Ehrenamt
Tauziehen um Spitzenposition

Blick in die Historie der Freiwilligen Feuerwehr Biesenthal, die Gegenwart ist brenzlig.
Blick in die Historie der Freiwilligen Feuerwehr Biesenthal, die Gegenwart ist brenzlig. © Foto: Olav Schröder
Sabine Rakitin / 21.07.2019, 21:00 Uhr
Biesenthal (MOZ) In der Freiwilligen Feuerwehr Biesenthal herrscht Unruhe. Es geht um die Berufung des Ortswehrführers. Amtsinhaber Rainer Strempel leitet die Wehr seit 2011 und ist bereit, die Funktion für weitere sechs Jahre zu übernehmen. Zwei Drittel der Mannschaft stehen hinter ihm. Doch es gibt mit Thomas Brodde einen zweiten Bewerber. Auch er besitzt die fachlichen Voraussetzungen, um Ortswehrführer zu werden, wird aber nur von einem Drittel der Wehr unterstützt. Dennoch liegt dem Amtsausschuss von Biesenthal-Barnim zu dessen Sitzung am 29. Juli die Empfehlung von Amtswehrführer Roman Wieloch vor, Rainer Strempel ab- und Thomas Brodde als Ortswehrführer zu berufen. Die Mehrheit der Biesenthaler Feuerwehrleute versteht die Welt nicht mehr.

Bereits Anfang Januar gab es eine Anhörung der Wehr, so, wie es das Gesetz vorschreibt. "Von zwölf anwesenden Feuerwehrleuten sprachen sich sieben für Rainer Strempel aus und zwei für Thomas Brodde. Drei verhielten sich neutral", erinnert sich Tammo Lampe. Dennoch habe Amtswehrführer Wieloch schon damals seinen Vize Brodde als Ortswehrführer für Biesenthal vorgeschlagen, kritisiert er. Daraufhin gab es innerhalb der Wehr noch einmal eine Zusammenkunft, in der es um die Besetzung der Funktion des Ortswehrführers ging. In geheimer Abstimmung votierten an diesem Tag von 45 Frauen und Männern 31 für Strempel, und 14 für Brodde. Die Entscheidung im Amtsausschuss, vorgesehen für den 11. März, wurde bis nach den Kommunalwahlen vertagt.

Dass der Amtswehrführer nun trotz zweier Abstimmungsergebnisse zu Gunsten von Rainer Strempel wiederum Thomas Bodde als Ortswehrführer installieren will, macht die Biesenthaler fassungslos. "Es ist wirklich traurig, dass es so etwas in Zeiten, in denen alle Welt davon spricht, wie wichtig es ist, das Ehrenamt zu stärken, noch gibt", sagt Kevin Schultke, stellvertretender Jugendwart und seit elf Jahren Mitglied der Wehr.  Aus seiner Sicht und der von Tammo Lampe, seit 20 Jahren bei der freiwilligen Feuerwehr, kann es dafür nur einen Grund geben: "Der Amtsbrandmeister hat ein persönliches Problem mit Rainer Strempel."

"Rainer setzt sich immer für uns ein", schwärmt beispielsweise Tom Träger, der als Zwölfjähriger zur Biesenthaler Jugendfeuerwehr stieß. Und er lasse sich eben auch nicht alles von der Amtswehrführung vorsetzen. Erst vor wenigen Wochen beispielsweise seien für die Wehr Schnittschutzstulpen gekauft worden. "Die Amtswehrführung hat angewiesen, nur noch die zu tragen, weil wir sonst nicht unfallversichert wären", erzählt der 23-jährige Feuerwehrmann. "Doch ich beispielsweise habe Schuhgröße 45, die Stulpen sind Einheitsgröße und passen nicht rüber". Es sei der Ortswehrführer gewesen, der sich bei der Unfallkasse und beim kommunalen Schadensausgleich erkundigt habe, ob nicht auch die vorhandenen Schutzstiefel getragen werden könnten. "Und siehe da: Wir können sie tragen und haben trotzdem Versicherungsschutz", stellt Träger fest.

Die Unterstützer von Rainer Strempel haben sich jetzt mit einem Brief an alle Mitglieder des neuen Amtsausschusses gewandt. Sie informieren darin über das Ergebnis des zweiten Abstimmungsverfahrens und argumentieren:  "Der Löschzug hat in den letzten Jahren unter Rainer Strempel an Stabilität gewonnen und ist weiter erstarkt." Die Gründe für den Vorschlag des Amtswehrführers seien ihnen bekannt, dennoch habe die Mehrheit entschieden, diesem Vorschlag nicht zu folgen, "da wir erlebten und erleben, dass die Einsatzbereitschaft der Gruppe unter dem jetzigen Ortswehrführer zu jeder Zeit gewährleistet war und er die Interessen des Löschzuges auch gegenüber der Amtswehrführung konsequent und ehrlich vertritt."

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