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Im Binnenhafen wird ein riesiges Maschinenbauteil für einen Kran aus dem Eberswalder Ardelt-Werk verladen. Kunde ist die Werft in Wismar.

Großauftrag
Verladen mit absoluter Synchronität

Viola Petersson / 27.07.2019, 12:00 Uhr - Aktualisiert 27.07.2019, 12:19
Eberswalde (MOZ) Freitag, 9 Uhr, Binnenhafen Eberswalde: Auf dem Gelände, nur wenige Meter von der Kaimauer entfernt, steht er, unübersehbar, mit der Fracht: der Zwölfachser, der ein riesiges Maschinenbauteil in Quietschgelb geladen hat. Horst Schaefer, Geschäftsführer der Technischen Werke, sowie seine Mitarbeiter sind vor Ort. Und Klaus Papendick, Prozesskoordinator in der Kocks Ardelt Kranbau GmbH in Eberswalde.

Eigentlich hat er Urlaub, wie er verrät. Aber dieses Ereignis, so unspektakulär die Szenerie anmutet, da müsse er einfach dabei sein. Denn: Bei dem Mega-Teil auf dem Truck handelt es sich um das Mittelstück der Maschinenhausplattform für einen Werftkran, den die Eberswalder Kranbauer gerade für die Werft Wismar bauen. Es sei der größte Auftrag der vergangenen zehn bis zwölf Jahre, sagt Papendick. Und er muss es wissen. Denn der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur arbeitet seit 1973 im Betrieb. Weshalb Papendick von sich sagt, er habe das Kranbau-Gen.

Maschinenhaus mit WLAN

Ein Auftrag der Superlative. Mit dem der Kranbau auch von der Dimension der Bauteile in der Fertigung an die Grenzen komme. Allein das Mittelteil, das jetzt auf seine Verladung wartet, sei 15 Meter lang, 5,40 Meter breit, 5,60 Meter hoch. Und wiege mehr als 90 Tonnen. "Da passt fast ein Einfamilienhaus rein", unterstreicht Papendick, während die Hafenarbeiter alles für den Umschlag vorbereiten. Sei der Kran montiert, bringe er es auf eine Höhe von 128 Metern. "Die Plattform befindet sich in 73 Metern Höhe, der Kranfahrer sitzt später in 75 Metern Höhe." Weshalb das Maschinenhaus mit einer Sanitärkabine sowie WLAN ausgestattet sei. Und einen Aufzug gebe es auch. Der Kunde habe den Kran für die Montage eines Kreuzfahrtschiffes geordert, so der Koordinator. Aufgrund des XXL-Formats könne die Plattform nicht über die Straße an die Küste transportiert werden. Schon der Weg aus dem Werk zum Binnenhafen sei eine Herausforderung und eine logistische Meisterleistung gewesen, schwärmt der Fachmann. "Heute Nacht um 24 Uhr kam der Schwerlasttransporter hier im Hafen an", sagt er und zeigt Aufnahmen von der nächtlichen Aktion.

Für den Wasserweg bis Wismar seien drei bis fünf Tage eingeplant. "Zwischen 16 und 22 Uhr wollen wir heute das Schiffshebewerk Niederfinow passieren." Alles sei exakt geplant. Denn: Spätestens im November muss der Kran in Wismar komplett sein. Derzeit werde in der Werft das Portal, also der Unterbau, montiert. "Wir liegen im Plan."

Ein 90 Tonnen schweres Segment der Maschinenhaus-Plattform eines Kranes für den Hafen in Wismar ist am Freitag im Eberswalder Hafen verladen worden. Es ist der größte Auftrag für das Eberswalder Unternehmen der jüngeren Firmengeschichte. Der Kran wird 128 Meter hoch sein und beim Bau von Kreuzfahrtschiffen eingesetzt.
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Kran-Verladung im Hafen

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Im Eberswalder Werk werden nahezu alle Teile gefertigt. "Und wir haben ihn auch projektiert." Die Krane aus Eberswalde werden heute ganz "kundenangepasst" konstruiert und produziert. "Keine Serienkrane. Nichts aus dem Katalog." Dank dieses Auftrages für Wismar gebe es bereits aus Südkorea eine Anfrage für zwei ähnliche Werftkrane. Parallel arbeite man an einigen Umschlagskranen, u. a. für Russland, Marokko und Vietnam.

Inzwischen hängt die Plattform am Mobil- und Umschlagskran. Ein Kran allein würde für eine solche Aktion nicht ausreichen. Hafenmeister Peter Münn dirigiert die Kranfahrer, die die Fracht in absoluter Synchronität durch die Luft manövrieren müssen. Plötzlich stoppt die Aktion. Kurz vor dem Ziel. Störung im Fahrwerk, heißt es. Ein Monteur aus dem Kranbau wird angefordert. Zwangspause. Warten. Spannender geht es kaum. Doch Klaus Papendick, Horst Schaefer und Co. bleiben gelassen. Eine Stunde später ruht die Mega-Plattform auf dem Schiff. Geschafft. Gegen 14 Uhr heißt es: Leinen los.

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