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Eine irische Köchin und ein Berliner Fahrradmechaniker beleben in Stolpe ideenreich die Gastronomie. Das Fahrradcafé "Fuchs und Hase" lockt Gäste aus aller Welt an.

Tourismus
Radler, Kuchen, Schraubenschlüssel

Sommerfrische: Jennifer Clarke und Mike Nass betreiben das Fahrrad-Café "Fuchs und Hase" auf dem alten Betonwerkgelände direkt am Kanal. Die Gäste Sophia Pilz, Maria und Kerstin Marwitz genießen bei einer Rast die regionalen Spezialitäten.
Sommerfrische: Jennifer Clarke und Mike Nass betreiben das Fahrrad-Café "Fuchs und Hase" auf dem alten Betonwerkgelände direkt am Kanal. Die Gäste Sophia Pilz, Maria und Kerstin Marwitz genießen bei einer Rast die regionalen Spezialitäten. © Foto: Daniela Windolff
Daniela Windolff / 28.07.2019, 07:00 Uhr
Angermünde (MOZ) Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, wimmelt das Leben. In einem alten Baumstumpf verstecken sich Eidechsen, am Himmel kreisen Kraniche, auf der Wiese staken Störche und Familien, Wandergruppen, Ausflügler, und Nachbarn treffen sich auf einen Plausch bei Kaffee, Radler und frischem Kuchen. Im Fahrradcafé "Fuchs und Hase" in Stolpe scheinen die Uhren langsamer zu ticken. Doch stehengeblieben ist die Zeit hier nicht. Im Gegenteil.

Ein junges Paar hat auf dem Gelände des Betonwerkes, direkt am Kanal, die Zukunft in die Hand genommen und die lange Jahre tot gesagte Gastronomie wieder belebt und damit auch neuen Schwung in den Tourismus gebracht. In der ehemaligen Betriebskantine betreiben Jennifer Clarke und Mike Nass ihr Fahrradcafé "Fuchs und Hase". Dem verblichenen DDR-Industriecharme haben sie mit junger Kreativität zu neuer Ausstrahlung verholfen, statt ihn tot zu sanieren. Das ist eine ihrer ungewöhnlichen Konzeptideen, mit denen die jungen, aus Berlin zugezogenen Leute das Saison-Café wirtschaftlich machen wollen. Neben der Gastronomie, die Jennifers Steckenpferd ist, betreibt ihr Lebensgefährte Mike eine Fahrradreparaturwerkstatt mit Fahrradverleih, einen Service für die vielen Radtouristen, die auf dem Oder-Neiße-Radweg durch Stolpe kommen oder aus der Umgebung direkt hierher radeln. 80 Prozent der Gäste sind Radfahrer, sagt Jennifer. Und sie kommen aus aller Welt, aus Tschechien, Polen, Holland, sogar aus den USA. So ist vor zwei Jahren auch das junge Paar auf Stolpe gekommen. Jennifer Clarke, die in Irland geboren und aufgewachsen ist, lernte in Berlin Köchin und dort ihren Mike kennen, den Motorradmechaniker. An den Wochenenden sind sie oft in die Uckermark gefahren, mit dem Zug bis Schwedt und per Fahrrad durch das Odertal nach Angermünde. "Wir sind dabei oft durch Stolpe gefahren, aber hier gab es einfach nichts", erinnert sich Jennifer. Mike kennt die Gegend schon als Kind, ist mit seinen Eltern oft zum Grützpott und an die Oder gefahren und liebt die Region. Als das Paar vor der Frage stand, zurück nach Irland, in Berlin bleiben oder an einem Lieblingsort ganz eigene Lebensträume zu verwirklichen, fiel die Wahl auf Stolpe. Die stillgelegte Kantine am Wasser weckte Träume und Visionen, die Jennifer und Mike mit Mut, Kreativität und Bedacht mit Leben erfüllen.

Im Mai 2018 gründete die 27-jährige Jennifer Clarke mit Unterstützung der Lokalhelden Gründerwerkstatt, einem Ausbildungsprogramm für Gründungsinitiativen im ostdeutschen ländlichen Raum, das Fahrradcafé. Selbstgemachte, frische Speisen aus regionalen Zutaten der Saison sind ihr Anspruch. Da kooperiert sie mit Produzenten und jungen Biobauern der Region, um lokale Wirtschaftskreisläufe zu fördern. Gemüse liefert zum Beispiel Biogärtner Magnus Knigge aus Görlsdorf, Milch kommt von Hemme, Joghurt und Fleisch vom Biohof Stolze Kuh aus Stolzenhagen, Backwaren von Bäcker Schreiber aus Angermünde.

Bio in der Dorfkantine

Statt Schnitzel und Pommes gibt es Auerochsenwürstchen aus dem Nationalpark, Sommersalat mit Erdbeeren, Halloumikäse, frisches Tomatensüppchen und selbstgebackenen Kuchen, das Angebot wechselt täglich. Bei Touristen kommt das sehr gut an, manche Einheimischen mussten sich erst daran gewöhnen, dass es in der Dorfgaststätte nun Bio gibt. "Wir sind kein McDonald’s und auch kein Speisenrestaurant und wollen es auch nicht werden", verteidigt Köchin Jennifer ihr Konzept. Eine Teilzeitkraft und drei Minijobber helfen. "Wenn jedoch plötzlich zwei Wandergruppen ankommen, wird es stressig, dann müssen die Gäste manchmal warten, weil wir ja alles direkt frisch zubereiten", räumt die junge Wirtin ein. Derweil können Radtouristen aber die Idylle am Wasser genießen oder in Mikes Werkstatt ihr Rad checken, Schläuche reparieren, Luft aufpumpen oder E-Bikes laden. Der passionierte Motorradmechaniker hat schon in Berlin entdeckt, dass Fahrräder alles andere als technisch langweilig sind und im Gegensatz zu Motorrädern ganzjährig Saison haben. "Zu reparieren ist hier immer was. Manche bringen sogar extra ihre Fahrräder zu mir, andere haben unterwegs eine Panne." Da fährt Mike auch schon mal bis Hohensaaten, um vor Ort zu helfen oder die Räder samt Touristen mit seinem Transporter nach Stolpe zu holen. Er hat auch schon völlig erschöpfte Radwanderer, die abends in Stolpe gestrandet sind, nach Schwedt ins Hotel gefahren, weil es unterwegs und in Stolpe kaum Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Das wäre ein weiterer Traum der Jungunternehmer, einfache Übernachtungsmöglichkeiten und Duschen für Radfahrer in dem Gebäude einzurichten. Doch da müssen sie erst mit dem Vermieter, die Kulturpark GmbH, ins Einvernehmen kommen, die das Betonwerkgelände gekauft hat und entwickeln möchte. Darauf hoffen auch Jennifer und Mike  und möchten sich einbringen.

Partner des Nationalparks

Realistischer ist Mikes Plan, geführte Radwanderungen durchs Odertal zu organisieren. "Es gibt abseits der Hauptstrecke viele idyllische Wege zu entdecken." Gerade ist das Fahrradcafé Partner des Nationalparks geworden. Da eröffnen sich wieder Perspektiven und Kooperationen.

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