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Trotz massiver Kritik entscheidet sich der Amtsausschuss Biesenthal gegen Amtsinhaber Rainer Strempel und ersetzt diesen durch Thomas Brodde.

Brandschützer
Neuer Ortswehrführer berufen

Demonstrieren Geschlossenheit: Feuerwehrleute protestieren beim Amtsausschuss gegen Rainer Strempels Abberufung.
Demonstrieren Geschlossenheit: Feuerwehrleute protestieren beim Amtsausschuss gegen Rainer Strempels Abberufung. © Foto: privat
Kerstin Ewald / 31.07.2019, 10:45 Uhr
Biesenthal (MOZ) Thomas Brodde wurde zum neuen Ortswehrführer der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Biesenthal berufen. Am ersten August gehen die Geschäfte auf ihn über – für eine reguläre Amtszeit von sechs Jahren. Die Entscheidung traf der Amtsausschuss von Biesenthal-Barnim in seiner konstituierenden Sitzung am Montagabend. Broddes Stellvertreter sind Mirko Lieke und Herbert Blaudzun. Kurz zuvor berief der Ausschuss den langjährigen Biesenthaler Ortswehrführer Rainer Strempel ab.

Loyalität mit bisheriger Führung

Die Benennung von Thomas Brodde war umstritten. Viele Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Biesenthal hätten lieber den bisherigen Ortswehrführer Strempel weiter im Amt gesehen. 15 derer, die sich hinter Strempel stellen, demonstrierten in der Einwohnerfragestunde des Amtsausschusses ihre Haltung. Entschlossen erhoben sie sich von den Stühlen, während eine Feuerwehrfrau die gemeinsame Stellungnahme verlas: "Bereits in der ersten Anhörung gab es eine klare Mehrheit für Rainer Strempel", heißt es darin. Gemeint ist eine Zusammenkunft Anfang Januar. "Unerklärlich" sei, wie das in der Beschlussvorlage zu Strempels Abberufung "falsch dargestellt werden" konnte.

Über einen weiteren Termin, bei dem sich 31 von 45 Personen der Feuerwehrbasis für Strempel ausgesprochen hatten, berichtete auch die Märkische Oderzeitung.

Die Mitglieder des Amtsausschusses machten sich die Entscheidung nicht leicht. Die Neuen im Gremium sahen sich in dem Dilemma, einen Beschluss zu treffen, dessen Tragweite sie selbst noch nicht komplett überblicken. Annett Klingsporn, Bürgermeisterin von Marienwerder, stellte Amtswehrführer Roman Wieloch eindringliche Fragen: "Sie bitten uns hier um die Zustimmung zu einem Kandidaten, der nicht die komplette Zustimmung seiner Biesenthaler Kameraden hat. Geht es Ihnen gut damit?" Doch Wieloch hat sein Vorgehen reiflich überlegt: "Wenn ich nicht überzeugt gewesen wäre, dass es gut oder besser mit ihm funktionieren kann, hätte ich den Vorschlag nicht gemacht", rechtfertigte er sich.

Ein anderes Mitglied im Ausschuss versuchte die Flucht nach vorn: "Gib es nicht noch einen dritten Kandidaten?", fragte er. Doch ein Kompromisskandidat ist laut Wieloch nicht in Sicht. Aus seiner Sicht hatten die Gespräche mit der Feuerwehrbasis ein unklares Bild ergeben. Bei zwei konkurrierenden Kandidaten gebe es eben immer ein Für und Wider.

Bürgermeisterin Klingsporn insistierte. Wenn sich bei einer solchen Befragung ein uneinheitliches Bild ergäbe, dann sei die Zeit noch nicht reif für eine Entscheidung. Vielmehr müsse in weiteren Runden nach einem Konsens gesucht werden: "Sie muten uns wirklich viel zu!"  Schließlich setzten sich die Mitglieder des Amtsausschusses durch, die Vertrauen in die Besonnenheit, das Urteilsvermögen und die fachliche Expertise Roman Wielochs haben. Seit 2014 führt er die amtsangehörigen Wehren in Biesenthal-Barnim.

Lager wieder zusammenführen

"Wie auch immer die Entscheidung ausgeht, bitte unterstützen Sie den neuen Ortswehrführer", bat Carsten Bruch, Bürgermeister von Biesenthal,  kurz vor der Abstimmung. Schließlich wurde Thomas Brodde  bei drei Enthaltungen gewählt. "Er hat die Kraft und die Fähigkeit zu integrieren und die beiden Lager wieder zusammenzuführen", hielt Roman Wieloch seinem Kollegen zu Gute. Genau diese Gaben wird er in der nächsten Zeit brauchen. Viele Biesenthaler Feuerwehrleute fühlen sich unverstanden. Ihre Argumente habe niemand anhören wollen. Einer sprach noch am Abend von Austritt.

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