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Digitalisierung
Roboter besuchen Barnim-Gymnasium

Nur nicht vom Weg abkommen: Hendrik Rogge, Robert Rathmann, Bruno Bosse und Paul Emil Gutewort (v.l.) haben ein Programm von Aufgaben zusammengestellt, das der Roboter anschließend erfüllt.
Nur nicht vom Weg abkommen: Hendrik Rogge, Robert Rathmann, Bruno Bosse und Paul Emil Gutewort (v.l.) haben ein Programm von Aufgaben zusammengestellt, das der Roboter anschließend erfüllt. © Foto: Sergej Scheibe
Olav Schröder / 08.08.2019, 10:45 Uhr - Aktualisiert 08.08.2019, 14:56
Bernau (MOZ) Schüler des Barnim-Gymnasiums erleben in einem Projekt der Hans Riegel-Stiftung und der Arbeitsagentur die Arbeitswelt von Morgen.

Ob es der Roboter ist, der Abfälle beseitigt oder Motoren montiert, eine Magnetbahn, die in gut 30 Minuten von Hamburg nach München fährt, eine intelligente Brille, mit deren Hilfe Mediziner schwierige Operationen trainieren können oder gar die Gedankensteuerung – 384 Schüler des Barnim-Gymnasiums lernen gegenwärtig zwei Wochen lang das Alltagsleben und die Arbeitswelt von Morgen hautnah kennen. An ihrer Schule hat der TouchTomorrow-Truck der Hans Riegel-Stiftung Station gemacht, ein Doppeldecker-Lkw, vollgestopft mit digitaler Zukunftstechnik.

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TouchTomorrow-Truck am Barnim-Gymnasium

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Handwerk digital

Finn Schünemann aus der 8LM des Barnim-Gymnasiums trägt eine voluminöse gläserlose Brille mit Ohrhörern, die auch in einem Science-Fiction-Film als Ausstattung durchgehen könnte. Seine Arme kreisen in der Luft, mit zwei Greifern zeichnet er Bewegungen nach, deren Zweck seine um ihn herumstehenden Mitschüler nicht nachvollziehen können. Finn steht in einem absolut virtuellen Raum. "Von meiner Umgebung habe ich nichts mehr wahrgenommen", sagt er später.  Statt dessen arbeitete er in einer durch die Brille imaginierten Logistikhalle. "Die Technik", sagt er, "können aber auch Piloten bei der Ausbildung oder Kunden bei der Besichtigung von Wohnungseinrichtungen nutzen." Es ist das erste Mal, dass der seit gut einem Jahr auf Reisen befindliche Truck in der Region Station macht. Sechs Bundesländer wurden bereits angefahren, von Bernau geht es nach Berlin, dann nach Nordrhein-Westfalen und weiter nach Sachsen.

Acht Technikstationen

"Wenn man diese Technik einmal selbst erlebt hat, bekommt man auch ein Gefühl dafür, welche Rolle sie im späteren Berufsleben spielen kann", sagt Constanze Hildebrandt, Geschäftsführerin Operativ der Arbeitsagentur Eberswalde. Der Einsatz des Trucks mit seinen vier wissenschaftlichen Begleitern wird von der Hans Riegel-Stiftung und der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit gemeinsam finanziert. Constanze Hildebrandt räumt zugleich mit der falschen Annahme auf, dass Digitalisierung nur in akademischen Berufen eine Rolle spiele. Auch im Handwerk, wie beispielsweise die Ausbildung zum Mechatroniker zeige, sei ihre Beherrschung genauso wichtig.

Der Besuch der insgesamt acht Technik-Stationen des Tomorrow-Trucks erleichtere daher auch die Berufsfindung. Dass die Entwicklung neuer Technologien nicht nur im MINT-Bereich wichtig ist, unterstreicht Renate Brandenburg, Schulleiterin des Barnim-Gymnasiums. "Unter den heutigen Berufsbezeichnungen kann man sich oft nur wenig Konkretes vorstellen", sagt sie. Dies zu ändern, dazu trage ein Besuch des Trucks bei. Daher werde die Teilnahme nicht nur auf MINT-Klassen beschränkt. In diesem Fall sind die siebten, achten und elften Klassen einbezogen – in der Hoffnung, dass bei einem eventuell weiteren Aufenthalt des Technik-Wunders auch andere Klassen davon profitieren werden.

Roboter und Gedankenspiel

Jetzt waren es zum Beispiel Bruno Bosse, Robert Rathmann, Hendrik Rogge und Paul Emil Gutewort, die für einen Roboter ein Programm zusammenstellten, so dass er Besorgungen erledigte. An der Entwicklung des Roboters wie auch an der Konzeption des Trucks war die Biologin Alexandra Boeske beteiligt, die mit ihren drei Kollegen als Coach die Schüler begleitete. Fiona Thomas, Fabienne Warmer Marie Borngärber und Mirko Lenken tauchten beispielsweise an der Station zur "Gedankensteuerung" weit in die Zukunft ein. Das mit Sensoren bestückte Stirnband, das sie trugen, bildet hierfür eine Vorstufe: Nicht gemessene Gehirnströme, wohl aber feinste Kopfbewegungen steuerten eine Kugel auf einem Wanddisplay.

Kommentar: Pädagogisch veredelt

Es ist ein Menschheitstraum, in die Zukunft blicken zu können. Nun, diesen Traum kann auch der TouchTomorrow-Truck nicht erfüllen. Dennoch: Er gewährt mehr als nur Einblicke in die künftige Entwicklung der Technik, in die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeits- und Lebenswelt in den kommenden Jahren. Die acht Stationen des zweistöckigen Lkw-Labors machen auf faszinierende Weise erlebbar, welche technischen Möglichkeiten sich eröffnen.Das Anliegen der Technik-Präsentation geht freilich weiter. Sie soll den Schülern eine Orientierung zur Berufsfindung bieten. Eines wird dabei klar: Es wird kaum mehr berufliche Tätigkeiten geben, in denen die Zukunftstechniken nicht Einzug halten werden und die Arbeitsabläufe bestimmen. Deshalb ist die Kooperation des Technik-Trucks der Stiftung, der Arbeitsagentur und der Schule der Baustein, der dieses Projekt erst pädagogisch veredelt. Sonst würde das Vorhaben beim Staun-Effekt stehen bleiben.⇥Olaf Schröder

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