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ArcelorMittal
Kurzarbeit vorerst vom Tisch

ArcelorMittal - vorerst soll es keine Kurzarbeit geben.
ArcelorMittal - vorerst soll es keine Kurzarbeit geben. © Foto: Gerrit Freitag
Janet Neiser / 13.08.2019, 18:05 Uhr - Aktualisiert 14.08.2019, 07:00
Eisenhüttenstadt (MOZ) Kurzarbeit bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt (AMEH)? Nachdem Frank Schulz, Geschäftsführer der Europa-Holding des Konzerns, im Mai erklärt hatte, dass man über Kurzarbeit nachdenke und dass die Geschäftsführung in Eisenhüttenstadt darüber mit dem Betriebsrat im Gespräch sei, schrillten bei vielen Mitarbeitern und deren Familien die Alarmglocken. Erinnerungen an das Jahr 2009 wurden wach, damals gab es eine etwa einjährige Kurzarbeitsregelung.

Komplizierte Situation

Nun kamen in der Stadt Gerüchte auf, dass es ab September wieder soweit sein könnte. Wäre das so, müsste die Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur bereits beantragt worden sein, weil diese einen mehrmonatigen Vorlauf braucht.

Mutmaßungen über Kurzarbeit widerspricht in dieser Woche Michael Bach, der neue AMEH-Arbeitsdirektor, der jüngst Axel Krause beerbt hat: "Wir haben Kurzarbeit weder beantragt, noch wird sie bereits praktiziert. Zurzeit gibt es am Standort auch keine Notwendigkeit dafür", lässt er über die Pressestelle des Unternehmens mitteilen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für ArcelorMittal Eisenhüttenstadt seien zwar kompliziert, heißt es, der Auftragsrückgang deutlich spürbar, aber noch würden die üblichen Anpassungsmaßnahmen greifen. Gegenwärtig würden Auftragsrückgänge eher mit der Urlaubssaison kompensiert und darüber hinaus mit den Arbeitszeitkonten, sollte dies erforderlich sein. "Wichtig ist uns: Wir informieren unsere Mitarbeiter möglichst frühzeitig und umfassend über die aktuellen Entwicklungen unseres Unternehmens", betont Arbeitsdirektor Michael Bach.

Für den ungünstigsten Fall haben sich Betriebsrat und Geschäftsführung auf eine Rahmenvereinbarung zur Kurzarbeit geeinigt, teilt AMEH mit. Sollte die Situation sich weiter verschärfen, wäre man da gut vorbereitet.

Die europäische Stahlindustrie steckt gegenwärtig in einer Krise. Die Stahlimportmengen in die Europäische Union seien seit 2017 um mehr als 30 Prozent gestiegen, während die Nachfrage nach Stahl sinkt, informiert die AMEH-Pressestelle. Eine Ursache sei der Handelsstreit zwischen China und den USA. Er führe dazu, dass mehr billiger Stahl nach Europa kommt. Die EU-Handelsschutzmaßnahmen hätten sich bisher als unzureichend erwiesen und der Wettbewerb gestalte sich, insbesondere durch die hohen Energiekosten und die steigenden CO2-Abgaben zunehmend unfair. Zudem schwächelt die Konjunktur in Deutschland und Europa.

Das geht auch an ArcelorMittal nicht spurlos vorbei. Die Finanzzahlen, die kürzlich veröffentlicht wurden, widerspiegeln laut Pressestelle diesen Trend. Im zweiten Quartal schrieb ArcelorMittal rote Zahlen. Unter dem Strich stand ein Verlust von 447 Millionen US-Dollar nach einem Gewinn von fast 1,9 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Der Umsatz ging um fast vier Prozent auf 19,3 Milliarden Dollar zurück.

Weil diese Entwicklung absehbar gewesen sei, habe der Konzern frühzeitig darauf reagiert, heißt es in der Stellungnahme des Eisenhüttenstädter Werkes. Anfang Mai wurden Produktionseinschränkungen für die europäischen Standorte von rund 4,2.Millionen Tonnen auf Jahresbasis beschlossen. Davon seien auch die Werke in Bremen und Eisenhüttenstadt betroffen. Folglich wurden Maßnahmen getroffen, um sich auf die neue Situation einzustellen. Diese haben auch Auswirkungen auf die Beschäftigungssituation am Standort.

Wie funktioniert das mit der Kurzarbeit?

Kurzarbeit bedeutet die vorübergehende Verringerung der Arbeitszeit aufgrund eines erheblichen Arbeitsausfalls. Davon können alle oder nur ein Teil der Arbeitnehmer des Betriebes betroffen sein. Der Arbeitgeber muss die reguläre Arbeitszeit kürzen und dies der zuständigen Agentur für Arbeit anzeigen. In den meisten Fällen geschieht dies aus konjunkturellen Gründen. Das dann gezahlte Kurzarbeitergeld, das eine Leistung der Arbeitslosenversicherung ist, soll den Verdienstausfall zumindest teilweise ausgleichen. Von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt gab es in der Vergangenheit dazu eine Aufstockung.⇥ja

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Werner Matzat 14.08.2019 - 15:45:33

Wachsamkeit ist oberstes Gebot - Stahlmarkt in Europa in der Krise - Arcelormittal ordnet Kurzarbeit an

Alarmstimmung in der krisengebeutelten Stahlbranche: Auch deutsche Arbeitsplätze sind bedroht. Der Stahlmarkt gerät ins Wanken. Nicht nur die geplatzte Fusion zwischen Thyssenkrupp und Tata Steel sorgt in der Branche für Aufregung. Auch der weltweit größte Stahlkonzern Arcelormittal muss wegen der schwachen Nachfrage Maßnahmen ergreifen. Diese sehen vor, am Standort Ilva (Süditalien) 1.400 Mitarbeiter in Kurzarbeit zu versetzen. Ihre Arbeitszeit: null Stunden. Das gab der Konzern vergangene Woche in einer Pressemitteilung bekannt. Als Grund nannte die Konzernleitung die schwache Nachfrage am Markt: „Wir erleben eine schwierige Situation. Die Marktbedingungen sind in ganz Europa kritisch. Es handelt sich jedenfalls um eine vorübergehende Maßnahme“, so Matthieu Jehl, CEO von Arcelormittal Italia. Die zuständige Gewerkschaft zeigte sich entsetzt über die Maßnahmen. Streiks seien nicht ausgeschlossen. Der Konzern hatte erst im Herbst 2018 10.700 Mitarbeiter vom ehemaligen Ilva-Konzern übernommen. Allein 8.200 Arbeitnehmer sind davon im Werk in Süditalien beschäftigt. Quelle: https://www.kloepfel-engineering.com/engineering-news/krise-am-stahlmarkt-4179/ --- Zumal die Kunden ganz genau wissen, was sie sich in den Preisverhandlungen erlauben können. So zum Beispiel der VW - Konzern. Der Branchenriese hat bei einer Investmentbank sechs Händler abgeworben, die den ganzen Tag nichts anderes machen als Rohstoffpreise zu beobachten. "Die wissen ganz genau, wie stark sie die Preise drücken können", klagt ein Stahlmanager. Die Stahlbranche steckt in einer Krise, die noch lange nicht vorbei ist. Viele Konzerne greifen nun zu radikalen Mitteln. Doch der Abbau von Arbeitsplätzen ist in der Stahlindustrie praktisch die einzige Möglichkeit zum Sparen. Die hohen Energiepreise kommen anschließend noch oben drauf. Rohstoffe und Energie machen rund 80 Prozent der Kosten bei der Stahlherstellung aus, erklären Branchenexperten. In Deutschland ist die Situation ganz besonders problematisch. Das Sterben der Stahlbranche ist in vollem Gange. Kurzum, Wachsamkeit bei den Mitarbeitern ist oberstes Gebot, denn viele Stahlstandorte sinken ab in die Bedeutungslosigkeit und verschwinden mehr oder weniger von der Bildfläche. Da hilft dann keine Politik und auch kein Bürgermeister, mit einem Unterschied - sie sind angepasst an die jetzige neoliberale, kapitalistische Gesellschaft und im Zweifelsfall immer auf dessen Seite.

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