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Nach Unfalltod
"Maxim ist jetzt bei den Engeln"

Ort der Erinnerung und der Trauer: An der Unfallstelle in der Beeskower Straße wurden Blumen, Plüschtiere und Lichter für Maxim hinterlassen.
Ort der Erinnerung und der Trauer: An der Unfallstelle in der Beeskower Straße wurden Blumen, Plüschtiere und Lichter für Maxim hinterlassen. © Foto: Gerrit Freitag
Janet Neiser / 16.08.2019, 19:32 Uhr
Eisenhüttenstadt Das darf eigentlich nicht geschehen. Das ist nicht so vorgesehen, und dennoch passiert es: Das eigene Kind stirbt. Es ist der schlimmste Schicksalsschlag, den Eltern erleiden können. Plötzlich ist alles anders. Das Leben? Es zieht an einem vorbei. Es findet scheinbar nicht mehr statt. Der Schmerz ist so groß, dass man die ganze Zeit schreien möchte und das Gefühl hat, in Tausende Einzelteile zu zerspringen. Die Tränen, sie fließen unentwegt. Der Tod des eigenen Kindes ist der Sturz in ein tiefes schwarzes Loch.

In diesem Loch befinden sich derzeit die Eltern des zehnjährigen Maxim, der vor zweieinhalb Wochen bei einem Verkehrsunfall in der Beeskower Straße in Eisenhüttenstadt ums Leben kam. Der Junge war auf dem kombinierten Fuß- und Radweg in der Oderlandstraße unterwegs. Als er bei Grün mit seinem Fahrrad über die Beeskower Straße fuhr, wurde er von der Zugmaschine eines rechts abbiegenden Sattelschleppers, der ebenfalls Grün hatte, erfasst. Maxim war sofort tot.

Die Anteilnahme war und ist enorm groß: Blumen, Plüschtiere, Lichter wurden zur Unfallstelle gebracht, eine Spendensammlung initiiert. Und bei der Beerdigung nahmen etliche Abschied, auch viele Kinder, die Maxim aus der Schule oder vom Sportverein kannten. Die Eltern sind gerührt von dieser Unterstützung. "Wir wollen unbedingt Dankeschön sagen, und zwar allen", betont Susanne M., die Mutter des Jungen. Das sei ihr und ihrem Mann ein großes Bedürfnis. Ob nun die Stadtwirtschaft, die einen Platz zum Trauern an der Unfallstelle hergerichtet hat, die Physiotherapie in der Gubener Straße, die auf ihre Art half, der Sportverein, das Haus des Abschieds – die Eltern wissen gar nicht, wen sie alles aufzählen sollen. Und immer wieder werden sie von Tränen übermannt, beispielsweise als Susanne M. erzählt, dass sie bei der Beerdigung Luftballons haben steigen lassen oder dass sie der sechsjährigen Schwester von Maxim erzählt haben, dass ihr Bruder jetzt bei den Engeln im Himmel sei. Wie das Mädchen all das verarbeiten wird, das müsse man abwarten.

Man habe ihnen auch psychologische Hilfe angeboten, erzählt der Vater. "Aber wir versuchen, uns da erst einmal allein durchzukämpfen – mit Verwandten und Bekannten", sagt die Mutter. Das sei alles gar nicht zu beschreiben.

"Das ist ein absoluter Ausnahmezustand, in dem sich die Eltern befinden", weiß Diplom-Psychologin Susanne Deimling. Sie hätten noch gar nicht alles richtig realisieren können. "Da funktioniert man einfach." Trauer sei ein langer und schwieriger Prozess und die Eltern von Maxim würden sich da ganz am Anfang befinden. Hinzu kommt, das Leben, das stillzustehen scheint, geht weiter, muss weitergehen – schon allein für die Tochter. Das sei ganz schwer, weil man in der Trauer vor allem mit sich beschäftigt sei, sagt die Psychologin. Aber durch das Kind, was da ist, habe man eben weiterhin eine Verantwortung. Das wiederum könne auch helfen, zurück ins Leben zu finden.

Dass Maxims Eltern ihre Trauer allein bewältigen können, das sei durchaus möglich. Nicht jeder brauche psychotherapeutische Hilfe. Die Anteilnahme, die ihnen entgegengebracht wurde, findet die Psychologin ganz wichtig. Das sei wie ein Netz, das einen auffängt. Allerdings wisse sie auch, dass viele Menschen sich nicht trauen, auf die Trauernden zuzugehen. Aus Angst, diese ständig an das Geschehene zu erinnern, schweigen sie, weichen aus. "Aber die Eltern erinnern sich sowieso jede Sekunde, Minute und Stunde an ihr Kind, das jetzt fehlt", sagt Susanne Deimling. Von daher begrüßt sie Anteilnahme sogar, rät aber, dabei eine gewisse Distanz zu wahren.

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