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Aufruhr
Eberhard Vetter: Das ist nicht mehr mein Booßen

Am 27. Oktober sollen die Booßener einen neuen Ortsbeirat wählen. Den Ende Mai gewählten hat der OB mangels Mitgliedern aufgelöst.  Am Donnerstagabend wurde auf dem Hof des Jugendfreizeittreffs eine Neue Wählergruppe Booßen gegründet.
Am 27. Oktober sollen die Booßener einen neuen Ortsbeirat wählen. Den Ende Mai gewählten hat der OB mangels Mitgliedern aufgelöst.  Am Donnerstagabend wurde auf dem Hof des Jugendfreizeittreffs eine Neue Wählergruppe Booßen gegründet. © Foto: Ines Weber-Rath
Ines Weber-Rath / 17.08.2019, 07:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Bevor es an die Kür neuer Bewerber für den Ortsbeirat ging, wurde abgerechnet. Das konnte der für den Abend gewonnene Moderator Martin Hampel nicht verhindern. Zu tief war bei vielen der knapp 50 Booßener, die am Donnerstagabend im Hof des Kinder- und Jugend-Freizeittreffs vor ihm saßen, der Frust über den Ausgang der regulären Ortsbeiratswahl Ende Mai.

Als sie sich für die damalige Wählergruppe Booßen als Kandidaten aufstellen ließen, habe keiner der Sieben gesagt, dass er bei einer bestimmten Konstellation nach der Wahl sein Mandat nicht annehmen würde. "Die haben die Booßener belogen", meinte ein älterer Herr wütend.

Erklärungsversuche scheitern

Erklärungsversuche von Bärbel Teich und Regina Fietze, zwei der Gewählten, die ihre Mandate niedergelegt haben, nutzten nicht viel. "Wir haben Leute gewählt, um für Booßen zu arbeiten, nicht für einen Verein!" Das rief eine Frau auf die Erklärung der Sportvereinsvorsitzenden Fietze, sie habe befürchtet, im Ortsbeirat überstimmt zu werden.

Dass Bärbel Teich in der Erklärung zu ihrem Mandatsverzicht von "Intrige" durch andere Ortsbeiratsmitglieder gesprochen hatte, nahm ihr mancher übel. Der Vorwurf "verletzter persönlicher Eitelkeit" wurde laut. "Solche Leute brauchen wir nicht", knurrte ein älterer Herr und erklärte sodann: "Wir haben über die Kliestower gelacht, die ihre Ortsvorsteherin demontiert haben – jetzt haben wir hier dasselbe!"

Eine ältere Booßenerin verliest ihre Erklärung. Der Offene Brief der Initiatoren zur Gründung einer neuen Wählergruppe sei für sie eine Beleidigung, der geforderte Generationswechsel angesichts des Alters der Initiatoren ein Hohn. Dass jene, die ihr Mandat zurückgegeben haben, jetzt wieder antreten wollen, sei eine "Dreistigkeit", so die Booßenerin unter Beifall.

Dann erhebt sich Eberhard Vetter.  Er sei von der seit zwei Monaten laufenden Diskussion "zutiefst berührt". Und: "Das ist nicht mehr mein Booßen", sagt der Mann, der als Ortsvorsteher 15 Jahre lang die Geschicke im Ort mit bestimmt hat. Er sieht seine Arbeit "diskreditiert" und fühlt sich von ehemaligen Mitstreitern "verraten". Als es an die Gründung der Neuen Wählergruppe Booßen und Nominierung von Kandidaten geht, lässt Vetter unschwer erkennen, dass er einigen seine Unterstützung verwehrt.

43 der 47 anwesenden wahlberechtigten Booßener stimmen dann für die Wählergruppe. Eine Nominierung der Bewerber im Block, wie bei der vorigen Wahl, lehnen einige Anwesende ab. Es gibt eine Wahl, bei der man zu jedem "Ja" oder "Nein" sagen kann.

Die Neuen sind Stimmsieger

Neben drei Booßenern, die schon im Mai gewählt worden waren – Jan Utke, Regina Fietze und Bärbel Teich – melden sich drei neue Bewerberinnen: die 54-jährige Erzieherin Marion Krüger, die 40-jährige Filialleiterin Sandra Wiese aus Peterhof und die 26-jährige Erzieherin und Feuerwehrfrau Luisa Kobert.

Die drei Neuen bekommen am Ende die meiste Zustimmung: 44  Ja-Stimmen gibt es für Marion Krüger, je 43 für Luisa Kobert und Sandra Wiese. Für Regina Fietze stimmen 33, für Jan Utke 29 und für Bärbel Teich nur 26 der 47 an der Abstimmung beteiligten Booßener.

Bis zum 22. August, 12 Uhr, können bei der Kreiswahlbehörde weitere Wahlvorschläge eingereicht werden.

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Frank Sonnenburg 17.08.2019 - 17:28:45

Ein Ortsvorsteher hat's schwer - drum überlege, wer sich bindet.

Sehr geehrte MOZ-Redaktion, ich bin eigentlich ein etwas passiver Leser, aber auf diesen Artikel sollte ich antworten. Zusammenfassend kann ich nur sagen, schön aufreißerisch - aber nicht die Tatsachen wiedergebend. Warum? Natürlich hat es in Booßen gewisse Differenzen im Zusammenhang mit der Wahl eines neuen Ortsvorsteher gegeben. Das dabei unterschiedliche Meinungen aufeinanderprallten - sollte normal sein. Ok, der Vorgang ist etwas übergekocht. Aber diese Versammlung hat doch eines gezeigt, die Booßener können mit ihren Differenzen fair umgehen. Die Aussage von Herrn Vetter (bisheriger Orstvorsteher) kann ich nachvollziehen. Aber er hat den Großteil der Veranstaltung mit seiner Erfahrung geholfen eine neue Wählerguppe Booßen für die kommende Ortsvorsteher-Wahl zu bilden. Dafür hat es auch einige Entschuldigungen von Kampfhähnen untereinander gegeben. Es gibt kein schöneres Ergebnis für einen Moderator (Herr Hampel) und vielen Teilnehmern dieser Versammlung, denen an einer Klärung und gutem Umgangston gelegen war. Es gab natürlich auch eine Reihe von Teilnehmern, die gerne stundenlang geklagt, sich beschwert und Vorwürfe abgegeben hätten. Diese Gruppe war nicht der Gewinner dieser Veranstaltung - für mich ein Ergebnis der Vernunft. Also werte Frau Weber-Rath, bei der nächsten Teilnahme an einer derartigen Versammlung bitte alles aufschreiben! Abschließend gehe ich davon aus, die Differenzen werden bleiben. Wir werden sehen, wie die Booßener diese Veranstaltung würdigen. Für mich war die Veranstaltung fair, offen und ehrlich. Und der Unterlegene sollte sich nach der nächsten Wahl nicht verbiegen, aber konstruktiv mitarbeiten. Dann wird es auch was mit einem schönen Booßen. Frank Sonnenburg

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