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Kriminelle Machenschaften
Prozess um Raubüberfälle: Zeugen im Sog des Verbrechens

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Symbolfoto © Foto: dpa
Mathias Hausding / 17.08.2019, 09:35 Uhr - Aktualisiert 17.08.2019, 10:14
Frankfurt (Oder) (MOZ) Wie gerät man in den Strudel von Verbrechen? Und wie findet man wieder heraus? Dazu war der zweite Verhandlungstag im Prozess um Supermarktüberfälle am östlichen Berliner Stadtrand ein wahres Lehrstück.

Begangen wurden die fünf Taten laut Anklage im Herbst 2018 von Chefplaner und Fluchtautofahrer Robin P. sowie von Alexander G., der maskiert und mit Waffe in die Läden stürmte, Angestellte bedrohte und insgesamt rund 10 000 Euro erbeutete, die in Drogen und Autos investiert werden sollten.

Wer wusste von den Taten?

Aber wer wusste noch von den Raubzügen oder war womöglich gar an Straftaten beteiligt? Da kommen auch dank Handy-Auswertung einige junge Menschen aus dem Dunstkreis der Angeklagten in Frage. Zwei von ihnen waren am Freitag vor dem Frankfurter Landgericht als Zeugen geladen.

Eine 20 Jahre junge Mutter legte dar, dass sie quasi im letzten Moment die Kurve gekriegt hat. Sie war in jener Zeit mit einem zwielichtigen Kumpel von Robin P. liiert und bekam aus Erzählungen und eigenem Erleben mit, dass da unsaubere Sachen liefen. "Ich saß im Auto und da lag auf einmal ein Rucksack voller Geldrollen. Der war so schwer, dass ich ihn gar nicht wegschieben konnte", erinnerte sich die Zeugin. Auch eine Waffe habe man ihr gezeigt und ihr geklautes Benzin günstig zum Kauf angeboten.

"Das war mir zu viel. Ich will nichts mit Kriminellen zu tun haben und mein Geld auf ehrliche Art verdienen", beteuerte die Zeugin. Auch Alexander G., den sie eigentlich für einen guten Kerl hält, habe sie (erfolglos) ins Gewissen geredet: "Bist du verrückt? Warum machst du da mit? Willst du, dass dich dein Kind im Knast besuchen muss?"

Allerdings hatte die junge Frau auch Angst davor, sich von den Kriminellen abzuwenden. Man habe ihr von Anfang deutlich gemacht, dass sie den Mund zu halten habe. Sie vertraute sich ihrem Vater an, zu dem sie eigentlich kaum Kontakt hat. Und der zog die Notbremse, ging zur Polizei und erlöste seine Tochter damit. Jetzt macht die Frau eine Ausbildung zur Mechatronikerin und ist wieder mit ihrem früheren Freund zusammen, wie sie erzählte.

Der zweite Zeuge indes hat den Punkt zum Absprung wohl verpasst. Der Mann ist Metallbaumeister, nicht vorbestraft, aber seit Freitag der Falschaussage überführt, wie ihm der Vorsitzende Dirk Kreckel deutlich machte. Und das ist nicht sein einziges Problem. Etwas muss den Mann zu seinem früheren Schulfreund Robin P. hingezogen haben, obwohl ihm dessen kriminelle Ader bekannt gewesen sein dürfte. Die beiden Männer tauschten fast täglich Handynachrichten aus. So erfuhr der Zeuge von den Raubzügen, was er nun vor Gericht in seiner Falschaussage bestritt. Außerdem fuhr er mit Robin P. zu Alexander G., um ihm eine "Abreibung" zu verpassen, weil der aussteigen, nicht länger Überfälle machen wollte. G. wurde übel verprügelt und ging dann wieder mit auf Raubzüge.

Robin P. erklärte seine Vergehen am Freitag mit "seelischer Abartigkeit" durch jahrelangen Drogenkonsum. In den Augen von Staatsanwalt Stefan Santerle ist das eine unglaubwürdige Schutzbehauptung: "Es gibt Sprachnachrichten, die uns zeigen, dass Sie sehr klar im Kopf waren, als sie die Taten planten und durchführten."

Am 2. September wird der bis Ende Oktober verlängerte Prozess fortgesetzt.

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