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2019 wuchsen im Niederbarnim nur noch 25 Jungvögel auf. "Es gibt zu wenig Nahrung für sie", sagt Gerhard Meyer vom Naturschutzbund.

Saisonbilanz
Zahl der Störche im Sinkflug

Pitsche-nass im Anflug: Freudige Ablösung beim Brüten im Storchennest auf dem alten Bäckereischornstein in Ladeburg Mitte Mai.
Pitsche-nass im Anflug: Freudige Ablösung beim Brüten im Storchennest auf dem alten Bäckereischornstein in Ladeburg Mitte Mai. © Foto: PETER KOCHAN
Olav Schröder / 17.08.2019, 11:00 Uhr
Bernau (MOZ) Storchenpaare haben es immer schwerer, Nachwuchs aufzuziehen. Das Storchenjahr 2019 im Niederbarnim wird von Gerhard Meyer als "nicht gut" eingeschätzt. Der Storchenexperte beim Naturschutzbund hat 2018 noch 35 ausgeflogene Jungvögel gezählt, im laufenden Jahr sind es von Ahrensfelde bis Groß Schönebeck nur 25. Ein wesentlicher Grund ist, dass immer weniger Nahrung für sie zur Verfügung steht.

Gerhard Meyer kümmert sich seit 1978/79, früher als Storchenbeauftragter des ehemaligen Kreises Bernau, um die Lieblingsvögel der Brandenburger. Auch in diesem Jahr hat er alle Storchennester im Niederbarim während der Brutsaison im Auge behalten. Mindestens sechs Besuche pro Nest standen an. Er kontrolliert, ob die eingetroffenen Störche beringt sind, ob sie brüten und Jungvögel großziehen. So hat er in dieser Saison in Zerpenschleuse das dritte Jahr in Folge einen Altvogel angetroffen, der in Polen beringt worden ist. Auch in Weesow und Schwanebeck konnten die Ringe abgelesen werden. Die Informationen meldete Meyer der Vogelwarte.

Gefahrenquelle Stromleitung

"Auch in den zurückliegenden Jahren waren die Bedingungen für die Aufzucht des Nachwuchses schon nicht gut", sagt er. 2015 bis 2017 litten die jungen Tiere unter kalten und nassen Tagen. Sie vernässten und erfroren. Viele tote Jungstörche wurden von den Alttieren aus dem Nest geworfen.

2019 kamen die Störche im Niederbarnim Ende März bis Mitte April an. "Sie hatten mit dem sehr trockenen Frühjahr selbst zu kämpfen. Die Nahrung war auch für sie sehr knapp, um satt zu werden", berichtet Gerhard Meyer. Scheinbar hätten die Störche einen gewissen inneren Instinkt, denn nicht alle Nester wurden besetzt.

Als dann die Jungen geschlüpft waren, so Meyer, begann wie im Jahr 2018 der Kampf um die Nahrungssuche. Die Störche waren stundenlang unterwegs, um ihren Nachwuchs satt zu bekommen.

Das Brutpaar in Schwanebeck hatte keinen Erfolg, da ein Partner in einer Hochspannungsleitung ums Leben kam. Der zweite Partner musste für seine eigenen Nahrungssuche das Brüten unterbrechen. In dieser Zeit plünderten Nebelkrähen das Nest.

In Rüdnitz wurde ein Jungvogel aus dem Nest geworfen. Anwohner brachten ihn zu einer Aufzuchtstation. Mittlerweile ist das Tier flügge.

In Ruhlsdorf wurde vor dem Eintreffen der Störche  das Nest mit einem Weidenkorb ausgestattet, wurde aber nur kurz besucht und nicht angenommen. "Störche entscheiden immer selbst, wo sie sich niederlassen", sagt Gerhard Meyer. Vielleicht stellt sich 2020 der Erfolg ein. Im Niederbarnim wurden 14 Nester besetzt, 14 weitere wurden lediglich kurz besucht. Es gab elf Brutpaare mit  und drei ohne Jungvögel. Insgesamt gibt es im Altkreis Bernau 46 Storchennester beziehungsweise Nisthilfen.

Um die Ausgangsbedingungen für die Störche zu verbessern, seien eine wechselvollere Nutzung der Landschaft und vor allem feuchte Wiesen erforderlich. so Gerhard Meyer. Wie dramatisch die Situation ist, sei an abgemähten Straßenrändern zu sehen. Störche, die sich dorthin auf der Suche nach Kleingetier vorwagen, würden oft von Autos erfasst.

Bei der Beobachtung der Störche ist Gerhard Meyer für die Hinweise von Anwohnern sehr dankbar. Unzählige Telefonate seien so geführt worden. Die Kontaktnummer sind: 033398 7058 und 0171 6845857.

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