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Oldtimertage
Zehnjähriger fährt Riesentraktor wie ein Profi

Oliver Schwers / 19.08.2019, 07:00 Uhr
Schwedt (MOZ) Das Publikum muss zweimal hinschauen: Da oben in der Kanzel des großen Traktors sitzt gar keiner, und doch bewegen sich die Räder vorwärts. Dann ungläubiges Kopfschütteln. Knapp über dem Steuer erscheint der Kopf eines kleinen Jungen. "Der ist erst zehn", ruft ein grauhaariger Zuschauer am Rand der Sandstrecke. "Donnerwetter", entfährt es seinem Nachbarn im Publikum. Tatsächlich zeigt der zehnjährige Maximilian Aisch aus Kuhz, mit welcher Sicherheit ein Kind einen superstarken Schlepper über die Piste steuert. Und erfolgreicher als routinierte Maschinisten. Denn beim schwierigen Traktorpulling der diesjährigen Oder-Wiesen-Oldtimer-Days in Schwedt rollt er wieder einmal der Konkurrenz davon. Bei dem Spektakel muss ein Schlepper einen mit Gewichten beladenen Wagen über eine genau definierte Strecke ziehen. Währenddessen rutschen die Gewichte an einer Kette immer dichter an die Hinterachse heran, weshalb die Maschine immer mehr Kraft braucht und sich im Sand einwühlt. Es kommt auf sanften Umgang mit den Pferdestärken an. Klein Maximilian bewegt die Lasten sicher ins Ziel. An die Pedalen reichen seine Füße gerade so heran. Ansonsten scheint ihm die Kanzel so vertraut wie das eigene Kinderbett. "Er saß schon mit sechs Jahren auf einem Trecker", sagt sein Vater Martin Aisch. "Wir sind Landwirte, da wird man mit solchen Maschinen groß." Er selbst hat schon mit sechs Jahren einen Pferdewagen gesteuert. Später saß er auf einem russischen K 700, dem allradgetriebenen Kraftprotz aus der Sowjetunion.

Über 500 Fahrzeuge

Diese Erinnerung hat Vater Aisch nie losgelassen. Und als plötzlich in Helmstedt ein solches Ungetüm zum Verkauf stand, holte er ihn gemeinsam mit technikversessenen Freunden per Achse in neunstündiger Fahrt in die Uckermark. Beim Oldtimertreffen in Schwedt ist solch ein Gefährt natürlich einer der Hingucker. Daneben stehen in Reih und Glied vierrädrige "Kollegen" aller Typen aus vergangenen Epochen.

Mehr als 500 Fahrzeuge rollen diesmal auf das eigens hergerichtete Gelände des Oldtimer- und Technikvereins Ostuckermark. "Wir haben das ganze Jahr über gebaut und modernisiert, alles in vielen freiwilligen Stunden", erzählt Walter Kotzian. 17 Aktive zählt die Veranstalter-Truppe. "Jeder macht mit, wie er Zeit hat", erklärt Erhard Gentes.

Als Technik-Schau wollen die Oldie-Freaks ihr Treffen verstanden wissen. Das Aufgebot an wohl gehüteten Veteranen der Landstraße ist enorm. Eine ganze Parade von Zweirädern säumt den Hauptweg. Die Mopeds dürfen auf eine Beschleunigungsstrecke. Gegenüber führen Roburfreunde ausgebaute Motoren vor. Dazwischen schiebt sich bullernd ein tiefergelegter unendlich langer Ami-Schlitten zum Pkw-Platz durch. Dort warten schon Wartburg, Skoda, Mercedes und Co.

Zu sehen sind auch Kuriositäten wie ein Anhänger aus einer alten Wartburg-Karosse. Oder seltene Liebhaberstücke wie ein Tempo auf drei Rädern. Alle liebevoll bewahrt und als motorisiertes Kulturgut gepflegt.

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