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Um die 1000 Menschen hat die Kulturoffensive Strausberg für ihre Demonstration und das anschließende Fest im Kulturpark aktiviert.

Demofestival
Kulturparkfreunde setzen unüberhörbares Zeichen

Jens Sell / 19.08.2019, 10:00 Uhr - Aktualisiert 20.08.2019, 08:27
Strausberg (MOZ) Ein fröhliches Fest, das im Laufe des Tages vielleicht Tausende Strausberger und Besucher im Kulturpark zusammenbrachte, ist das Demofestival der Kulturoffensive Strausberg am Sonnabend geworden.

Am späten Vormittag zog ein langer Demonstrationszug vom Fichteplatz mit schätzungsweise 750 Teilnehmern über die Wallstraße und An der Stadtmauer zum Kulturpark. Von einem Pritschenwagen dröhnte laute Tanzmusik, doch das Schrittmaß schien eher einer Beisetzung angemessen. Dass der Kulturpark als Veranstaltungsort mit lauter Musik zu Grabe getragen werde, will das Dutzend Organisatoren um Daniel Queißner und den LinkenKommunalpolitiker Martin Schultheiß mit seinem Demofestival verhindern. Die Demonstranten und friedlich auf der Wiese Feiernden bekräftigten nachdrücklich, dass sie diesen Wunsch mittragen.

Mit ihrer Teilnahme  haben auch viele Stadtverordnete ein Zeichen gesetzt, dass sie mit dem praktizierten Antrags- und Genehmigungsverfahren für Veranstaltungen im  Kulturpark unzufrieden sind. Uwe Prinz vom Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt berichtete in seiner Begrüßungsrede im Kulturpark von seinem Ämtermarathon im Rathaus, bis er die zehn Seiten Genehmigungen für ein Kinderfest am Rande des Demofestivals beisammen hatte: "Die Mitarbeiter waren jeder für sich aufgeschlossen und hilfsbereit, aber ich bin insgesamt acht Stunden im Verwaltungsgebäude treppauf, treppab gelaufen, von einem zum anderen, bis ich fix und fertig war. Das kann nicht sein!" Er erhielt nicht nur lautstarken Beifall der Demonstranten, sondern später auch vom Kulturausschussvorsitzenden Gregor Weiß (Die Linke): "Unsere Forderung an die Verwaltung ist ganz klar: Ein Ansprechpartner für die Veranstalter, der innerhalb des Hauses alle Beteiligten einbezieht. Die Verwaltung hat einen Wettbewerb für die Weiterentwicklung des Kulturparks angeschoben, ohne dass die inhaltliche Richtung klar ist: Wohin wollen wir denn mit dem Kulturpark? 25 000 Euro sind im Haushalt eingestellt. Das Geld muss für ein Kulturkonzept für ganz Strausberg eingesetzt werden, sonst machen wir doch den zweiten Schritt vor dem Ersten." Stadtverordnetenvorsteher Steffen Schuster (UfW/Pro Strausberg) sagte: "Ich finde das hier eine tolle Veranstaltung: Das Volk sagt der Politik, was es von ihr erwartet! Deshalb freue ich mich besonders, dass so viele von meinen Kollegen Stadtverordneten hier sind und hinhören. Genauso hätte ich mich über die Verwaltungsspitze gefreut." Auch die Veranstalter hätten sich gewünscht, dass die Bürgermeisterin Flagge gezeigt hätte. "Ich bin nicht eingeladen worden", sagte Elke Stadeler auf Anfrage, "weder schriftlich noch telefonisch."

Mit einer Demonstration haben knapp 1000 Menschen ihre Forderung nach mehr Kultur in Strausberg Nachdruck verliehen. Sie zogen mit Transparenten und lauter Musik vom Fichteplatz entlang der Stadtmauer zum Kulturpark. Dort berichtete ihnen Uwe Prinz vom Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt, wie viele Anträge und Wege er im Rathaus auf sich nehmen musste, um ein Kinderfest am Rande des Demofestivals genehmigt zu bekommen. Mit ihrer Demo und dem anschließenden Festival fordern die Teilnehmer Bürokratieabbau und einfachere Genehmigungsverfahren für Veranstalter, vor allem aber den Erhalt des Kulturparks als Ort für kulturelle Veranstaltungen.
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Kulturoffensive in Strausberg

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Uwe Prinz und die Vorsitzende des Festsaalvereins Strausberg, Birgit Bärmann, haben  Besucher nach ihren Wünschen für das Kulturleben in Straus­berg befragt und die Antworten auf einer Flip-Chart aufgeschrieben. Acht Seiten kamen zusammen, die jetzt ausgewertet und zusammengefasst werden müssen. "Am 29. August wollen wir sie bei der Stadtverordnetenversammlung an die Verwaltung übergeben", kündigte Uwe Prinz an. So hätte das Rathaus eine erste Datengrundlage für ein Konzept zur Ausrichtung der Kulturpolitik der Stadt und der weiteren Entwicklung des Kulturparks.

Neue Stelle vorgeschlagen

"Die Kulturarbeit der Stadt und die organisatorische Unterstützung beim Antrags- und Genehmigungsmarathon müssen qualifiziert werden", sagt auch Steffen Schuster. Übrigens habe er für die Bearbeitung des Strausseethemas und des neuen Ausschusses im jüngsten Hauptausschuss eine neue Stelle vorgeschlagen: "Zu meiner Verwunderung ist die Bürgermeisterin darauf gar nicht eingegangen."

Von all den kommunalpolitischen Hintergrundgeräuschen bekamen die zahllosen Besucher nichts mit. Die Musik auf den Bühnen war meist lauter als das poetische Begrüßungslied von Frank Oderland: "Heimat". Darin heißt es: "Mein Herz schlägt im Akkord, ich will hier nie wieder fort."

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