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Bauwerk
Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche - Künstler fordern Umdenken

Im Zweiten Weltkrieg von Bomben getroffen, in der DDR abgerissen - wo einst die Potsdamer Garnisonkirche stand, wird ein neuer Turm gebaut. Die Kirche will am früheren Militärort ein Versöhnungszentrum einrichten.
Im Zweiten Weltkrieg von Bomben getroffen, in der DDR abgerissen - wo einst die Potsdamer Garnisonkirche stand, wird ein neuer Turm gebaut. Die Kirche will am früheren Militärort ein Versöhnungszentrum einrichten. © Foto: dpa
dpa / 19.08.2019, 12:02 Uhr
Potsdam (dpa) Künstler, Wissenschaftler und Architekten haben ein Umdenken beim Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche gefordert.

Das Projekt ziehe keinen deutlichen Trennstrich zu Kaiserreich und Nationalsozialismus und knüpfe kritiklos an die Geschichte der Kirche als zentralen Identitätsort in der NS-Zeit und der Zeit der deutschen Kolonialkriege an, heißt es in einem Offenen Brief unter anderen an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD).

Zu den Unterzeichnern gehören die Künstler Thomas Demand, Monika Bonvicini, Hans Haacke und Klaus Staeck, der Kunstsammler Harald Falckenberg, der Historiker Manfred Gailus, der Galerist Kasper König sowie die Architekten Peter Kulka, Matthias Sauerbruch und Philipp Oswalt. Der Brief ist auch an Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert gerichtet.

In der Erklärung wird der Abriss des 1991 gestifteten Glockenspiels mit seinen "revisionistischen, rechtsradikalen und militaristischen Widmungen" gefordert. Bei dem Nachbau sollte auf eine Nachbildung des Waffenschmucks verzichtet werden. In Kuratorium und Beirat der Kirchenstiftung sollten auch Vertreter von Menschrechtsorganisationen aufgenommen werden.

Der Turm der Garnisonkirche wird derzeit wieder aufgebaut. Die DDR-Führung hatte das Gotteshaus 1968 sprengen lassen. Die Stiftung will im Neubau den Geist der Versöhnung und des Friedens pflegen. Kritiker erinnern auch an den "Tag von Potsdam", als am 21. März 1933 Reichspräsident Paul von Hindenburg dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler vor der Garnisonkirche die Hand reichte.

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Ralf H. Janetschek 19.08.2019 - 15:47:32

Preußentum

Die Potsdamer Garnisonkirche war die bedeutendste Potsdamer Barockkirche; sie wurde unter dem preußischen König Friedrich Wilhelm I. von 1730 bis 1735 errichtet. Hier fand er auch seine Ruhestätte. Die Garnisonkirche mit ihrem 88,4 m hohen Turm und seinem Glockenspiel war seinerezeit ein Wahrzeichen und Symbol Potsdams. In der Garnisonkirche schlossen am 5. November 1805 Zar Alexander von Rußland und König Friedrich Wilhelm III. von Preußen einen Freundschaftspakt. Angesichts des derzeit angespannten Verhältnis zu Rußland sollte der Wiederaufbau Gelegenheit seine über eine dauerhaft Verbesserung nachzudenken. Der von den Gegnern des Wiederaufbaus immer wider angeführte Tag von Potsdam, gemeint ist der 1. März 1933, stellt in der fast 300 jährigen Geschichte der Kirche nur eine Fußnote dar. Die Garnisonkirche war, Ausdruck des Preußentums, wahrscheinlich der Hauptgrund warum der Wiederaufbau von einigen politischen Gruppen verhemt bekämpft wird.

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