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Junioren-WM Bahnradsport
Nigerianer suchen tapfer den Anschluss

Die Sportler aus Nigeria fuhren in allen Wettbewerben hinterher, aber sie hielten tapfer durch. Für ihr Training zu Hause nahmen sie viele Erfahrungen mit.
Die Sportler aus Nigeria fuhren in allen Wettbewerben hinterher, aber sie hielten tapfer durch. Für ihr Training zu Hause nahmen sie viele Erfahrungen mit. © Foto: michael benk
Kerstin Bechly / 20.08.2019, 02:15 Uhr - Aktualisiert 20.08.2019, 12:33
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Nigerianer waren ein wenig die Exoten in der Weltmeisterschaftsfamilie – sie fielen durch ihre Kleidung auf und durch ihre Tapferkeit, wie sie versuchten, mit den Fahrern der anderen Nationen mitzuhalten. Die je vier Mädchen und Jungen aus Westafrika nahmen zum ersten Mal an Weltmeisterschaften teil. Es ging nur um eins: Erfahrungen sammeln.

"Für unsere Sportler ist es so, als ob man als Grundschüler eine Universität besucht. Wir haben nichts anderes erwartet, aber wir wollen uns neue Ziele setzen", sagt der Präsident des Radsportverbandes Nigerias, Giandomenico Massari. Der gebürtige Italiener findet, es ist an der Zeit, dass das Land den Anschluss an die internationale Spitze sucht. Schon seit 1972 gibt es den Radsportverband Nigerias. In den vergangenen Jahren wurde die Talenteförderung angekurbelt. Eine überdachte 250-m-Betonbahn – gebaut vom deutschen Unternehmen Julius Berger – entstand 2003 in der Hauptstadt, genutzt wird sie erst seit Dezember vorigen Jahres. Die Gründe dafür zu erklären, würde zu weit führen, deutet Massari an. Aber er ist stolz, dass Ende Juli in Abuja der 1. Afrika-Cup im Bahnradsport mit zehn Nationen ausgetragen wurde. In den Altersklassen Junioren bis Elite holte der Gastgeber allein 21xGold, dazu 29 zweite und dritte Plätze.

"Wir haben gemerkt, dass es für uns gut läuft und wollten deshalb an den Junioren-Weltmeisterschaften teilnehmen. Wir haben extra 40 neue Räder gekauft", so Massari. Dennoch fehlte es an Equipment, halfen unter anderem die Deutschen aus. Zudem orderte Massari bei einem Frankfurter Händler Material und Rollen.

Die Nigerianer waren erst am Tag vor dem Start in die Titelkämpfe angereist, die Visen kamen sehr spät. Deshalb wurde zu Hause bis zum letzten Tag auf ihrer Betonbahn trainiert. Der Wechsel auf die Holzbahn in Frankfurt war eine kleine Herausforderung.

Training erst seit einem Jahr

In fast allen Wettbewerben fuhren die Nigerianer hinterher. Aber sie probierten aus wie Bethel Temple Okeyah, der in der Qualifikation des Punktefahrens bei der ersten Wertung mitzog und einen Punkt holte, es aber am Ende nicht ins Finale schaffte.

Eine der stärksten Fahrerinnen im Team war Mary Samuel, die beim Afrika-Cup im Sprint Zweite geworden war und im UCI-Ranking mit Rang 4 im Zeitfahren ihr bestes Ergebnis aufweist. In Frankfurt war sie in der Sprint-Qualifikation mit 13,684 Sekunden Bestzeit gefahren, im 1/16-Finale gegen die Chinesin Jing Luo ausgeschieden. "Es ist zwar meine erste Weltmeisterschaft und ich gebe mein Bestes, aber ich bin trotzdem nicht so zufrieden. Bei unseren Wettkämpfen hatte ich gute Ergebnisse erzielt. Jetzt habe ich das Gefühl, als ob ich am Anfang stehe", sagt die 18-Jährige, die erst seit einem Jahr trainiert, davon seit Dezember auf der Bahn. Aber Mary sagt auch: "Es ist sehr inspirierend, das Niveau bei Weltmeisterschaften zu erleben. Das werde ich mit nach Hause nehmen und dort anders trainieren." Verbandschef Giandomenico Massari war jedenfalls mit den ersten Tagen seiner Sportler zufrieden: "Sie fahren von Tag zu Tag besser und keiner hat aufgegeben. Mit den neuen Erfahrungen wird sich viel verändern."

Zur Radsportkleidung der Nigerianer mit ihrem gezackten grün-weißen Muster kann er eine kleine Geschichte erzählen. "Das Fußballteam unseres Landes hat voriges Jahr in Russland gespielt mit gleich gemusterter Kleidung, nur grün-schwarz. Das haben wir aufgenommen. Grün-Weiß sind unsere Nationalfarben. Die UCI hat dem Trikot zugestimmt", erzählt Massari.

Bei den ersten Weltmeisterschaften in Frankfurt (Oder) boten die Junioren-Bahnradsportler aus 48 Nationen starke sportliche Leistungen.
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Junioren-Weltmeisterschaften Bahnradsport Tag 3-5

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