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Beim diesjährigen Bernauer Sommertheater steht mit "Die Nachtigall" und "Ein irrer Duft von frischem Heu" Nachdenkliches, Amüsantes und Nostalgisches auf dem Spielplan.

Frakima-Werkstatt
Darsteller schöpfen aus dem Vollen

Klaus Kleinmann / 20.08.2019, 09:30 Uhr
Bernau (Freier Autor) Wenn die Generalprobe schlecht war, wird die Premiere gut – so orakelt man in Theaterkreisen. Nun lief die Generalprobe für das diesjährige Sommertheater der Frakima dem Vernehmen nach aber gut – und die Premiere ebenfalls, allen Orakeln zum Trotz. Das ist auch deswegen erstaunlich, weil die Stimmungslagen von Regisseurin, Angelica Bennert, die freilich unter Anspannung steht, bei ihrem Ensemble ein festes Nervenkostüm voraussetzen. Das Ergebnis war wieder einmal hervorragend, und darauf kommt es schließlich an.

Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls zeigte man Nachdenkliches, Amüsantes und ein bisschen Nostalgie. Die Jugendgruppe des Werkstatt-Theaters führte zunächst ein Märchenspiel für Erwachsene nach Hans Christian Andersens "Die Nachtigall" auf. Der Kaiser von China, überzeugend gespielt von Justin Daum, erfährt von dem wunderbaren Gesang der Nachtigall. Ein Küchenmädchen – herrlich verklemmt dargestellt von Vreda Schwonke – verhilft ihm zu ihrem Besitz. Artim Grau verleiht der Nachtigall auf elegante Art Bewegung und Sprache.

Die Lieder des Vögelchens berühren den Kaiser zutiefst, weshalb seine Hofschranzen – besonders wirkungsvoll: Lena Manke – eifersüchtig werden. Da passt es gut, dass aus Japan ein Päckchen mit einer künstlichen Nachtigall eintrifft, die auch schön singt, nur leider etwas mechanisch. Die echte Nachtigall entfleucht, der Kaiser verfällt in Depressionen und ist dem Sterben nahe, bis seine geliebte Sängerin wieder auftaucht und ihn rettet.

Kostüme vom Bauhaus inspiriert

Dem höfisch rituellen Umgangston entsprechend sind die Charaktere des Stückes eher zurückhaltend angelegt. Bei der Gestaltung der Kostüme ließ sich Roswitha Hindemith von der Formensprache des Bauhaus inspirieren. Die jugendlichen Schauspieler konnten in diesem Rahmen ohne Überforderung aus dem Vollen schöpfen und verdienten sich lebhaften Applaus.

Das Hauptstück des Abends, "Ein irrer Duft von frischem Heu" von Rudi Strahl, nahm die Zuschauer mit in ein mecklenburgisches Dorf der 1970-er Jahre. Dort geschehen nämlich Wunder. Ausgerechnet der Parteisekretär (gleichermaßen derb und pfiffig: Olaf Talabudzinow) hat das zweite Gesicht: Verlorenes spürt er wieder auf, Kranke heilt er und seine Wettervorhersagen stimmen immer. Aus der Bezirksstadt wird eine wissenschaftliche Mitarbeiterin geschickt, um diesem unsozialistischen Treiben auf den Grund zu gehen (mit allen schauspielerischen Wassern gewaschen: Christiane Boitschuk). Selbst der Vatikan schickt einen Monsignore ins Dorf (herrlich: Robby Stolle).

Dessen evangelisches Pendant, der von Bodo Schwertz stimmgewaltig und zupackend dargestellte Dorfpfarrer, fühlt sich auf den Schlips getreten. So wurstelt man sich hinreißend komisch durch das Stück, an dem Petra Stolle als aufgeregte LPG-Vorsitzende, Christa Friedrich als schlitzohrige Bäuerin, André Frost als stämmiger Knecht und – in drei verschiedenen Rollen - die temperamentvolle Maria Schwager einen wichtigen Anteil haben. Wieder illustrierten Roswitha Hindemiths Kostüme die Szenerie sehr treffend.

Verdienter Beifall für die Akteure

Das Publikum folgte der Darbietung fasziniert und spendete am Schluss den verdienten großen Beifall. Alle waren hochzufrieden, auch Regisseurin Angelica Bennert und Anja Schreier, die Leiterin der Frakima. Weitere Aufführungen folgen am 24., 25. und 30. August. Die letzte am 31. August wird mit einem Fest zum 20-jährigen Bestehen des Werkstatt-Theaters verbunden.

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