Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

"Im Garten" heißt die Erfolgsreihe, die Musikerlebnisse an besonderen Orten in Eberswalde bietet. Auch die diesjährige Ausgabe war wieder ein absolutes Zugpferd.

Festival
Lieder übers Leben und Sterben

Sven Klamann und Matthias Wagner / 20.08.2019, 10:00 Uhr
Eberswalde (MOZ) Manchmal sind es besondere Orte, die auch die Musik besonders machen. Und manchmal verbindet sich beides auf wunderbare Weise.  So wie bei der Eberswalder Reihe "Im Garten", die am Wochenende mit drei Konzerten fortgesetzt wurde.

Der Auftakt gehörte am Freitag Carmen Orlet und Hugo Dietrich im sogenannten "Schaukelgarten" an der Eichwerder Straße, der aber weit mehr als Schaukeln aller Art zu bieten hatte. Zu nennen sind drei Apfelbäume, die gerade im August mit ihrer prallen Reife wucherten, und ein Meer von Blumen. Das Pflanzenmeer strömte einen verführerischen Spätsommerduft aus, der schon ganz sacht eine Vorahnung des Herbstes in sich trug. Besonders zu vorgerückter Stunde, als es schon leicht feucht wurde.

Liedergeschichten, die an die unvergessene ostdeutsche Politikerin Regine Hildebrandt erinnerten, waren das Thema des aktuellen Programms des Duos aus Woltersdorf. Lieder und Texte von Brecht bis Gundermann zeichneten ein Bild des bewegten Lebens einer engagierten Frau, die zu keiner Zeit ein Blatt vor den Mund nahm, um existierende Ungerechtigkeiten zu benennen. Es ist der Versuch einer Annäherung an ein aufopferungsvolles Leben, das zugleich voller Liebe gewesen ist. Fordernd, witzig und streitbar wurde Regine Hildebrandt für viele zur Identifikations- und Symbolfigur der Nachwendezeit. "Was sie tat, war volksnahe Politik im besten Sinne", so Sabine Eggeling.

Für Carmen Orlet und Hugo Dietrich war die Umsetzung des Themas keine leichte Aufgabe. Jörg Hildebrandt, Ehemann der verstorbenen Politikerin, habe, ebenso wie die Kinder sehr offen zum Erfolg des Programms beigetragen, so Hugo Dietrich. Und so fand auch der legendäre Frankfurter Kranz, das Lieblingsgebäck Regine Hildebrandts, den Weg auf die Bühne.

"Ich fand die Lieder und Texte sehr klug und stimmig zusammengestellt, und auch die Idee selbst zu lesen und das Ganze mit Original-Tönen zu kombinieren war klasse", fasste die Eberswalderin Christine Arnold, selbst Chorleiterin, zusammen. Außerdem erinnerte sie sich, schon einmal mit dem Chor vor Regine Hildebrandt gesungen zu haben.

Auftritt in der Eichenkathedrale

Ums Leben und ums Sterben ging es beim zweiten Garten-Konzert, das als Sonderausgabe von Guten-Morgen-Eberswalde am Sonnabendvormittag am Waldfriedhof zu erleben war. Die Musiker Michael Zochial und Felix Kroll von der Formation "Die Grenzgänger", die sonst als Quartett zu erleben ist, hatten ihre Bühne unter riesigen Bäumen aufgebaut – neben dem imposanten Grabmal der Familie Danckelmann, das darauf hinweist, dass sich dort vor 400 Jahren eine der ersten Eberswalder Ruhestätten befunden hatte. "Viele fahren täglich an dieser Wiese vorbei, die wenigsten aber dürften sie schon bewusst wahrgenommen haben", betonte Udo Muszynski, der "Im Garten" im Auftrag der Stadt Eberswalde organisiert. Zwar sei dieser Teil des Friedhofs längst entwidmet, dennoch ströme die dort entstandene Eichenkathedrale Ruhe und Andächtigkeit aus, schwärmte Britta Stöwe vom Kulturamt im Rathaus.

"Die Grenzgänger" waren im vorigen Jahr schon einmal in Eberswalde aufgetreten. Damals beim Purpur-Fest an einem weiteren besonderen Ort, dem Forstbotanischen Garten.

Der Abschluss am Sonntagnachmittag gehörte Frank Viehweg mit seinem Zyklus "Herbsteskommen". Die Lieder nach Gedichten von Louis Fürnberg (1909-1957) widmen sich dem Herbst als Jahreszeit wie auch dem sprichwörtlichen Herbst des Lebens. Austragungsort war der Garten von Andreas Walther und Ines Krieger am Paschenberg.

Um das Werk von Louis Fürnberg ist es in den letzten Jahren ruhig geworden. Kaum jemand nimmt noch Kenntnis davon. Im besten Falle erinnert man sich an das "Lied der Partei" (1949). Kaum jemand weiß jedoch, das mit dem Dichter im Puhdyshit "Alt wie ein Baum" (1976) Louis Fürnberg gemeint ist, auf dessen Gedicht sich der Titel bezieht.

Frank Viehweg verstand es sehr einfühlsam, die poetisch-melancholische Stimmung der Gedichte musikalisch einzufangen und zu transportieren. Vor der Kulisse des verträumt zugewachsenen Gartens verfehlte das seine Wirkung bei den zahlreich erschienenen Gästen nicht.

"Vieles ging mir sehr nahe", gestand Elisabeth Schaaf. Die Eberswalderin hatte alle drei Konzerte besucht und war jedes Mal begeistert.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG