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Debatte im Jacobsdorfer Bau- und Finanzausschuss flammt wieder auf.

Energiewende
Neuer Windpark muss warten

Bereits in Betrieb: Der Windenergiepark "Odervorland"  in Jacobsdorf soll erweitert werden.
Bereits in Betrieb: Der Windenergiepark "Odervorland"  in Jacobsdorf soll erweitert werden. © Foto: Patrick Pleul
Uwe Stemmler / 20.08.2019, 10:00 Uhr
Jacobsdorf Wenn man das alles liest, ist man ja nach zehn Seiten schon besoffen, ohne etwas zu trinken", sagte Detlef Gasche (Unabhängige Bürger) in der Sitzung des Bau- und Finanzausschusses der Gemeinde Jacobsdorf. Es ging um die Abwägung zum neuen Bebauungsplan "Windpark Jacobsdorf". Das Thema hat schon zu vielen Versammlungen, Diskussionen geführt. Die Windkraft hat die Gemeinde gespalten, so wie es der finanzielle Nutzen tat.

Bereits 36 Mühlen drehen sich zwischen Sieversdorf, Petersdorf, Jacobsdorf und Pillgram, das Repowering läuft, alte Anlagen wurden durch neue, höhere ersetzt.  Laut dem neuen Teilregionalplan "Windenergienutzung" soll nun der bestehende Windpark östlich und südöstlich erweitert werden. Selbst das Landesamt für Umwelt sieht das kritisch und fordert in seiner Stellungnahme unter anderem: "Vor dem Hintergrund der starken Vorbelastung der Standorte … durch den vorhandenen Windpark sind im Rahmen der Umweltprüfung Immissionsprognosen zu Schall und Schattenwurf zwingend vorzulegen."  Wer sich diese Belastung als Außenstehender nicht vorstellen kann, sollte sich mal bei windigem und sonnigem Wetter auf dem Radweg von Sieversdorf nach Petersdorf bewegen. Ein sehr tiefes Brummen ist ständiger Begleiter, das ist der Infraschall, den die Flügel der Rotoren verursachen. Zudem scheint, bei entsprechendem Sonnenstand, unablässig jemand zu überholen – das ist der Schlagschatten der drehenden Windräder. Etliche Einwohner, die diese Belastungen nicht nur kurz auf dem Radweg, sondern täglich zu Hause erleben, haben in den vergangenen Jahren ihre Sicht auf die Dinge geschildert und protestiert. Aber die Energiestrategie des Landes obsiegt, ein weiteres 192 Hektar großes Plangebiet kommt nun noch hinzu. "Ohne Wind geht die Energiewende nicht", erklärte Heinrich Lohmann bereits nach der letzten Diskussion im Gemeinderat im März. Er ist einer der Investoren.

Doch die Gemeinde will dabei jetzt ein Wörtchen mitreden, und zwar mit Hilfe des Bebauungsplanes (B-Plan). Der Weg seiner Erarbeitung ist allerdings lang. Christin Parz vom Büro "Gruppe Planwerk" stellte ihn vor. Bereits Ende 2017 wurde mit der Aufstellung begonnen, Anfang 2018 folgte eine frühzeitige Beteiligung, auch Anwohner konnten sich äußern. Eine erste Überarbeitung folgte, Ende 2018 wurde diese zur förmlichen Beteiligung gebracht, bei der alle zuständigen staatlichen und nichtstaatlichen Stellen zur Stellungnahme aufgefordert werden. Es gab etliche Änderungen, der neue Entwurf wurde im März den Gemeindevertretern vorgelegt, danach war erneut, von April bis Juni, eine förmliche Beteiligung notwendig. Jetzt sollten am 29. August von der Gemeindevertretung die Einwendungen aller Stellen abgewogen und danach die Satzung beschlossen werden. Die erhält dann der Kreis, um den Plan drei Monate lang zu prüfen und gegebenenfalls zu genehmigen. Erst dann darf gebaut werden.

Planwerk mit 185 Seiten

Das dazu von "Planwerk" erarbeitet Papier hat 185 Seiten und bewegte Gasche zu der markanten Äußerung. Christin Parz gab sich redlich Mühe, das Planwerk zu erläutern, zumal zum B-Planverfahren noch weitere Verfahren nach Bundesimissionsschutzgesetz (BImSch-Verfahren), laufen, und ein Laie kaum versteht, worin der Unterschied besteht.  Fakt ist aber, dass sich seit der Vorstellung des B-Planes im März laut Parz einiges im Interesse der Anwohner geändert hat. Unter anderem wurde die Zahl der Windanlagen von 15 auf maximal 11, die Höhe von 300 auf maximal 244 Meter reduziert. Der Abstand zum Siedlungsgebiet muss mindestens 1000 Meter betragen – im Regionalplan sind nur 800 Meter vorgesehen. Allerdings hatten einige Kommunalpolitiker 1500 Meter gefordert.

Beratung am 5. Dezember

Rommy Nitschke von einem weiteren Planungsbüro, das die Umweltbelange untersuchte, legte dann dar, welche Ausgleichsmaßnahmen anstehen. Unter anderem sollen Ackerland in Grünland umgewandelt und ehemalige Fischteiche reaktiviert werden, um den Weißstörchen außerhalb des Windparks neue Flächen anzubieten.  Die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch die 244 Meter hohen Anlagen soll eine Obsthecke ausgleichen. Zum Schall und zu den Schlagschatten erklärte Nitschke, dass die Einhaltung der vorgegebenen Richtwerte "technisch möglich" sei, zum Bespiel durch Abschalten, wenn die täglich erlaubte Dauer der Belastung überschritten wird.

Trotz der umfangreichen Erläuterung baten sich die Abgeordneten noch Zeit aus, um das vorliegende Material zu studieren. "Sechs Abgeordnete sind neu in der Gemeindevertretung, sie müssen sich erst einarbeiten. Es ist deshalb nicht verantwortbar, über den Abwägungs- und Satzungsbeschluss bereits in der Sitzung am 29. August zu entscheiden", erklärte Bürgermeister Peter Stumm. Der Ausschuss plädierte am Ende dafür, das Thema erst am 5. Dezember auf die Tagesordnung zu setzen.

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