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Bürgermeisterwahl
Heiße und kontroverse Diskussion

Vernünftige Streitkultur: Redaktionsleiterin und Moderatorin Claudia Duda hatte kein Problem, die intensive Diskussion zu leiten. Dafür sorgten – neben dem Publikum – Michael Jonas (links), Olaf Bechert (Dritter von links) und Robert Philipp (rechts).
Vernünftige Streitkultur: Redaktionsleiterin und Moderatorin Claudia Duda hatte kein Problem, die intensive Diskussion zu leiten. Dafür sorgten – neben dem Publikum – Michael Jonas (links), Olaf Bechert (Dritter von links) und Robert Philipp (rechts). © Foto: Matthias Henke
Thomas Pilz / 21.08.2019, 17:40 Uhr - Aktualisiert 21.08.2019, 18:59
Fürstenberg (MOZ) Es wurde der erwartete Schlagabtausch vor allem zwischen dem Amtsinhaber Robert Philipp (parteilos) und seinem Kontrahenten Olaf Bechert (CDU) – das Wahlforum der Gransee-Zeitung am Dienstagabend in der voll besetzten Bornmühle hielt, was es versprach und ließ inhaltlich keine Wünsche offen.

Ein Großteil der Themenpalette städtischer Problemfelder wurde angesprochen.

Zuzug junger Familien

Michael Jonas erklärte dazu. "Die Stadt sollte ein Freund der Schule sein", denn die Drei-Seen-Schule werde von der Kommune aus seiner Sicht vernachlässigt, sei aber quasi der Schlüssel für den Zuzug junger Familien. Außerdem müsse das Problem des Lkw-Verkehrs auf der Ortsdurchfahrt geklärt werden.

Bechert und Philipp waren im Punkte lästiger Lasterverkehr einer Meinung mit Jonas. "Aber wir sollten die Stadt insgesamt nicht schlechter reden, als sie ist", erklärte der Bürgermeister. Gäste der Stadt würden immer wieder betonen, "wie schön und aufgeräumt" Fürstenberg sei. Philipp merkte an: "Manchmal gibt es ein übertriebenes Jammern." Grundstücke sollten baureif geplant werden für Zuzügler. Etwa die Feldbäckerei. Wenn man mit Familien und Kindern punkten könne, sei auch eine bessere Schulsituation beim Land und Kreis einforderbar.

A und O für die Ansiedlung junger Familien mit Kindern ist nach Überzeugung von Olaf Bechert dagegen die Frage, wie von der Stadt die Bildungslandschaft gestaltet wird.  "Viele siedeln sich in Gransee an, weil dort sogar ein Gymnasium existiert", so Bechert. Wenigstens eine weiterführende Schule müsste in Fürstenberg etabliert werden. "Das sind dicke Bretter, aber die muss man beharrlich bohren", betonte Bechert. Im Übrigen habe sich der Granseer Siemens-Schulleiter Dr. Reinhard Witzlau kürzlich zu einer möglichen Filial-Lösung seiner Schule in Fürstenberg geäußert. "Er ist zu Gesprächen bereit", so Bechert. Überdies seien die Schulbezirke neu zuzuschneiden.

Robert Philipp erwiderte, es falle in Wahlkampfzeiten leicht, Forderungen aufzumachen und etwas zu versprechen. So sitze Bechert im Kreistag, er habe den aktuellen Schulentwicklungsplan (SEP) mitzuverantworten. "Und der sagt, es gibt keine Notwendigkeit für eine weiterführende Schule in Fürstenberg", so Philipp, der mehr Ehrlichkeit einforderte. Bechert gab kontra: "Dieser Plan ist kein Gesetz und in Stein gemeißelt, er kann geändert werden." Er verwies auf einen weiteren Konflikt der Daseinsvorsorge, den Ärztemangel im ländlichen Raum und lenkte das Augenmerk auf die in Vorbereitung befindliche Ärzte-Ansiedlungskampagne des Mittelzentrums, um jungen Ärzten das Leben auf dem Lande attraktiv zu machen.

Öffentlicher Nahverkehr

Michael Jonas erklärte, die Probleme gerade älterer Menschen auch in den Ortsteilen seien ihm nicht fremd. Um den Alten bei der Bewältigung langer Wege zu helfen, biete er ein Mobilitätskonzept. Bechert zeigte sich gewiss, auch in der von Vielen als mangelhaft beschriebenen aktuellen Situation beim Nahverkehr, könne man mit politischem Handeln einiges erreichen. "So wie bei der maroden L 214, deren Sanierung kommendes Jahr endlich losgeht", so Bechert. Dringend notwendig sei etwa eine Taktverdichtung des RE 5.

Philipp warb dafür, das Land sollte den Grundzentren den Betrieb eines eigenen ÖPNV ermöglichen. "Es ist nach meiner Überzeugung ohnehin ein Fehler des Landes gewesen, lediglich in Planungseinheiten zu denken und Zentren zu fördern", so der Bürgermeister. Zumal Mittelzentren nicht das Optimum seien. Fürstenberg zum Beispiel könnte ein eigenes "grundfunktionales Schwerpunktzentrum" bilden, dann könne man mehr bauen. Auch das Prinzip der Nachbarschaftshilfe, etwa mit einem Fahrdienst für Bürger, die nicht mobil sind, wie in Ringsleben, sollte ausgebaut werden, um den ÖPNV zu ergänzen. Er lobte den Bürgerbusverein in Gransee.

Problem der Uferwege

Die Fürstenbergerin Sabine Hahn hatte das Thema schon im Vorfeld schriftlich formuliert. Dass aber die Idee schöner Uferwege gescheitert sei, daran erinnerte der Bürgermeister – "aber wir haben ja viel Wasserzugang". Bei der Planung eines Wohngebietes "Feldbäckerei" werde sicher auf Uferwege geachtet, so Philipp, der anmerkte, die Eigentümer seien bereit zu verkaufen, "aber der Preis ist inakzeptabel".

Michael Jonas betonte: "Wir heißen Wasserstadt, aber wir brauchen mehr Wasserzugänge."  Außerdem eine öffentliche Slipanlage. Bechert warb dafür, Besuchern attraktive Sichtachsen zum Wasser zu ermöglichen. Abgesehen davon müsse "das touristische Leitsystem von der Stadt endlich zu Ende gebracht werden". Die frühere Bürgermeisterin Gudrun Appel legte den Finger in die offene Wunde der Vermarktung des Schlosses und fragte, wie es dabei weitergeht. Olaf Bechert meinte, es sei nach 13 Jahren nun an der Zeit, mit dem Eigentümer über Modalitäten zu sprechen, wie man das Objekt für einen Verkauf bewerben könnte.

Robert Philipp kündigte an, er wolle "als Bürgermeister überall auf Terminen das Schloss ansprechen". Der Eigentümer habe sich seit 2006 redlich bemüht.

Jonas merkte an, es gebe in der Kommune ja auch andere leer stehende Immobilien. "Die Stadt verhält sich bei der Vermarktung zu passiv", sei sein Eindruck.

Für Ältere sorgen

Neustart-Chef Norbert Schröder fragte, was mit den Älteren sei, die etwa aus den Dörfern in die Kernstadt ziehen wollen. Das dafür geeignete Projekt "Ausbau des Hauses Friedrich-Wilhelm-Straße 4" sei gerade von einigen Fraktionen im Parlament lange Zeit blockiert worden. Michael Jonas plädierte dafür, generell mehr Wohnraum zu schaffen. Olaf Bechert sagte, man könne nicht ernsthaft davon reden, dass eine sanierte Friedrich-Wilhelm-Straße 4 Probleme vieler Ruheständler gelöst hätte, nur eine geringe Anzahl von Mietparteien werde davon profitieren. "Ursprünglich war das Projekt den Kritikern einfach zu teuer", begründete er die vor fünf Jahren ablehnende Haltung auch der CDU-Fraktion. Fakt sei aber, von großem Vorteil wäre eine Wohnstätte, die ein Mehrgenerationenhaus darstelle. "Für solch eine Idee sollten Partner gefunden werden", sagte Bechert.

Defizite in der Planung?

Lutz Wilke, der Himmelpforter Ortsvorsteher (Allianz für Fürstenberg und Ortsteile), beklagte, dass sich in dem Kloster- und Weihnachtsdorf zwar nicht wenige potente Zuzügler aus der Ferne ansiedeln. Einheimische hätten aber kein Bauland zur Verfügung. Robert Philipp verwies auf das restriktive Planungsrecht in Brandenburg, Jonas warb für ein Netzwerk der Ortsvorsteher, Bechert stellte auch für Himmelpfort einen Planungsrückstand fest, der zu korrigieren sei.

B 96-Ortsumgehung

Sowohl Philipp als auch Bechert sprachen sich auf Nachfrage für die Westvariante einer B-96-Umfahrung aus. Jonas mochte sich nicht festlegen – wichtig sei in jedem Falle, dass der Lkw-Verkehr aus der Stadt komme.

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Quadratkilometer – so groß ist die Stadt Fürstenberg/Havel, die in ihren acht Ortsteilen lediglich über 5 900 Einwohner verfügt (Stand Anfang 2018).⇥kürzel

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