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Orgel trifft Stummfilm
Ein Filmerlebnis der besonderen Art

Orgel trifft auf Stummfilm. Ein besonderes Erlebnis in der St. Gotthardtkirche. Die Zuschauer konnten den Film auf einer großen Leinwand verfolgen.
Orgel trifft auf Stummfilm. Ein besonderes Erlebnis in der St. Gotthardtkirche. Die Zuschauer konnten den Film auf einer großen Leinwand verfolgen. © Foto: geh
Erhard Herrmann / 02.09.2019, 15:30 Uhr
Brandenburg Orgel trifft auf Stummfilm – zu diesem besonderen Erlebnis wurde am Samstagabend in die St. Gotthardtkirche geladen. Einer der besten deutschen Orgelimprovisatoren traf dabei auf einen der bedeutendsten deutschen Filmregisseure der Stummfilmära.

Friedrich Wilhelm Murnau  drehte 1926 der Stummfilm "Faust". Ihm gelang die optische Umsetzung des "Faust-Stoffes" brillant. Das Spiel mit Licht und Schatten beherrscht Murnau wie kein anderer. Vor allem in den Anfangs- und Schlussbildern des Films, in denen die Atmosphäre der mittelalterlichen Stadt heraufbeschworen wird, gelangen Murnau einprägend. Für die mimisch und gestische perfekte Spielkunst der Protagonisten lieferte die Livemusik die dritte Ebene für einen außergewöhnlichen Kinonachmittag.

Wolfgang Seifen spielt an der Schuke-Orgel fesselnde Musik. Dolby-Surround-Sound vermisste dabei wohl keiner. Der Organist ist Professor für Improvisation und liturgisches Orgelspiel an der Universität der Künste in Berlin. Aufgrund seiner Stellung und Verdienste wurde er vor 15 Jahren zum Titularorganisten der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin berufen. "Man muss immer wieder einzelne Akzente setzten und quasi sekundengenau auf die Situation auf der Leinwand reagieren", beschreibt Wolfgang Seifen die Herausforderung. Zu diesem Zweck hat der Organist einen kleinen Bildschirm an der Orgel. Darauf konnte er den Film verfolgen und seine improvisierte Filmmusik in bester Stummfilm Tradition spielen, während für die Besucher der Film auf großer Leinwand im Kirchenraum gezeigt wurde. Genau wie Murnau der mit seinem "Faust" die Grenzen des machbaren der visuellen Effekten ausreizte variierte Wolfgang Seifen mit den unzählbaren Klangmöglichkeiten der Schuke Orgel. Er spielte mit den leisen Tönen und den Zwischentönen.

Manchmal setzte er die Töne bewusst sparsam ein, bot für die Zuhörer ruhige Möglichkeiten den Film zu verfolgen und um Luft zu holen um dann die Schlüsselszenen mit wuchtigen Klängen  zu untermalen. Für alle ein besonderes Erlebnis, das von der Freimaurer Loge "Friedrich zur Tugend" Brandenburg, des Lions Clubs Brandenburg und des Rotary Clubs Brandenburg ermöglicht wurde. Die Einnahmen kommen der Wagner-Orgel in der Sankt Katharinenkirche zu Gute.

Inzwischen ist die Hauptorgel fast fertig restauriert. Leider kann die Zulieferfirma die Spieltische der Orgel erst verspätet liefern und dies bedeutet eine Verzögerung der Fertigstellung. Zudem kommt eine Kostensteigerung um ca. 50000 Euro hinzu. Das Einweihungsfest ist nun vom 12.- 14. Juni 2020 geplant.

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