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Die Berliner Jazzgruppe Anzio gab mit markigen Klangcollagen den Ton vor.

Konzert
Der Kulturbahnhof bebt, das Publikum schwebt

Runder Sound: Die Musiker von Anzio präsentieren Funk, Swing und Latin.
Runder Sound: Die Musiker von Anzio präsentieren Funk, Swing und Latin. © Foto: Heribert Rustige
Klaus Kleinmann / 03.09.2019, 08:15 Uhr
Biesenthal (Freier Autor) Ein Sommerabend im klimageschädigten Brandenburg kann sehr, sehr heiß sein. Geht es noch heißer? Jawohl, es geht – die Berliner Jazzgruppe "Anzio" bewies es, als sie im Kulturbahnhof Biesenthal ihre markigen Klänge zum Besten gab.

Diese musikalischen Temperaturen wurden als ausgesprochen angenehm empfunden: Schon von Anfang an spendete man begeisterten Applaus für die Einlagen der Solisten und für die Stücke als Ganze. So heizte man der Band noch weiter ein. Kein Wunder, dass die Musiker als einzige im Saal richtig ins Schwitzen kamen. Reiner Pruchnik, der Saxophonist, bestätigte das in der Pause: Wenn einem während eines komplizierten Solos ein kalter Schweißtropfen in Zeitlupe den Rücken hinunterläuft, so sagte er, könne das die Konzentrationsfähigkeit durchaus auf eine ernste Probe stellen.

Diese Probe wurde aber von den Akteuren mit Bravour bestanden. Kleine Dissonanzen gehören sowieso zum Jazz und würzen das Klangerlebnis, aber das Zusammenspiel klappte reibungslos und die vertrackten Soli und Bläserduette gelangen atemberaubend gut. Schlagzeug (Jörg Liesegang) und Bass (Andreas Glasow) lieferten dazu eine sehr solide, aber unaufdringliche Grundlage, während Hartmut Falkenberg am Keybord mit den Bläsern aufmerksam kontrapunktierte. So entstand ein runder, satter Sound, dem auch am Kulturbahnhof vorüberfahrende Züge nichts entgegenzusetzen hatten.

Das Programm bestand aus einer gelungenen Mischung verschiedener Jazz-Stilrichtungen: Funk, Swing und Latin, außerdem Anklänge von Free-Jazz bei einem Potpourri aus drei Stücken von Eric Satie. Sehr verhaltene Passagen entwickelten sich hier zu wilden, teilweise bewusst kakophonen Abschnitten, um dann wieder in versöhnliche, eingängige Phasen überzugehen. Der Posaunist Christian Neumann rezitierte dazu – en français, bitte sehr – Originaltexte von Satie und setzte damit noch weitere surreale Sahnehäubchen auf die Klangcollage.

Der Kulturbahnhof bebte, der Kulturbahnhof schwebte - und mit ihm bebte und schwebte das hochzufriedene Publikum.

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