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Nachdem die Magistrale einen Monat einspurig befahrbar war, ist sie nun wieder für drei Wochen gesperrt. Grund ist die falsche Fahrbahndecke.

Baustelle
Falsches Pflaster in der Magistrale verlegt

Die Gebrauchsspuren auf dem neuen Pflaster sind nicht zu übersehen: Abgesackte Steine und Reifenspuren. Der Gleismittelabstand musste für Busse erweitert werden, weil die Haltestelle ursprünglich nur für die Straßenbahn gebaut wurde.
Die Gebrauchsspuren auf dem neuen Pflaster sind nicht zu übersehen: Abgesackte Steine und Reifenspuren. Der Gleismittelabstand musste für Busse erweitert werden, weil die Haltestelle ursprünglich nur für die Straßenbahn gebaut wurde. © Foto: Gerrit Freitag
Jan-Henrik Hnida / 03.09.2019, 19:50 Uhr - Aktualisiert 04.09.2019, 06:33
Frankfurt (Oder) (MOZ) Für Rad-, Auto- und Lkw-Fahrer war es ein kurzes Vergnügen. Für gut einen Monat konnten sie einspurig die Karl-Marx-Straße in Richtung Slubicer Straße passieren; geradeaus durchfahren und rechts abbiegend.

Nachdem der Abschnitt wegen dem Bau der barrierefreien Haltestelle zuvor bereits vier Monate gesperrt war, ist er es nun wieder für drei Wochen. Denn: Die neue Pflasterung ist Murks. Bereits schon jetzt sind Pflastersteine abgesackt, schwarzer Reifenabrieb ziert die helle Oberfläche. Die Fahrbahndecke auf der östlichen Seite der Haltestelle, die im September in Verbindung mit der Asphaltierung der westlichen Fahrbahn erfolgen soll, ist schon jetzt dermaßen abgenutzt, dass sie wieder raus geholt werden muss.

Steine sollen in Gehwege

"Schon nach der ersten Woche haben wir die starken Abnutzungen entdeckt", sagt Andreas Rein vom städtischen Projekt- und Flächenmanagement. Die zuständige Betonfirma sei mit ihm vor Ort gewesen. "Sie haben uns bescheinigt, dass wir alles richtig gemacht haben", erzählt Rein. Die Firma verstünde auch nicht, wodurch die Pflasterung so stark abgenutzt worden sei. Die Steine seien für eine Verkehrsbelastung, wie auf der Magistrale, geeignet.

Nach vierwöchiger Beobachtungszeit zog Rein nun die Reißleine. "Ich musste jetzt nochmal sperren, da, technologisch bedingt, nur Schwarzdecke den Belastungen Stand hält", erläutert er das Herausreißen der Steine und das Aufbringen von Asphalt. Die Entscheidung für die Pflastersteine der Betonfirma – sowohl für Straße als dann auch für Gehwege – sei nach einem Wettbewerb, den die Stadt ausgeschrieben hatte, gefallen.

Drei Jahre lange Planungszeit seien für das "Denkmal" Karl-Marx-Straße aufgewendet worden, sagt  Baudezernent Jörg Gleisenstein (Grüne). Dabei seien für den Umbau absichtlich die Steine dunkler und dicker gewählt worden, erzählt er. Der einmonatige Praxistest aber zeige: "Der Bauhof hätte zukünftig einmal pro Woche die Pflaster-Fugen wieder auffüllen müssen", so Baudezernent Gleisenstein.

Frankfurt zähle zu den ersten Städten, die das Pflaster in einer hochbelasteten Fahrbahn eingebaut haben, betont Rein. Der Hersteller habe in schriftlichen Protokollen bestätigt, dass der Baubetrieb bei der Bepflasterung alles richtig gemacht habe. Klar sei die Situation nicht ideal, aber die jetzt geplante Asphaltierung unter diesen Umständen im Sinne der Wirtschaftlichkeit. Das Pflaster soll nun in die Gehwegbereiche der Magistrale untergebracht werden. "Logisch kostet das Rausholen extra", sagt Rein. Aber die Schwarzdecke sei günstiger in Einbau und Unterhaltung.

Zum 2. Mal neue Pflasterung

Die Stadt steht in Verhandlungen mit dem Betonunternehmen – möglicherweise erhält sie einen Rabatt für die abgenutzten Pflastersteine. Die Gewährleistungsansprüche der Stadt liegen dann auf den neuen Asphaltdecken.

Nach Informationen der MOZ ist es nicht das erste Mal, dass das neue Pflaster wieder entfernt werden muss. "Der Subunternehmer hat die Steine beim ersten Mal schlecht verlegt", antwortet der Projektverantwortliche. Der zuständige Bauleiter stoppte die weiteren Fahrbahnarbeiten; kostenneutral seien die Steine wieder raus genommen worden.

Ein Experte wird nun nachprüfen, ob der Einbau des Pflasters korrekt durchgeführt worden sei, so Gleisenstein. Bezüglich möglicher Mehrkosten verweist er auf die Wiederverwendung im Gehweg- und Parkplatzbereich in der Magistrale. "Konkrete Zahlen werden wir erst in der Endabrechnung haben."

Also rollen an der neuen Haltestelle in den nächsten Wochen erneut nur Busse vorbei. Die Ausfahrt aus der Kleinen Oderstraße in Richtung Słubicer Straße ist weiter möglich. Bis zum autofreien Sonntag am 21. September sollen, laut Stadtverwaltung, die beiden Fahrbahnen an der barrierefreien Haltestelle mit Schwarzdecke überzogen – und dann auch für die Öffentlichkeit wieder befahrbar sein.

Kommentar: Pfusch am (Straßen-)Bau

Aller guten Dinge sind drei. Frei nach diesem Motto scheint es auch beim Bau der modernen Haltestelle in der Karl-Marx-Straße zuzugehen. Beim Prestigeprojekt der Stadt reiht sich mit seiner erneuten Verzögerung eine Panne an die andere. Ja, historische Mauer- und Kellerreste unter der Magistrale sind ein Fall für Archäologen und Grund genug, um die Bauarbeiten zu stoppen. Beim zweiten Mal verlegte ein Subunternehmen das neue Pflaster an der barrierefreien Haltestelle schlecht. Und zu guter Letzt nun eine falsche Bepflasterung, die sich nach einwöchiger Benutzung bereits als unbrauchbar, weil zu abgenutzt erwies. Da packt sich so mancher Frankfurter nur an den Kopf. Wie kann so etwas passieren? Haben sich die Stadtplaner bei ihrer jahrelangen Beratung keinen reinen Wein hinsichtlich dieser Bepflasterung einschenken lassen? Dass die abgenutzten Platten für weniger belastete Flächen – wie beispielsweise für Gehwege und Parkplätze – wiederverwendet werden sollen, ist in dieser Situation nun wenigstens eine interessante Idee. Andererseits kann man nur zu gut die vielen genervten Autofahrer verstehen, die nun mal wieder im Berufsverkehr rund ums Stadtzentrum feststecken. Das nächste Mal, bitte, keine (Bau-)Experimente mehr.⇥Jan-Hendrik Hnida

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Ralf H. Janetschek 05.09.2019 - 23:01:35

Fußgängerzone

Wie eine Fußgängerzone in einer Kleinstadt funktionieren kann gern in Wriezen beobachtet werden, nicht nur verkehrsbefreit, die Geschäfte sind auch weg, sozusagen Friedhofsruhe.

Mathias Klein 05.09.2019 - 22:03:16

Warum wird jetzt der Fehler bei der Stadt gesucht?!

Wenn der Hersteller der Steine bescheinigt, dass diese eine solche Belastung aushalten sollen, dann wird man doch wohl davon ausgehen können, das dem in der Praxis auch so ist. Warum der Herr Jan-Hendrik Hnida nun die Schuld bei der Stadt sucht weiß er wohl nur selbst, hat vielleicht aber auch mit seiner ideologischen Einstellung zu tun. Ich hoffe, dass die Stadt rechtliche Schritte prüft. Die genervten Autofahrer sollen sich nicht so haben, die Magistrale gehört eh verkehrsbefreit, um den lokalen Händlern und Restaurants eine Fußgängerzone zu bieten, die von den Frankfurtern gern angenommen werden würde. Der Verkehrslärm hat schon immer jede Lust zum Schlendern in stinkender Luft erstickt. Schade, dass die Chance zum Komplettumbau der Karl-Marx-Straße nicht genutzt wurde, um das Stadtzentrum Fuß- und Radfahrergerecht anzupassen. DAS wäre moderne und progressive Verkehrspolitik gewesen.

Hendrik Haucke 03.09.2019 - 23:07:41

Erst Denken dann Handeln

Das es passiert das die Steine nicht lange durchhalten war schon vor den Einbau klar. Man muß nur auf den Dresdner Platz schauen um zu Wissen wie es einmal Aussehen wird. Es ist doch logisch wenn am Tag ein 20 Tonnen Bus nach dem andern über die Steine fährt was dann passiert. Warum die Straße überhaupt nach oben gelegt wurde und so mehr Kosten beim Bau entstanden ist mir noch ein Rätsel. Denn diese Haltestelle ist eigentlich eine Insel so wie am Brunnenplatz wo an beiden Seiten ein Behindertengerechter Zugang gewährleistet ist. Mit den Steinen die man nun ausbaut sollte man mal Logisch Nachdenken und damit die Haltestelle Topfmarkt pflastern die Ja auch noch Behinderten Gerecht ausgebaut werden muß. Es kann nur eine Haltestelleninsel werden und dafür ist das Pflaster gut geeignet und ausreichend vorhanden. Hätte man vorher das Gehirn eingesetzt und mal Baufirmen befragt dürfte eigenlich so etwas nicht passieren.

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