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Ehrenamt
Die fleißigen Helfer vom Arbeitslosenservice

Burkhard Keeve / 04.09.2019, 05:30 Uhr - Aktualisiert 04.09.2019, 10:47
Oranienburg (MOZ) Sie sind über 60, haben Energie und Zeit, die sie nicht vertrödeln, sondern mit Sinn füllen wollen. Insgesamt 20 Frauen und Männer engagieren sich aktiv und freiwillig beim Oranienburger Arbeitslosenservice "Horizont". Sie packen Kisten mit Lebensmitteln, nähen, backen, kochen, sammeln Waren ein, bedienen und sortieren Kleider in der Fundgrube. Vier von ihnen stellt unsere Zeitung stellvertretend für alle ehrenamtlichen Helfer vor.

Irene Tober, 66 Jahre, aus Oranienburg: Sie ist seit Februar Mitarbeiterin der Fundgrube. Sie hat in dieser Zeitung gelesen, dass Helfer gesucht werden. Helfen, das liegt ihr. Vorher hat sie drei Jahre lang in einer Senioren-WG Sport gemacht mit den alten Leuten, ging mit ihnen spazieren, kaufte ein für sie. "Doch nach und nach sind alle gestorben. Das ging mir zu sehr ans Herz", sagt Irene Tober. Also schaute sie sich nach etwas anderem um. "Ich wollte nicht nur rumsitzen oder Radfahren, was ich zwar gern mache, aber so viel Radfahren kann man auch nicht." In der Fundgrube fand sie eine Aufgabe. "Ich fühle mich wohl dabei, wenn ich anderen helfen kann." Die ehemalige Verwaltungsangestellte mag es, auf die Menschen zuzugehen und anzupacken.

Gabriele Bormeister, 62 Jahre, aus Hohen Neuendorf: Sie ist bereits seit Juni 2018 in der Fundgrube im Einsatz. Einmal in der Woche ist sie in der Strelitzer Straße 5 bis 6 dabei, und wenn Not am Mann ist – auch öfter. "Und es ist oft Not", sagt die Leiterin der Einrichtung Viola Knerndel. Gabriele Bormeister mag es, näher Kontakt zu ihren Kunden in der Fundgrube aufzubauen. Es geht ihr ums Zwischenmenschliche. Sie fragt nach, interessiert sich, wenn jemand mal länger nicht da war. Besonders die Geflüchteten, die immer mittwochs als Tafel-Gäste auf dem Hof des Arbeitslosen-Service sind, liegen ihr am Herzen. "Wie klappt es mit der Sprache, haben sie einen Job? Ich versuche, sie zu unterstützen", sagt die 62-Jährige, die 30 Jahre als Gemeindepädagogin für die Kirche arbeitete. Privat kümmert sie sich zusammen mit ihrem Mann um einen Afghanen, begleitet ihn zu Behörden, spricht Deutsch mit ihm. "Das so wichtig." Für viele sei die Fundgrube auch ein Ort, einmal Probleme loszuwerden. "Ich höre ihnen einfach zu."

Hubertus Bergmann, 66 Jahre, Oranienburg: Im Januar hatte er in der Zeitung gelesen, dass die Oranienburger Tafel Fahrer sucht. Jetzt ist er an zwei Tagen in der Woche jeweils für vier Stunden unterwegs und sammelt Lebensmittelspenden ein. Als Bauingenieur und für eine Softwarefirma war er sein ganzes Arbeitsleben viel in der Welt unterwegs. Jetzt ist sein Radius regionaler, genauso wie er es sich gewünscht hat. "Ich treffe auf viele Menschen, sitze nicht hinterm PC oder zu Hause herum, sondern bewege mich und helfe." An seinem linken Handgelenk hat er einen Schrittzähler. "Hier komme ich auf 12 000 Schritte." Auch wenn die Arbeit körperlich schwer sei, sie gefällt ihm. Er fühlt sich nützlich und gut dabei.

Wolfgang Sucker, 64 Jahre, Oranienburg: 2018 ging er nicht nur in den Ruhestand, sondern zog auch zur Tochter und Enkelin nach Oranienburg. Wolfgang Sucker ließ sein altes Leben hinter sich. "Ich hatte hier aber null Kontakte und dachte: Das kann es doch nicht gewesen sein." Da kam ihm der Bericht über die Fahrersuche gerade recht. "Zwar wollte ich nicht mehr so schwere körperliche Arbeit machen, das habe ich schon zu lange gemacht. Aber es geht. Ich habe es getestet", sagt Sucker. "Wir lassen jeden der Freiwilligen erst einmal auf den Transportern zur Probe mitfahren", sagt Viola Knerndel. "Damit sie merken, wie schwer eine Kiste voller Gurken sein kann." 20 Kilogramm. Seit März gehört Sucker zum Fahrerteam, sitzt zweimal in der Woche für sechs Stunden hinterm Steuer, packt ein, packt aus. "Ich freue mich über das viele positive Feedback, auch von den Tafelkunden", sagt Sucker. Mittlerweile ist er Mitglied im Verein. Er ist in Oranienburg angekommen.

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Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel

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