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Ermittlerkreise
Tödlicher SUV-Unfall - Hinweise auf epileptischen Anfall

Der zerstörte SUV wird nach dem schweren Verkehrsunfall in Berlin-Mitte auf einen Abschleppwagen gehoben.
Der zerstörte SUV wird nach dem schweren Verkehrsunfall in Berlin-Mitte auf einen Abschleppwagen gehoben. © Foto: Paul Zinken/dpa
DPA / 09.09.2019, 19:33 Uhr - Aktualisiert 09.09.2019, 19:34
Berlin (dpa) Nach dem schweren Autounfall mit vier Toten in Berlin verdichten sich die Hinweise auf einen medizinischen Notfall des Fahrers als Ursache.

Nach ersten Erkenntnissen könnte der 42-jährige Mann am Steuer des Sportgeländewagens (SUV) einen epileptischen Anfall erlitten haben. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Ermittlerkreisen. Ein Sprecher der Polizei wollte das am Montag weder bestätigen noch dementieren. Polizeipräsidentin Barbara Slowik sagte: "Wir schließen nach wie vor definitiv medizinische Gründe nicht aus."

Die Polizei hatte nach dem Unfall mitgeteilt, dass es Hinweise auf einen medizinischen Notfall gegeben habe. Ob sie von dem Fahrer selbst, der älteren Beifahrerin oder Dritten stammten, wurde nicht mitgeteilt. Die Polizei will nun mit Hilfe der Krankenakte des Fahrers und einer Blutuntersuchung klären, ob er krank war und die Hinweise auf den Anfall stimmen.

Dazu muss die Staatsanwaltschaft die Beschlagnahmung der Akte in die Wege leiten. Ob das am Montag bereits geschehen war, war noch unklar. Die Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung führt, teilte lediglich mit: "Eine Ermittlungsgruppe der Polizei soll im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Umstände des Unfalls aufklären. Es werden Zeugen vernommen, die Daten des Unfallfahrzeugs ausgelesen sowie ein Video vom Unfallhergang ausgewertet. Weiteres kann derzeit nicht veröffentlicht werden."

Am Montagabend starteten Polizei und Staatsanwaltschaft per Mitteilung einen Zeugenaufruf. Sie fragten, wer den Unfall beobachtet habe und Angaben zum Hergang machen könne. Zudem suchten die Ermittler unter anderem nach Bürgern, die Videoaufzeichnungen beziehungsweise Mitschnitte vom Unfallhergang haben. Zeugen sind gebeten, sich bei der Polizei zu melden.

Der Porsche Macan war am Freitagabend von der Straße abgekommen und hatte vier Fußgänger überfahren. Nach Zeugenaussagen und einem Video fuhr der Wagen sehr schnell auf der Gegenfahrbahn am Verkehr, der auf der rechten Spur stand, vorbei. Er rammte eine Ampel, überfuhr die vier Menschen auf einem Gehweg, darunter einen dreijährigen Jungen, durchbrach einen Bauzaun und kam erst auf einem Baugrundstück zum Stehen.

An der Unfallkreuzung Invalidenstraße und Ackerstraße musste am Montag die Polizei zwischenzeitlich den Verkehr regeln, weil die Fußgängerampel bei dem Unfall zerstört worden war. Die Beamten verließen den Unfallort nach Polizeiangaben im Laufe des Vormittags, so dass es laut Medienberichten zu einigen gefährlichen Situationen im Verkehr gekommen sein soll. Ab Mittag war die Polizei dann wieder im Einsatz. Ab dem Abend sollte nach Angaben der Senatsverkehrsverwaltung eine provisorische Ampel aufgestellt werden.

Bei der Berliner Polizei gab es am Montag inoffiziell heftige Kritik an Teilen der Politik, die schon am Morgen nach dem Unfall eine in Städten losgetreten hatten - ohne Rücksicht auf die Familien der Opfer und ohne etwas über den Unfallverlauf und die Ursache zu wissen, wie es in der Behörde hieß.

Grünen-Politiker, die Deutsche Umwelthilfe, alternative Verkehrs- und Fußgänger-Verbände hatten am Samstag Einschränkungen für die Geländewagen gefordert. Auch bei einer Mahnwache am Samstag waren entsprechende Transparente und Flugblätter zu sehen.

Nach Einschätzung von Experten aus der Unfallforschung und der Polizei gibt es aber keine Hinweise dafür, dass der Unfall mit einer Limousine, einem Mittelklasseauto, einem Familien-Van oder einem Taxi anders verlaufen wäre. Viele Limousinen sind genauso schwer und schnell wie das Unfallauto.

Die FDP kritisierte am Montag wiederum die Grünen und die Deutsche Umwelthilfe. FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg warf ihnen ein Vorgehen nach dem Muster der AfD vor. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen und doch würden sie schon den Schuldigen kennen: SUVs und deren Fahrer. "Das ist nicht nur die Sprache, sondern auch die Logik der AfD: Vor- und Pauschalurteile über eine Gruppe, bevor alle Tatsachen bekannt sind", sagte Teuteberg in Berlin.

Der FDP-Verkehrsexperte Oliver Luksic wandte sich gegen eine "emotionslose Instrumentalisierung einer Tragödie für politische Zwecke". Es komme auf den Fahrer an, nicht auf das Auto, sagte Luksic der Deutschen Presse-Agentur. "Ein Tesla S ist schwerer als ein Porsche Macan und beschleunigt mindestens genauso schnell. Fordern die Grünen ein Verbot für E-Autos?"

Der Automobilclub ADAC hält ein Verbot von SUV weder für umsetzbar noch für sinnvoll. "Entscheidend für die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern ist vielmehr das verantwortungsvolle Führen von Kraftfahrzeugen", teilte ein ADAC-Sprecher mit. Das gelte vor allem für die Faktoren angepasste Geschwindigkeit, Alkohol und Ablenkung. "Insofern lässt sich Unfallvermeidung nicht mit dem Verbot einer Fahrzeugklasse lösen, sondern durch mehr Rücksichtnahme."

Epilepsien zählen zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Sie basieren auf Fehlfunktionen des Nervengewebes in bestimmten Hirnregionen: Blitzartig können sich elektrische Impulse entladen. Bei einem epileptischen Anfall kann es neben einer kurzen Bewusstseinsveränderung zu Zuckungen, Verspannungen oder Krampfanfällen des Körpers kommen.

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Anton Hoflreicher 11.09.2019 - 11:19:28

Paul Müller

Ich habe weder um Verbot des Einen noch des Anderen gebeten oder befürwortet oder abgelehnt. Ich habe um Repsekt gebeten, da Menschen gestorben sind und man mit Verstand agieren möge. Was, wieso, warum nach dem Anschlag am Breitscheidpatz diskutiert und gemacht wurde, dürfte auch etwas anders liegen als in diesem Fall. Natürlich kann man den Verbot des motorisierten Verkehrs immer (innerstädtisch) diskutieren. Ob's erfolgreich und praktikabel wäre, ist dann zu bwbewerten. Aber ich wiederhole, ruhig und ohne Polemik, egal welchen Alters, schon aus Respekt den Toten und Angehörigen.

Paul Müller 10.09.2019 - 18:13:03

Es ging hier um das sinnlose Verbieten von Fahrzeugen nach einem tödlichen Crash ...

... und da ist die Frage nach der Verhältnismässigkeit schon angebracht. Niemand hat nach dem Terroranschlag vom Breitscheitplatz jemals ein Verbot von LKWs in Betracht gezogen, warum ausgerechnet in diesem Fall, Herr Hoflreicher ?

Anton Hoflreicher 10.09.2019 - 07:30:09

An die eigene Nase

Sollten sich alle fassen.... Was würden die Haupkommentatoren hier schreiben, wäre es ein Afghane, Syrer, Russe, oder oder.... Alle mal ruhig bleiben. Es kamen Menschen ums Leben, Familienmitglieder sind aus der Welt gerissen worden. Und auch Sie können es nicht abwarten und schreiben Ihren "Kommentar" mit Hetzer, Breitscheidplatzvergleich o.ä Wer jetzt "besser" oder "schlechter" ist, stelle ich jedem anheim! Ja, ich habe jetzt auch geschrieben, aber damit mal wieder Ruhe und Verstand auf allen Seiten im Vordergrund steht.

Karl Napp 09.09.2019 - 21:45:52

Was wäre, wenn der Unfallverursacher

einen Opel Corsa, einen Seat Ibiza, einen VW Polo oder gar ein E-Auto gefahren hätte? Würden da auch gleich Verbotsforderungen folgen?

Paul Müller 09.09.2019 - 20:22:31

Wurden nach dem Anschlag vom Breitscheitplatz ...

... nicht auch Rufe nach einem Verbot von LKWS laut ? ... öhm, ok, vielleicht waren das nur Fakenews ...

Ralf Cornelius 09.09.2019 - 17:11:26

Grüne Hetzer

Nicht mal angesichts von vier Toten können Grüne und DUH für einen Moment schweigen, wird angeklagt, ausgegrenzt, vorverurteilt und verboten. Seit Fokushima haben die Grünen das System perfektioniert, aus Tragödien und Katastrophen politisches Kapital zu schlagen. Wenn sich der Verdacht der gesundheitlichen Ursache bestätigt, ist das dann doppelt pervers, weil offensichtlich kein Leid groß genug ist, um nicht in politische Aktionen der Grünen umgewandelt zu werden. Die Grünen zeigen mal wieder ihr wahres Gesicht. Sie sind Hetzer, nichts weniger, Öko-Populisten, die den politischen in nichts nachstehen, im Gegenteil.

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