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Naturnahe Anlagen im Barnim ermöglichen die Rückkehr zu den Laichgewässern und verbessern seit fünf Jahren die Lebensbedingungen.

Ökologie
Der Aufstieg der Fische im Barnim

Weg bereitet: Der Naturpark-Ranger Andreas Lauter begutachtet die Fischtreppe am Hellsee zwischen Lanke und Biesenthal. Auch während langer Trockenperioden führt sie Wasser.
Weg bereitet: Der Naturpark-Ranger Andreas Lauter begutachtet die Fischtreppe am Hellsee zwischen Lanke und Biesenthal. Auch während langer Trockenperioden führt sie Wasser. © Foto: Sergej Scheibe
Olav Schröder / 09.09.2019, 22:28 Uhr - Aktualisiert 10.09.2019, 08:56
Biesenthal (MOZ) Sie müssen bei allen Wasserständen funktionieren, bei Starkregen ebenso wie bei anhaltender Trockenheit. Im Barnim sind im Rahmen des sogenannten Wiedervernässungsprogramms mit einem Schwerpunkt im Biesenthaler Becken verschiedene Fischtreppen angelegt worden, bei Ützdorf und dem Ausfluss vom Liepnitzsee, im Bereich von Schwärze und Nonnenfließ sowie am Hellsee und an der Wehrmühle in Biesenthal. Rund fünf Jahre nach Abschluss des Projektes zieht Andreas Lauter, Ranger im Naturpark Barnim, für die Fischtreppen ein positive Bilanz. "Sie sichern das Überleben der Fische und sorgen für mehr Durchlässigkeit in der Landschaft." So könnten die in der Praxis erprobten unterschiedlichen Anlagen künftig auch beim Straßen- und Autobahnbau realisiert werden.

Die Mauer ist verschwunden

Andreas Lauter nimmt die Fischtreppe am Ausfluss des Hellsees in Augenschein. Wo früher eine hohe Mauer stand, die den Fischen bei ihrem Aufstieg in die angestammten Laichgewässer im Wege stand, erstreckt sich jetzt ein langgezogenes leicht ansteigender Fließgewässer. "2019 zeigt, wie wichtig es ist, dass auch in den trockenen Perioden das Wasser weiter fließen kann, auch wenn es nur gering ist. Nur dann können die Fische auch wandern", sagt der Ranger der Naturwacht. Im Hellsee als einem beliebten Angelgewässer sind Karpfen, Wels, Rotfeder und andere anzutreffen. In den Fließbereichen sind es Stichlinge, aber auch die etwas weniger anspruchsvolle amerikanische Regenbogenforelle. Andreas Lauter könnte sich darüber hinaus sogar eine Ansiedlung der Bachforelle vorstellen.

Aufwendig bei der Herstellung der Fischtreppe am Hellsee waren zum einen die großen Abbrucharbeiten, aber auch der Transport der Findlinge an den Hellsee. Wie Andreas Lauter berichtet, wiegen sie bis zu 25 Tonnen und mussten dementsprechend mit großen Lkw herangefahren werden. Dabei wurde auf kurze Transportwege geachtet, die gewichtigen Steine stammen aus Kiesgruben in der Region.

Die großen Brocken haben vor allem die Funktion, für eine unterschiedliche Fließgeschwindigkeit und für Ruhezonen im Wasser zu sorgen. "Die Fische sind ja durchaus in der Lage, über eine kurze Distanz auch eine starke Strömung zu überwinden, anschließend benötigen sie jedoch eine Pause", so Andreas Lauter.

Es sind nicht nur die verschiedenen Fischarten, die von der Treppe profitieren. "Es wird aktuell ja viel über das Insektensterben gesprochen", sagt der Ranger. "Der gleiche Effekt hat sich auch bei Wasserinsekten von den Wasserflöhen bis zu Libellenarten eingestellt, im Wasser wird er allerdings weniger wahrgenommen." Nicht zuletzt kommt die Fischtreppe auch der Ausbreitung von Wasserpflanzen entgegen.

Je nach Aufwand können die Kosten für eine Anlage bis in den sechsstelligen Bereich steigen. In kleineren Gewässern kann auch viel ehrenamtlich und in Handarbeit erledigt werden. Im Spreewald wurden auch Betonbauwerke realisiert, um Kanufahrern den Durchlass zu ermöglichen. "Die Haltbarkeit von Beton ist allerdings geringer. Diese Fischtreppen müssen gepflegt und gegebenenfalls repariert werden. Die Pflegekosten bei dem Natursteinaufstieg am Hellsee liegen dagegen bei null, so Andreas Lauter. Welche Art von Fischtreppe auch gebaut wird, entscheidend sei, dass sie bei Starkregen einer Überflutung standhalte und bei anhaltender Trockenheit noch funktioniere.

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