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Lebensgefahr
Polizei bricht Verfolgung ab

Dietmar Puttins / 12.09.2019, 06:00 Uhr - Aktualisiert 12.09.2019, 08:37
Brieskow-Finkenheerd (MOZ) Mutmaßlicher Autodieb gefährdet hochgradig Unbeteiligte. Bundespolizisten jagen ihn auf der neuen B112 und haben das Nachsehen.

Wulf Dietmar Richter ist heilfroh, dass die Polizei nicht aufs Ganze ging. Vor zwei Wochen geriet der 84-Jährige während seiner Autofahrt von Frankfurt (Oder) in seine Gemeinde Brieskow-Finkenheerd in eine Verfolgungsjagd der Bundespolizei mit einem mutmaßlichen Autodieb.

Dienstag, 27. August, 10.55 Uhr: Richter ist gerade aus Frankfurt heraus und beschleunigt auf der Eisenhüttenstädter Chaussee (neue B 112). Hinter ihm ein weiterer Pkw, dahinter ein Laster. Was er nicht ahnt und nicht im Rückspiegel einsehen kann: Von hinten nähern sich der Gejagte und drei Streifenwagen. Dann geht alles ganz schnell.

Der Seitenspiegel zersplitterte

Aus dem Windschatten des Lkw schießt ein roter Mazda auf die Gegenfahrbahn, vorbei am Laster, vorbei am nächsten Wagen und streift den Jaguar des Seniors so knapp, dass dessen Seitenspiegel auf der Fahrerseite zersplittert.

"Es hat einen Riesenschlag getan. Ich und mein Hintermann haben eine Vollbremsung hingelegt", erzählt der Mann mit dem Silberhaar und räumt ein: "Ich habe noch drei Tage lang daran zu knappern gehabt." Inzwischen geht es ihm wieder besser. Jetzt "knabbert" er daran, dass er sich in einem "versicherungsfreien Raum" wähnt. Der Täter entkam, Richters Selbstbeteiligung in der Teilkasko mindert sein Wohlgefühl und auch ohne Brexit würde er für seinen alten Wagen nur noch schwer einen Original-Seitenspiegel aus Großbritannien bekommen.

Bei alledem: Wulf Dietmar Richter hatte Glück, was er auch dem verantwortungsvollen Handeln der Streifenwagen-Besatzungen zu verdanken hat. "Unser Ziel ist es, den Strafverfolgungsanspruch des Staates durchzusetzen", sagt Jens Schobranski, einer der Bundespolizei-Pressesprecher aus der "Hauptstadtdirektion" Berlin-Niederschöneweide, "aber nicht zum Preis einer Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer." Schobranski bestätigt den Vorfall auf Höhe Kilometer 4,291 auf der B 112: "Einer unserer Streifen war in Frankfurt, am Kreuzungsbereich Müllroser Chaussee/Kopernikusstraße, ein Mazda 6 aufgefallen. Die Überprüfung des Kennzeichens ergab, dass es für einen Toyota ausgestellt wurde, der seit September 2018 als gestohlen galt."

Fahrer ignorierte Stopp-Signale

Der Mazda-Fahrer habe dann die eindeutigen Stopp-Signale der Bundespolizisten ignoriert und flüchtete auf die neue B 112 in Richtung Eisenhüttenstadt – hin zu Wulf Dietmar Richter. Der Laster hinter Richter bremste die Bundespolizei aus, der Verfolgte entkam. "Unsere Kollegen verloren den Sichtkontakt auf der Abfahrt Brieskow-Finkenheerd", sagt Bundespolizei-Pressesprecher Jens Schobranski. "Selbst ein Nachsetzen der Frankfurter Kollegen mit Bundespolizei aus Brandenburg half nichts", so der 1. Polizeihauptkommissar.

Fazit: Der Täter weg und Wulf Dietmar Richter blieb unversehrt. Glück gehabt.

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