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Die DDR aus Schülersicht
Abiturienten eröffnen Ausstellung zum Mauerfall

Fast am Ziel angekommen: Hannes Klusmann, Kunstlehrerin Doris Janisch, Leonard Tallach und Jill Döring unterbrachen das Aufbauen der Ausstellung für eine Plauderei über ihr Projekt. Nie zuvor hatten sie sich so intensiv mit der DDR-Geschichte beschäftigt.
Fast am Ziel angekommen: Hannes Klusmann, Kunstlehrerin Doris Janisch, Leonard Tallach und Jill Döring unterbrachen das Aufbauen der Ausstellung für eine Plauderei über ihr Projekt. Nie zuvor hatten sie sich so intensiv mit der DDR-Geschichte beschäftigt. © Foto: Roland Becker
Roland Becker / 12.09.2019, 18:15 Uhr
Hennigsdorf (MOZ) Ihre Namensschilder mit dem Zusatz "Moderator" haben Jill Döring, Leonard Tallach und Hannes Klusmann schon mal testweise für die Ausstellung am Shirt befestigt. Am heutigen Freitag wird es für sie ernst. Werden die Besucher der Schau "30 Jahre Mauerfall – Spurensuche und Identität" all die ganzen Anstrengungen schätzen können, die sie und ihre Mitschüler der Abiturstufe des Hennigsdorfer Oberstufenzentrums (OSZ) mehr als ein Jahr in das Projekt gesteckt haben?

"Wir müssen mal auf den Punkt kommen", sagt Kunstlehrerin Doris Janisch. Seit Montag dieser Woche platzieren die Schüler die Ausstellungsstücke immer wieder neu. Kaum steht ein Mauersegment, wird es – der besseren Optik wegen – schon wieder verschoben. Ins Auge fällt eine nackte Schaufensterpuppe. "Dass das ein Mädchen ist, wird man nicht sehen", amüsiert sich Janisch. Denn die weibliche Puppe bekommt die Uniform eines Grenzers verpasst, der einst zu den Bootstruppen in Nieder Neuendorf gehörte.

Mit Blick auf ein riesiges, noch zusammengerolltes Plakat verrät Abiturientin Jill Döring, dass dies zur Eröffnung am heutigen Freitag (Vernissage ab 18 Uhr im Bürgerhaus Alte Feuerwache) von Bürgermeister Thomas Günther (SPD) zerschnitten werden soll. Sozusagen als eine symbolische Grenzöffnung 30 Jahre nach dem Mauerfall. Aber auch hier offenbart sich schon wieder ein Problem: Kommt der Bürgermeister mit seiner Schere überhaupt bis zur oberen Kante? Andererseits: Wer einst die Mauer überwinden wollte, musste mit ganz anderen Widrigkeiten kämpfen. Also soll sich der Rathaus-Chef mal anstrengen!

"Wir sind alle aufgeregt und gespannt, was für Fragen kommen. Wer weiß, auf was für Ideen die Leute kommen?", fiebert Jill Döring der Eröffnung entgegen. Am Freitag wird es wegen des beengten Platzes eher nicht dazu kommen, dass sie Rundgänge durch die Ausstellung anbieten können. Mit weiteren vier Moderatoren wollen sie eher die einzelnen Stationen besetzen und punktuell informieren. Aber in der kommenden Woche sind dann Führungen vorgesehen.

Zu denen, die in vielen Stunden Freizeit ihr Herzblut in die Ausstellung haben fließen lassen, zählt Leonard Tallach. Seine Aufgabe war es, sich der DDR-Diktatur und der Mauer spielerisch zu nähern. Im wahrsten Sinn des Wortes. Entstanden ist zum Beispiel ein überdimensioniertes Mikado-Spiel. Auf jedem Stab ist ein Begriff vermerkt, der entweder die Diktatur oder die Demokratie charakterisiert. "Wer am Ende mehr Stäbe mit positiven Begriffen besitzt, hat gewonnen", erläutert er die so simpel klingende Spielidee. Auf die aber musste er erst einmal kommen.

Zwischen all den nachgebauten und thematisch besprayten Mauersegmenten erreicht der Besucher verschiedene Highlights der Ausstellung, darunter auch die Audiostation. Ein Film entführt in die Zeit bis 1989. Vor allem aber kann hier in bewegende Schicksale von Hennigsdorfern hineingehört werden, die ihren Bruch mit der DDR und den Beschränkungen einer Diktatur nicht anders lösen konnten, als dass sie die lebensgefährliche Flucht wagten.

Es dürfte voll werden zur heutigen Eröffnung. Und nicht nur diese Enge, sondern auch all das von den Schülern erarbeitete Material lässt den Gedanken aufkommen: Diese Ausstellung hätte mehr Platz verdient. "Spurensuche und Identität" lautet deren Untertitel. Wie aber sollen sich zehn Jahre nach dem Mauerfall geborene Jugendliche mit dieser Zeit identifizieren können? Hannes Klusmann gibt dem Wort eine vorwärts gewandte Bedeutung: "Heutzutage gibt es genügend Orte auf der Welt, wo es ähnlich unfreie Systeme gibt wie in der DDR. Hier können wir aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen."

Öffnungszeiten und Führungsangebote

Die Ausstellung "30 Jahre Mauerfall – Spurensuche und Identität" ist vom 13. September bis zum 17. Oktober im Hennigsdorfer Bürgerhaus Alte Feuerwache, Hauptstraße 3, zu sehen.

Bis zum 2. Oktober gelten folgende Öffnungszeiten: dienstags bis donnerstags von 10 bis 18 Uhr, sonntags von 14 bis 17 Uhr. An den Vormittagen führen OSZ-Schüler durch die Ausstellung.

Vom 6. bis 17. Oktober gelten dieselben Öffnungszeiten, allerdings ist an den Mittwochen geschlossen. Der Eintritt ist frei.

Die Schau ist als Wanderausstellung konzipiert und kann ausgeliehen werden. Ansprechpartnerin: Doris Janisch unter 0173 9075 431⇥rol

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